Der Nachmittag mit Au-pair: Betreuung, Freizeit und Inklusion nach Schule und Kindergarten

Au-pair geht bei Nachmittagssonne mit zwei Schulkindern von hinten eine grüne Allee entlang nach Hause.

Der Schul- oder Kindergartentag ist vorbei – aber der Familienalltag noch lange nicht.

Kinder müssen abgeholt werden, möchten etwas essen, Hausaufgaben machen, auf den Spielplatz, zum Sport, zur Musikschule oder einfach nach Hause und spielen.

Gerade der Nachmittag ist deshalb für viele Familien die Zeit, in der die Unterstützung durch ein Au-pair besonders wertvoll wird.

Das Au-pair kann Kinder abholen, den Nachmittag mit ihnen gestalten, sie zu ihren Hobbys begleiten und für verlässliche Routinen sorgen.

Für Familien mit einem Kind mit Behinderung kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu:

Eine zusätzliche vertraute Begleitperson kann Teilhabe ermöglichen – und damit ganz selbstverständlich für mehr Inklusion im Alltag sorgen.

Kinder nach Schule oder Kindergarten abholen

Für viele Au-pairs beginnt die Nachmittagsbetreuung mit dem Abholen.

Je nach Alter der Kinder und Wohnort kann das Au-pair sie zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Bus und Bahn oder – wenn alle Voraussetzungen dafür erfüllt sind – mit dem Auto von Schule, Kindergarten, Kita oder Tagesmutter abholen.

Danach beginnt der gemeinsame Nachmittag.

Vielleicht geht es direkt nach Hause. Vielleicht steht ein Hobby an. Vielleicht wird bei schönem Wetter noch eine Runde auf dem Spielplatz eingelegt.

Genau diese Flexibilität macht die Unterstützung eines Au-pairs im Familienalltag so wertvoll.

Erst einmal ankommen: Schöne Nachmittagsroutinen schaffen

Nicht jedes Kind möchte nach sechs Stunden Schule sofort das nächste Programm.

Manche Kinder brauchen zunächst etwas zu essen.

Andere möchten erzählen.

Wieder andere benötigen erst einmal Ruhe.

Gerade bei Kindern mit Behinderung oder besonderem Unterstützungsbedarf können wiederkehrende Nachmittagsroutinen zusätzliche Sicherheit geben.

Zum Beispiel:

Nach Hause kommen, Schuhe und Jacke ausziehen, gemeinsam einen Snack essen, eine kurze Pause machen und erst anschließend Hausaufgaben oder Freizeitaktivitäten beginnen.

Das Au-pair kann solche bestehenden Familienroutinen kennenlernen und mit der Zeit selbstständig begleiten.

Kann ein Au-pair bei den Hausaufgaben helfen?

Ein Au-pair kann ein Schulkind selbstverständlich bei seiner Hausaufgabenroutine begleiten.

Es kann beispielsweise daran erinnern, dass die Hausaufgaben gemacht werden müssen, einen ruhigen Arbeitsplatz vorbereiten, gemeinsam die Aufgaben anschauen oder bei einfachen Fragen unterstützen.

Das Au-pair ist allerdings keine professionelle Nachhilfelehrkraft.

Gerade wenn das Au-pair selbst noch Deutsch lernt, sollte die Erwartung deshalb realistisch bleiben.

Manchmal besteht die wertvollste Unterstützung einfach darin, neben dem Kind zu sitzen, Struktur zu geben und dafür zu sorgen, dass die Hausaufgaben überhaupt in Ruhe erledigt werden.

Was kann ein Au-pair am Nachmittag mit den Kindern machen?

Nicht jeder Nachmittag braucht ein großes Programm.

Im Gegenteil: Ein Au-pair kann mit den Kindern einen ganz normalen Alltag verbringen.

Bei schönem Wetter geht es vielleicht auf den Spielplatz, in den Park, zum Fahrradfahren oder auf einen Spaziergang.

Bei schlechtem Wetter gibt es zu Hause unzählige Möglichkeiten:

Brettspiele spielen, Karten spielen, puzzeln, basteln, malen, Lego bauen, Bücher vorlesen oder gemeinsam im Kinderzimmer spielen.

Vielleicht werden zusammen Muffins gebacken, ein Kuchen vorbereitet oder in der Weihnachtszeit Plätzchen ausgestochen.

