Das wöchentliche Gespräch mit dem Au-pair – warum 20 Minuten so viel verändern können

Nehmen Sie sich einmal pro Woche in Ruhe Zeit mit Ihrem Au-pair: Was hat gut funktioniert, was soll anders laufen, wie sieht die kommende Woche aus? Ein klarer, schriftlicher Wochenplan gibt Sicherheit – und die kurzen Tür-und-Angel-Gespräche im Alltag bleiben trotzdem wichtig.
Im Alltag passiert vieles zwischen Tür und Angel.
„Denk bitte nachher an die Sportsachen.“
„Morgen musst du eine halbe Stunde früher anfangen.“
„Das hat heute richtig gut mit den Kindern geklappt.“
Solche kurzen Absprachen gehören zu einem Au-pair-Alltag dazu. Doch gerade wenn ein Au-pair mit einer Familie zusammenlebt, sollte nicht alles zwischen Haustür, Abendessen und Kinderzimmer besprochen werden.
Manche Dinge brauchen Ruhe.
Deshalb empfehlen wir unseren Gastfamilien, sich regelmäßig ganz bewusst Zeit für ein gemeinsames Gespräch mit ihrem Au-pair zu nehmen.
Nicht erst dann, wenn etwas schiefläuft.
Sondern von Anfang an.
Tür-und-Angel-Gespräche sind wichtig – aber nicht für alles
Eigentlich kennt man es aus Kindergarten und Schule.
Beim Abholen gibt es eine kurze Rückmeldung:
„Heute war ein richtig guter Tag.“
„Beim Mittagessen war es etwas schwierig.“
„Denk bitte morgen daran …“
Genauso darf es auch mit einem Au-pair sein.
Wenn etwas gut funktioniert hat, sagen Sie es.
Wenn eine Kleinigkeit anders laufen sollte, kann sie direkt angesprochen werden.
Nicht jedes Thema muss bis zum nächsten großen Gespräch warten.
Aber genauso wenig sollte jeder kleine Moment zu einem ausführlichen Feedbackgespräch werden.
Sagen Sie auch, was gut läuft
Dieser Punkt ist wichtiger, als man denkt.
Denn häufig sprechen wir automatisch über Dinge, wenn sie nicht funktionieren.
Das Frühstück wurde zu spät vorbereitet? Wir sagen etwas.
Eine Aufgabe wurde vergessen? Wir sagen etwas.
Das Au-pair hat aber morgens selbstständig an alles gedacht, die Kinder hatten einen tollen Nachmittag und am Abend war die Küche aufgeräumt?
Dann geht der Tag weiter.
Versuchen Sie deshalb, auch die positiven Dinge bewusst auszusprechen.
„Das hast du heute richtig gut gemacht.“
„Danke, dass du daran gedacht hast.“
„Ich fand toll, wie du heute mit der Situation umgegangen bist.“
Lob schafft Sicherheit – und zeigt gleichzeitig, welches Verhalten Sie sich auch zukünftig wünschen.
Was war gut – und was soll morgen anders laufen?
Wenn etwas nicht funktioniert hat, darf das genauso angesprochen werden.
Freundlich, konkret und möglichst zeitnah.
Dabei hilft eine einfache Orientierung:
Was hat gut funktioniert?
Was hat heute noch nicht gut funktioniert?
Was wünsche ich mir beim nächsten Mal anders?
So weiß das Au-pair nicht nur, dass etwas falsch war, sondern auch, was es konkret verändern soll.
Gerade bei sprachlichen Unterschieden ist das entscheidend.
Einmal pro Woche: raus aus dem Alltag
Zusätzlich zu den kurzen Gesprächen im Alltag sollte es regelmäßig einen ruhigen Moment geben, in dem beide Seiten wirklich Zeit haben.
Setzen Sie sich zusammen.
Ohne Kinder, die gleichzeitig etwas brauchen. Ohne nebenbei das Abendessen zu machen. Ohne in fünf Minuten zum nächsten Termin zu müssen.
Hier kann die vergangene Woche kurz besprochen und gleichzeitig die kommende Woche geplant werden.
Was steht an?
Wann wird das Au-pair gebraucht?
Welche Termine haben die Kinder?
Gibt es Veränderungen?
Welche freien Zeiten sind geplant?
Und gibt es etwas, das einer von beiden ansprechen möchte?
