Betreuung für Kinder mit Behinderung: Wenn HPT und andere Angebote nicht ausreichen

Wanduhr und Familienkalender in einem hellen Flur, daneben Jacken an Haken in Kindergröße.

Die Schule endet um 13 Uhr.

Die Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) hat keinen freien Platz.

Der Familienentlastende Dienst kann nur einzelne Stunden anbieten.

Die Großeltern wohnen zu weit entfernt.

Und das eigene Kind kann aufgrund seiner Behinderung nicht einfach alleine zu Hause bleiben.

Für viele Eltern eines Kindes mit Behinderung ist nicht die Frage, ob sie Betreuung benötigen.

Die viel schwierigere Frage lautet:

Wo finde ich eine verlässliche Betreuung für mein Kind mit Behinderung, die wirklich zu unserem Familienalltag passt?

Denn selbst wenn bereits Unterstützungsangebote vorhanden sind, bleiben häufig Betreuungslücken.

Genau hier kann es sinnvoll sein, verschiedene Betreuungsmöglichkeiten miteinander zu kombinieren – und dabei auch über eine Unterstützung nachzudenken, die viele Familien zunächst gar nicht auf dem Schirm haben:

ein Au-pair für ein Kind mit Behinderung.

Welche Betreuungsmöglichkeiten gibt es für Kinder mit Behinderung?

Je nach Alter des Kindes, Unterstützungsbedarf und Wohnort gibt es unterschiedliche Angebote.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Heilpädagogische Tagesstätte (HPT)
  • Hort oder Nachmittagsbetreuung
  • inklusive Betreuungsangebote
  • Familienentlastender oder Familienunterstützender Dienst (FED/FUD)
  • Freizeitassistenz
  • Ferienbetreuung
  • Kurzzeitbetreuung
  • Unterstützung durch Großeltern oder andere Angehörige
  • weitere individuelle Assistenz- und Unterstützungsangebote

Welche Angebote zur Verfügung stehen und welche Voraussetzungen gelten, ist regional sehr unterschiedlich.

Und genau darin liegt für viele Familien bereits das erste Problem.

Was tun, wenn die HPT keinen freien Platz hat?

Eine Heilpädagogische Tagesstätte kann für ein Kind mit Behinderung und seine Familie eine wertvolle Unterstützung sein.

Aber was passiert, wenn es keinen Platz gibt?

Vielleicht steht das Kind auf einer Warteliste.

Vielleicht gibt es die passende Einrichtung gar nicht in der Nähe.

Vielleicht bekommt die Familie nur für bestimmte Wochentage einen Platz.

Oder die Betreuungszeiten passen nicht zu den Arbeitszeiten der Eltern.

Dann ist das eigentliche Problem der Familie nicht gelöst.

Das Kind braucht weiterhin Betreuung.

Wenn die Betreuung nur an drei Tagen funktioniert

Auch das ist eine typische Situation.

Montag, Dienstag und Donnerstag ist das Kind nach der Schule betreut.

Aber was passiert Mittwoch und Freitag?

Genau solche einzelnen Betreuungslücken bei einem Kind mit Behinderung können für berufstätige Eltern enorm schwierig sein.

Denn ein Arbeitsplatz lässt sich nur schwer darum organisieren, dass an zwei Nachmittagen jede Woche plötzlich keine Betreuung vorhanden ist.

Eine zusätzliche Betreuungsperson im eigenen Haushalt kann hier neue Möglichkeiten schaffen.

Ein Au-pair kann bestehende Betreuung ergänzen

Ein Au-pair für ein Kind mit Behinderung muss bestehende Angebote überhaupt nicht ersetzen.

Im Gegenteil.

Vielleicht funktioniert die HPT hervorragend.

Dann bleibt sie selbstverständlich bestehen.

Das Au-pair übernimmt stattdessen die Zeiten drumherum.

Zum Beispiel morgens vor der Schule.

An einem HPT-freien Nachmittag.

Nach Ende der Betreuung.

Bei Freizeitaktivitäten.

Oder am Abend.

So entsteht aus verschiedenen Angeboten ein individuelles Betreuungsnetz.

Wenn ein älteres Kind trotzdem nicht alleine bleiben kann

Bei der Suche nach Kinderbetreuung für ein Kind mit Behinderung spielt außerdem das Alter eine besondere Rolle.

Ein zwölfjähriges Kind ohne Behinderung kann vielleicht schon eine gewisse Zeit alleine zu Hause verbringen.

Das eigene zwölfjährige Kind benötigt möglicherweise weiterhin eine erwachsene Begleitperson.

Vielleicht kann es Gefahren nicht ausreichend einschätzen.

Vielleicht braucht es Unterstützung bei der Kommunikation.

Vielleicht kann es nicht selbstständig essen oder sich beschäftigen.

Oder es benötigt schlicht die Sicherheit, dass jemand da ist.

Dann endet der Betreuungsbedarf nicht automatisch mit dem Grundschulalter.

Und genau das kann Familien vor große organisatorische Herausforderungen stellen.

Betreuung nach der Schule zu Hause

Ein Au-pair lebt als Familienmitglied auf Zeit im Haushalt.

Nach einer entsprechenden Eingewöhnung kann es deshalb beispielsweise das Kind nach der Schule oder HPT empfangen beziehungsweise abholen und einen Teil des Nachmittags begleiten.

Gemeinsam einen Snack essen.

Spielen.

Basteln.