Aus solchen ganz einfachen Situationen entstehen häufig irgendwann die schönsten gemeinsamen Rituale zwischen Kindern und Au-pair.

Das Au-pair muss nicht jeden Nachmittag „bespaßen“

Auch das ist wichtig.

Ein Au-pair muss nicht jeden Tag ein pädagogisch wertvolles Nachmittagsprogramm erfinden.

Kinder dürfen sich langweilen.

Sie dürfen selbst spielen.

Und das Au-pair darf auch einfach mit ihnen im Kinderzimmer sitzen, ein Buch anschauen oder dabei sein, während die Kinder ihrem eigenen Spiel nachgehen.

Gute Kinderbetreuung bedeutet nicht permanente Animation.

Zeit und verlässliche Anwesenheit können genauso wertvoll sein.

Hobbys: Das Au-pair kann Kinder begleiten

Nachmittage bestehen in vielen Familien auch aus Fahrdiensten.

Fußballtraining. Kinderturnen. Musikschule. Reiten. Schwimmkurs. Tanzunterricht. Karate.

Ein Au-pair kann hier eine wichtige Wegbegleitung übernehmen.

Während Mama beispielsweise mit einem Geschwisterkind einen Termin hat, begleitet das Au-pair ein anderes Kind zum Sport.

Gerade mit mehreren Kindern entzerrt das den Familienalltag enorm.

Au-pair und Kind mit Behinderung: Freizeit ermöglichen

Für Kinder mit Behinderung kann eine zusätzliche Begleitperson am Nachmittag noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Denn manchmal scheitert eine Freizeitaktivität nicht daran, dass ein Kind sie nicht machen könnte.

Es fehlt schlicht eine Person, die mitgeht.

Vielleicht würde das Kind gerne zum Kinderturnen gehen, benötigt dort aber etwas mehr Orientierung.

Vielleicht möchte es am Musikgarten teilnehmen, kann aber nicht ohne Begleitung bleiben.

Vielleicht liebt es Fußball, Reiten, Karate oder Musik, benötigt jedoch jemanden, der ihm hilft, sich in der Gruppe zurechtzufinden oder den Ablauf zu verstehen.

Ein entsprechend eingearbeitetes Au-pair kann hier im Rahmen der normalen Kinderbetreuung unterstützend begleiten.

Und plötzlich wird eine Aktivität möglich, die organisatorisch vorher kaum machbar war.

Inklusion findet auch am Nachmittag statt

Inklusion bedeutet nicht nur Schule oder Kindergarten.

Sie findet genauso auf dem Fußballplatz, im Sandkasten, beim Kinderturnen und im Musikunterricht statt.

Ein Au-pair kann hier manchmal zu einem kleinen Brückenbauer werden.

Ein Kind mit Behinderung möchte auf dem Spielplatz mit anderen Kindern spielen, findet aber allein keinen Zugang.

Das Au-pair kann sich mit in den Sandkasten setzen, ein gemeinsames Spiel beginnen und andere Kinder einbeziehen.

Vielleicht braucht das Kind Unterstützung bei der Kommunikation. Vielleicht muss ein Spiel kurz erklärt oder vereinfacht werden. Vielleicht benötigt es einfach jemanden, der Sicherheit gibt.

Das Au-pair ersetzt dabei keine pädagogische Fachkraft.

Es tut etwas viel Alltäglicheres:

Ein Kind mit Behinderung auf dem Spielplatz begleiten

Für viele Kinder ist es selbstverständlich, irgendwann alleine oder mit Freunden auf den Spielplatz zu gehen.

Für ein Kind mit Behinderung ist das möglicherweise nicht möglich.

Vielleicht kann es Gefahren nicht ausreichend einschätzen. Vielleicht benötigt es Unterstützung bei der Orientierung oder Kommunikation. Vielleicht darf es aufgrund seines Entwicklungsstandes schlicht noch nicht alleine draußen bleiben.

Dann kann das Au-pair mitgehen.

Es kann schaukeln, im Sandkasten sitzen, Ball spielen, beim Klettern begleiten oder einfach in der Nähe bleiben.

Für das Kind bedeutet das Freizeit.

Für die Eltern bedeutet es Entlastung.

Und für die Geschwister bedeutet es vielleicht, dass Mama oder Papa währenddessen einmal ausschließlich für sie Zeit haben.

Darf ein Au-pair ein Kind zur Therapie begleiten?