So entstehen deutlich weniger Missverständnisse.
Der Wochenplan schafft Sicherheit
Gerade am Anfang sollte ein Au-pair nicht jeden Morgen neu erfahren, wie sein Tag aussieht.
Ein klarer Wochenplan gibt beiden Seiten Orientierung.
Besprechen Sie die kommende Woche gemeinsam und halten Sie die vereinbarten Zeiten und wichtigen Termine schriftlich fest.
Je nach Deutschkenntnissen kann es gerade in der ersten Zeit hilfreich sein, wichtige Informationen zusätzlich auf Englisch festzuhalten.
Der fertige Wochenplan kann anschließend beispielsweise gut sichtbar in der Küche oder am Kühlschrank hängen.
Eine weitere Kopie kann das Au-pair für sich behalten.
So können beide Seiten jederzeit nachsehen.
Was wirklich wichtig ist, darf auch so benannt werden
Nicht jede Kleinigkeit hat dieselbe Bedeutung.
Es gibt Wünsche.
Es gibt Dinge, bei denen man flexibel sein kann.
Und es gibt Vereinbarungen, bei denen eine Familie sagen muss:
„Das ist uns wirklich wichtig und darauf müssen wir uns verlassen können.“
Vielleicht geht es um Pünktlichkeit.
Vielleicht um eine Regel im Umgang mit den Kindern.
Vielleicht um einen bestimmten Ablauf.
Sprechen Sie solche Punkte klar aus.
Ein Au-pair kann Erwartungen nur erfüllen, wenn es weiß, welche Erwartungen tatsächlich bestehen.
Deutsch oder Englisch? Hauptsache verstanden
Natürlich ist ein Au-pair in Deutschland, um auch seine Deutschkenntnisse zu verbessern.
Der Familienalltag bietet dafür jeden Tag Möglichkeiten.
Bei wichtigen Absprachen sollte es aber nicht darum gehen, um jeden Preis ausschließlich Deutsch zu sprechen.
Wenn Sie merken, dass etwas nicht vollständig verstanden wurde, erklären Sie es noch einmal einfacher – oder zusätzlich auf Englisch.
Gerade Termine, Arbeitszeiten oder wichtige Regeln sollten am Ende nicht ungefähr, sondern wirklich verstanden worden sein.
Geben Sie auch Ihrem Au-pair Raum
Ein wöchentliches Gespräch funktioniert nicht nur in eine Richtung.
Fragen Sie auch Ihr Au-pair:
Wie war deine Woche?
Gibt es etwas, das dir schwerfällt?
Hast du etwas nicht verstanden?
Gibt es eine Situation mit den Kindern, bei der du unsicher bist?
Manchmal erfahren Gastfamilien erst durch solche Fragen, dass das Au-pair seit Tagen über eine Kleinigkeit nachdenkt, die sich in zwei Minuten hätte klären lassen.
Gute Kommunikation verhindert, dass Kleinigkeiten groß werden
Ein wöchentliches Gespräch muss keine große Familienkonferenz sein.
Es geht um einen festen Moment, in dem beide Seiten wissen:
Hier können wir Dinge ansprechen.
Dazu kommen die kleinen Tür-und-Angel-Gespräche im Alltag.
Mal ein Lob.
Mal eine kurze Korrektur.
Mal ein „Das machen wir morgen bitte anders.“
Und einmal in Ruhe der Blick auf die kommende Woche.
Genau diese Mischung schafft Orientierung.
Unser Tipp von Besondere Sterne
Warten Sie mit Gesprächen nicht so lange, bis sich Ärger angesammelt hat.
Loben Sie, was gut funktioniert. Sprechen Sie früh an, was sich verändern soll. Und planen Sie die kommende Woche gemeinsam.
Ein klarer Wochenplan und regelmäßige Gespräche geben Ihrem Au-pair Sicherheit – und Ihnen als Gastfamilie Verlässlichkeit.
Denn häufig entstehen Schwierigkeiten im Au-pair-Alltag nicht deshalb, weil jemand etwas absichtlich falsch macht.
Sondern weil zwei Menschen glaubten, sie hätten dasselbe vereinbart.
Gute Kommunikation sorgt dafür, dass aus „Ich dachte …“ ein klares „Wir haben besprochen …“ wird.

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


