Nachmittagsbetreuung für Kinder mit Behinderung: Welche Möglichkeiten gibt es?

Au-pair geht bei Nachmittagssonne mit zwei Schulkindern von hinten eine grüne Allee entlang nach Hause.

Die Schule ist um 13 Uhr aus.

Die Arbeit geht bis 16 Uhr.

Und dazwischen liegt eine Frage, die viele Eltern eines Kindes mit Behinderung jede Woche aufs Neue beschäftigt: Wer ist am Nachmittag für mein Kind da?

Bei anderen Kindern ist die Antwort oft einfach. Hort, Ganztag oder ein paar Stunden allein zu Hause. Bei einem Kind mit Behinderung geht das häufig nicht. Vielleicht braucht es mehr Begleitung. Vielleicht findet es sich in großen Gruppen schwer zurecht. Vielleicht kann es auch mit zwölf Jahren noch nicht allein bleiben.

Dieser Ratgeber gibt einen Überblick, welche Möglichkeiten der Nachmittagsbetreuung es gibt und wie Familien daraus eine Lösung bauen können, die zu ihrem Alltag passt. Die Angebote und Namen unterscheiden sich je nach Bundesland und Wohnort. Für Ihre persönliche Situation lohnt sich deshalb immer eine Beratung vor Ort.

Hort und Ganztag an der Schule

Viele Schulen bieten eine Betreuung am Nachmittag an, als Hort, offenen Ganztag oder gebundenen Ganztag. Kinder mit Behinderung können diese Angebote grundsätzlich auch nutzen.

Wie gut das gelingt, hängt stark von der Einrichtung ab. Von der Gruppengröße. Vom Personal. Und davon, ob Ihr Kind dort die Unterstützung bekommt, die es braucht. Fragen Sie offen nach und schauen Sie sich die Betreuung, wenn möglich, vorher an.

Ob eine Begleitperson, die Ihr Kind am Vormittag in der Schule unterstützt, auch am Nachmittag dabei sein kann, ist unterschiedlich geregelt. Das klären Sie am besten direkt mit der Schule und dem zuständigen Träger.

Förderschulen mit Nachmittagsangebot

Manche Förderschulen haben selbst ein Angebot am Nachmittag oder arbeiten eng mit einer Tagesstätte zusammen. Die Gruppen sind meist kleiner und die Fachkräfte kennen sich mit besonderem Unterstützungsbedarf aus.

Ob es so ein Angebot an der Schule Ihres Kindes gibt und bis wann es geht, erfahren Sie direkt bei der Schule.

Heilpädagogische Tagesstätte (HPT)

Eine Heilpädagogische Tagesstätte betreut Kinder mit Behinderung oder Entwicklungsauffälligkeiten häufig im Anschluss an die Schule, in kleinen Gruppen und mit heilpädagogischer Förderung. Der Begriff ist vor allem in Bayern verbreitet. In anderen Bundesländern gibt es ähnliche Angebote unter anderen Namen.

Ob ein Kind einen Platz bekommt, entscheidet in der Regel der zuständige Träger der Eingliederungshilfe. Plätze sind oft knapp. Was Familien tun können, wenn die HPT nicht ausreicht, lesen Sie in unserem Ratgeber „Wenn HPT und andere Angebote nicht ausreichen“.

Familienentlastender Dienst und Freizeitassistenz

Ein Familienentlastender oder Familienunterstützender Dienst (FED/FUD) schickt stundenweise eine Betreuungsperson. Sie spielt mit dem Kind, begleitet es nach draußen oder zu einem Hobby. Das kann einen Nachmittag in der Woche spürbar leichter machen.

Eine Freizeitassistenz begleitet ein Kind gezielt zu Freizeitangeboten, damit es zum Beispiel am Sport oder an der Musikschule teilnehmen kann.

Beide Angebote sind wertvoll. Sie decken aber meist nur einzelne Stunden ab und nicht jeden Nachmittag.

Großeltern, Freunde und Nachbarn

In vielen Familien tragen Großeltern einen Teil der Nachmittage. Das ist ein Geschenk. Aber nicht jede Familie hat die Großeltern in der Nähe, und nicht jeder kann sich zutrauen, ein Kind mit Behinderung über mehrere Stunden zu betreuen.

Warum oft keine Lösung allein reicht

Montag und Mittwoch hat die Tagesstätte einen Platz. Dienstag kommt der FED für zwei Stunden. Donnerstag springt die Oma ein. Und Freitag?

Genau so sieht der Wochenplan in vielen Familien aus. Jede einzelne Lösung hilft. Aber zusammen ergeben sie oft noch keinen verlässlichen Nachmittag. Dazu kommen Ferien, Schließtage und Krankheitstage, an denen das ganze Gerüst ins Wanken gerät.

Ein Au-pair als Ergänzung am Nachmittag

Ein Au-pair lebt als Familienmitglied auf Zeit bei Ihnen. Im Rahmen des Au-pair-Programms kann es bis zu 30 Stunden in der Woche bei der Kinderbetreuung und bei leichten Aufgaben im Haushalt unterstützen.

Am Nachmittag kann ein Au-pair Ihr Kind zum Beispiel von Schule oder Tagesstätte abholen, mit ihm essen, spielen, rausgehen und vertraute Routinen begleiten. Es kann Ihr Kind zu einem Hobby begleiten oder für die Geschwister da sein, während Sie mit Ihrem Kind einen Termin haben.

Weil das Au-pair mit Ihnen lebt, lernt es Ihr Kind über die Monate immer besser kennen. Aus einer fremden Person wird eine vertraute Bezugsperson. Gerade für Kinder, die viele wechselnde Menschen schwer aushalten, kann das viel ausmachen.

Wichtig ist: Ein Au-pair ist keine Fachkraft. Es übernimmt keine Pflege, keine Therapie und ersetzt keine Assistenz, die Ihrem Kind zusteht. Es ergänzt das, was Schule, Tagesstätte und Fachleute leisten, im ganz normalen Familienalltag.

Unser Tipp von Besondere Sterne

Häufige Fragen

Gibt es einen Hort für Kinder mit Behinderung?

Kinder mit Behinderung können grundsätzlich auch den Hort oder den Ganztag ihrer Schule besuchen. Ob die Betreuung dort gut passt, hängt von der Einrichtung und vom Unterstützungsbedarf Ihres Kindes ab. Daneben gibt es je nach Region heilpädagogische Angebote am Nachmittag.

Was tun, wenn die Schule mittags endet und keine Betreuung frei ist?

Viele Familien kombinieren mehrere Angebote, zum Beispiel Tagesstätte, Familienentlastenden Dienst und Großeltern. Ein Au-pair kann die Nachmittage dazwischen mittragen.

Kann ein Au-pair jeden Nachmittag da sein?

Ein Au-pair kann bis zu sechs Stunden am Tag und 30 Stunden in der Woche unterstützen. Wie Sie diese Stunden über die Woche verteilen, besprechen Sie gemeinsam.

Ersetzt ein Au-pair eine Fachkraft oder Assistenz?

Nein. Ein Au-pair ergänzt die Betreuung im Familienalltag. Pflege, Therapie und Assistenz bleiben Aufgabe der Fachleute.

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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