Auch Therapietermine liegen häufig am Nachmittag.

Ein Au-pair kann ein Kind beispielsweise zur Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie oder Reittherapie begleiten, sofern dies mit der Familie und der jeweiligen Einrichtung entsprechend abgestimmt ist.

Dabei ist jedoch eine wichtige Grenze zu beachten:

Das Au-pair begleitet zur Therapie – es übernimmt keine Therapie.

Es ist keine therapeutische Fachkraft und übernimmt keine medizinischen oder therapeutischen Fachaufgaben.

Bei einer Reittherapie kann es beispielsweise mit zum Termin fahren, dem Kind Sicherheit durch seine Anwesenheit geben und anschließend wieder mit ihm nach Hause fahren.

Die therapeutische Arbeit bleibt Aufgabe der Fachperson.

Begleitung im Freizeitalltag ist keine professionelle Freizeitassistenz

Gerade bei Kindern mit Behinderung wird häufig der Begriff Freizeitassistenz verwendet.

Ein Au-pair kann im Alltag durchaus Tätigkeiten übernehmen, die sich ähnlich anfühlen: Es begleitet ein Kind zu Freizeitangeboten, hilft bei der Orientierung, unterstützt Kommunikation oder ermöglicht die Teilnahme an einem Hobby.

Trotzdem sollte die Rolle klar bleiben.

Ein Au-pair ist keine professionelle Assistenzkraft oder Eingliederungshilfe.

Benötigt ein Kind aufgrund seines individuellen Hilfebedarfs eine fachlich oder leistungsrechtlich definierte Assistenz, kann diese nicht einfach durch ein Au-pair ersetzt werden.

Das Au-pair begleitet den normalen Freizeitalltag des Kindes im Rahmen seiner Kinderbetreuung.

Manchmal übernimmt das Au-pair einfach die Geschwister

Auch am Nachmittag muss nicht immer das Kind mit Behinderung vom Au-pair betreut werden.

Vielleicht fährt Mama mit ihrem Kind zur Therapie.

Währenddessen holt das Au-pair die Geschwister von der Schule ab, geht mit ihnen auf den Spielplatz und bereitet anschließend gemeinsam das Abendessen vor.

Oder Papa begleitet das Kind mit Behinderung zum Sport und das Au-pair verbringt einen schönen Nachmittag mit dem Geschwisterkind.

Auch das ist Entlastung.

Und gerade für Geschwister kann diese zusätzliche Bezugsperson unglaublich wertvoll sein.

Aus Nachmittagsbetreuung wird Beziehung

Am Anfang braucht das Au-pair vielleicht noch viele Ideen und Anweisungen.

„Heute könntet ihr auf den Spielplatz gehen.“

„Dieses Brettspiel liebt er.“

„Mittwochs hat sie um 16 Uhr Kinderturnen.“

Doch mit der Zeit entstehen eigene Routinen.

Das Au-pair weiß irgendwann selbst, welches Buch das Kind zum zehnten Mal hören möchte. Es kennt den Weg zum Fußballtraining. Es weiß, welcher Spielplatz der Lieblingsspielplatz ist und welches Kind beim Memory grundsätzlich gewinnen möchte.

Aus organisierter Nachmittagsbetreuung durch ein Au-pair entsteht Beziehung.

Ein ganz normaler Nachmittag kann unglaublich wertvoll sein

Ein Au-pair muss keine außergewöhnlichen Dinge mit den Kindern unternehmen.

Es muss nicht jeden Nachmittag einen Ausflug planen oder ein neues Bastelprojekt vorbereiten.

Abholen. Gemeinsam essen. Hausaufgaben begleiten. Spielen. Rausgehen. Zum Hobby fahren. Ein Buch lesen. Muffins backen.

Das klingt unspektakulär.

Aber genau daraus besteht Kindheit.

Und für ein Kind mit Behinderung kann eine zusätzliche vertraute Begleitperson noch etwas ermöglichen:

mehr Teilhabe am ganz normalen Leben.

Auf dem Spielplatz. Beim Sport. Im Musikunterricht. Beim Kinderturnen. In der Reittherapie oder einfach draußen mit anderen Kindern.

Genau darin kann die besondere Stärke eines Au-pairs liegen:

Es bringt nicht mehr Therapie in den Nachmittag – sondern manchmal einfach mehr Alltag, Freizeit und Inklusion.

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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