Kommunikation mit dem Au-pair – damit aus kleinen Missverständnissen keine großen Probleme werden

Beobachten statt bewerten: Beschreiben Sie, was passiert ist, statt zu sagen, wie jemand ist. Sprechen Sie Dinge früh, freundlich und konkret an, denken Sie an die Sprachbarriere, zeigen Sie Abläufe lieber einmal gemeinsam – und sagen Sie auch, wenn etwas richtig gut läuft.
„Sie ist einfach unzuverlässig.“
Oder:
„Sie war diese Woche dreimal später da als vereinbart.“
Beide Sätze beschreiben möglicherweise dieselbe Situation.
Und trotzdem lösen sie etwas völlig Unterschiedliches aus.
Der erste Satz bewertet einen Menschen.
Der zweite beschreibt, was tatsächlich passiert ist.
Genau dieser kleine Unterschied kann in der Kommunikation mit einem Au-pair unglaublich viel verändern.
Denn wenn ein junger Mensch aus einem anderen Land plötzlich mit Ihrer Familie zusammenlebt, treffen nicht nur unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander.
Es treffen Sprachen, Kulturen, Erwartungen und Gewohnheiten aufeinander.
Und manches, was für Sie vollkommen selbstverständlich ist, ist es für Ihr Au-pair vielleicht überhaupt nicht.
Zusammenleben braucht Kommunikation
Ein Au-pair ist weder Mitarbeiterin, die morgens zur Tür hereinkommt und abends wieder geht, noch einfach ein zusätzliches Familienmitglied, das automatisch weiß, wie alles funktioniert.
Es lebt mit Ihnen.
Und genau deshalb ist gute Kommunikation so wichtig.
Denn die kleinen Dinge des Alltags summieren sich schnell.
Die Tasse steht jeden Morgen irgendwo.
Die Kinder waren noch nicht fertig, obwohl Sie losmussten.
Das Au-pair kommt wieder fünf Minuten später.
Oder eine Aufgabe wurde anders erledigt, als Sie es erwartet hatten.
Aus einer Kleinigkeit wird irgendwann Ärger.
Und häufig weiß die andere Person überhaupt nicht, dass es ein Problem gibt.
Beschreiben Sie, was passiert ist – nicht, wie jemand „ist“
„Du bist unzuverlässig.“
„Du bist unordentlich.“
„Du hörst nie richtig zu.“
Solche Aussagen treffen schnell die Person selbst.
Viel hilfreicher ist es, über eine konkrete Situation zu sprechen.
Was ist passiert? Was hatten Sie vereinbart? Und was wünschen Sie sich beim nächsten Mal anders?
Damit bleibt ein Problem genau das, was es eigentlich ist:
eine Situation, die sich verändern lässt.
Das ist besonders wichtig, wenn man anschließend wieder gemeinsam am Frühstückstisch sitzt.
Denken Sie an die Sprachbarriere
Auch ein Au-pair mit Deutschkenntnissen versteht nicht automatisch jede Formulierung.
Und gerade wenn wir uns ärgern, sprechen wir häufig schneller, komplizierter und emotionaler.
Dann fallen plötzlich Redewendungen wie:
„Das kann doch nicht jedes Mal so laufen.“
Für jemanden, der Deutsch gerade erst lernt, kann schon die sprachliche Bedeutung schwierig sein – ganz zu schweigen von dem, was Sie eigentlich damit ausdrücken möchten.
Deshalb gilt:
Je wichtiger die Botschaft, desto klarer die Sprache.
Wenn etwas auf Deutsch nicht richtig ankommt, darf man selbstverständlich auch einmal auf Englisch erklären, was gemeint ist.
Das Ziel ist nicht, einen Sprachtest zu bestehen.
Das Ziel ist, einander zu verstehen.
Zeigen ist manchmal besser als zehnmal erklären
Nicht alles lässt sich mit Worten am besten vermitteln.
Gerade am Anfang kann es viel leichter sein, bestimmte Abläufe gemeinsam zu machen.
Zeigen Sie einmal, wie etwas bei Ihnen normalerweise funktioniert.
Nicht:
„Das habe ich dir doch schon erklärt.“
Sondern:
„Komm, ich zeige dir noch einmal, wie wir das machen.“
Das nimmt Druck heraus und verhindert gleichzeitig, dass sich Fehler immer wiederholen.
Kommunikation besteht nicht nur aus Korrektur
Dieser Punkt wird im Familienalltag schnell vergessen.
Wenn etwas nicht funktioniert, sprechen wir darüber.
Wenn alles funktioniert?
Dann sagen wir häufig gar nichts.
Für das Au-pair kann dadurch irgendwann der Eindruck entstehen, dass Gespräche mit der Gastfamilie hauptsächlich dann stattfinden, wenn etwas falsch gelaufen ist.
Deshalb darf Kommunikation auch ganz einfach sein:
„Das hast du heute richtig gut gemacht.“
„Danke, dass du daran gedacht hast.“
„Die Kinder hatten heute richtig viel Spaß mit dir.“
„Das hat mir heute wirklich geholfen.“
Gerade in einer fremden Sprache und einem neuen Land gibt positives Feedback Sicherheit.
Und es zeigt Ihrem Au-pair gleichzeitig, welches Verhalten Sie sich wünschen.
Auf Augenhöhe – trotz klarer Regeln
Gastfamilie und Au-pair haben unterschiedliche Rollen.
Natürlich dürfen Sie Regeln festlegen, Erwartungen formulieren und ansprechen, wenn Vereinbarungen nicht eingehalten werden.
Auf Augenhöhe zu kommunizieren bedeutet nicht, alles durchgehen zu lassen.
Es bedeutet, den anderen ernst zu nehmen.
Fragen Sie deshalb manchmal auch:
„Wie hast du die Situation erlebt?“
Vielleicht gab es ein Missverständnis.
Vielleicht hat das Au-pair etwas anders verstanden.
Vielleicht steckt hinter einem Verhalten ein Grund, den Sie bisher überhaupt nicht kannten.
Das bedeutet nicht automatisch, dass Sie Ihre Erwartung ändern müssen.
Aber Sie verstehen zumindest, worüber Sie eigentlich sprechen.
Nicht jedes Thema gehört zwischen Haustür und Abendessen
Natürlich muss nicht für jede Kleinigkeit ein großes Gespräch angesetzt werden.
Viele Dinge lassen sich direkt und freundlich im Alltag klären.
Andere Themen brauchen Ruhe.
Wenn Sie merken, dass Sie sich gerade richtig ärgern oder dass es um etwas geht, das immer wieder vorkommt, ist der Moment zwischen zwei Terminen häufig nicht der beste Zeitpunkt.
Ein Au-pair lebt schließlich weiterhin mit Ihnen unter einem Dach.
Kommunikation sollte deshalb Probleme lösen – und nicht zusätzlich neue schaffen.
Kleine Missverständnisse gehören dazu
Wahrscheinlich wird es keinen zwölfmonatigen Au-pair-Aufenthalt geben, in dem sich niemals jemand missversteht.
Das ist auch gar nicht das Ziel.
Das Ziel ist vielmehr, dass kleine Dinge klein bleiben.
Dass angesprochen wird, was stört.
Dass nachgefragt wird, wenn etwas nicht verstanden wurde.
Dass nicht nur kritisiert, sondern auch gelobt wird.
Und dass beide Seiten lernen, miteinander zu sprechen.
Unser Tipp von Besondere Sterne
Warten Sie nicht, bis aus fünf kleinen Situationen ein großes Problem geworden ist.
Sprechen Sie Dinge frühzeitig, freundlich und konkret an.
Beobachten statt bewerten.
Erklären statt voraussetzen.
Zeigen statt nur kritisieren.
Und auch einmal sagen, wenn etwas richtig gut läuft.
Unsere Gastfamilien und Au-pairs begleiten wir gerade in der wichtigen ersten gemeinsamen Zeit auch bei den Herausforderungen, die im Zusammenleben entstehen können.
Denn ein gutes Matching ist wichtig.
Aber ein gutes Zusammenleben entsteht vor allem dadurch, dass zwei Seiten lernen, einander wirklich zu verstehen.

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