Vorlesen.

In den Garten gehen.

Auf den Spielplatz gehen.

Eine bekannte Nachmittagsroutine durchführen.

Oder zu einer Freizeitaktivität aufbrechen.

Für das Kind findet die Betreuung dabei in seiner vertrauten Umgebung und mit einer zunehmend vertrauten Person statt.

Gerade die Randzeiten sind häufig das Problem

Vielleicht ist eigentlich genügend Betreuung vorhanden – aber nicht zu den richtigen Zeiten.

Die HPT endet um 16 Uhr.

Mama arbeitet bis 17 Uhr.

Der Schulbus kommt morgens erst, nachdem Papa eigentlich schon zur Arbeit fahren müsste.

Das Ferienprogramm geht bis 14 Uhr.

Die Geschwister müssen gleichzeitig an einem anderen Ort abgeholt werden.

Solche Randzeiten in der Kinderbetreuung können einen kompletten Familienalltag bestimmen.

Ein Au-pair kann innerhalb seiner zulässigen Arbeitszeiten flexibel dort eingeplant werden, wo die Familie tatsächlich Unterstützung benötigt.

30 Stunden pro Woche können gezielt eingesetzt werden

Ein Au-pair unterstützt seine Gastfamilie bis zu 30 Stunden pro Woche und maximal sechs Stunden täglich, Babysitting eingeschlossen.

Diese Zeit muss nicht jeden Tag gleich verteilt sein.

Gerade bei einem Kind mit Behinderung kann ein individuell geplanter Wochenplan sinnvoll sein.

Vielleicht wird das Au-pair an drei Tagen hauptsächlich nachmittags benötigt.

An einem anderen Tag morgens.

Und einmal übernimmt es am Abend Babysitting.

Natürlich müssen dabei die gesetzlichen Rahmenbedingungen, Freizeit und Sprachkurs des Au-pairs berücksichtigt werden.

Aber innerhalb dieses Rahmens lässt sich die Unterstützung am tatsächlichen Familienalltag ausrichten.

Betreuung kann auch Begleitung bedeuten

Ein Kind mit Behinderung benötigt vielleicht gar nicht den ganzen Nachmittag eine Betreuung zu Hause.

Es braucht vielmehr jemanden, der es begleitet.

Zum Kinderturnen.

Zur Musikschule.

Zum Fußball.

Zur Reittherapie.

Auf den Spielplatz.

Zu einer Verabredung.

Oder zu einer anderen Freizeitaktivität.

Ein Au-pair kann hier als vertraute Begleitperson beziehungsweise Freizeitassistenz unterstützen.

Und das kann einen entscheidenden Unterschied machen.

Denn plötzlich bekommt das Kind nicht nur Betreuung.

Es bekommt mehr Möglichkeiten zur Teilhabe am normalen Kinder- und Freizeitleben.

Wenn ein Ferienangebot nur mit Begleitung möglich ist

Dasselbe kann während der Schulferien gelten.

Vielleicht gibt es ein schönes Feriencamp in der Nähe.

Aber das Angebot ist nicht darauf ausgelegt, ein Kind mit höherem Unterstützungsbedarf alleine zu betreuen.

Nach vorheriger Absprache mit dem Veranstalter kann möglicherweise eine eigene Begleitperson erforderlich oder möglich sein.

Auch hier kann ein Au-pair je nach konkreter Situation als Begleitperson unterstützen.

Dadurch kann ein Angebot, das zunächst nicht passend erschien, für das Kind vielleicht doch zugänglich werden.

Und was passiert mit den Geschwisterkindern?

Betreuung für ein Kind mit Behinderung darf außerdem nie isoliert betrachtet werden.

Denn während Mama mit einem Kind zur Therapie fährt, wartet vielleicht das Geschwisterkind wieder mit.

Während Papa das Kind betreut, fällt das Fußballtraining des Bruders aus.

Während ein Elternteil einen Termin begleitet, muss der andere alle übrigen Aufgaben übernehmen.

Mit einer zusätzlichen Person kann sich die Familie aufteilen.

Vielleicht betreut das Au-pair das Kind mit Behinderung.

Vielleicht übernimmt es stattdessen die Geschwister.

Beides kann Entlastung schaffen.

Ein Au-pair ersetzt keine notwendige Fachleistung

Dabei müssen die Grenzen klar bleiben.

Ein Au-pair ist keine Pflegekraft.

Keine Therapeutin.

Keine Heilpädagogin.

Und es ersetzt keine medizinisch oder fachlich notwendige Versorgung.

Auch eine benötigte Schulbegleitung oder andere professionelle Leistung sollte nicht einfach durch ein Au-pair ersetzt werden.

Aber nicht jede Stunde des Familienalltags benötigt eine Fachkraft.

Manchmal braucht ein Kind vor allem:

eine vertraute Person zum Dabeisein, Spielen, Begleiten und Unterstützen.

Und genau dort kann ein Au-pair eine zusätzliche Betreuungsmöglichkeit darstellen.

Ein Au-pair braucht Zeit, das Kind kennenzulernen

Gerade bei einem Kind mit Behinderung oder besonderem Unterstützungsbedarf sollte die Betreuung nicht unmittelbar nach der Anreise vollständig übertragen werden.

Das Au-pair muss das Kind kennenlernen.

Die Familie zeigt die Abläufe.

Man macht Dinge gemeinsam.

Das Au-pair beobachtet.

Dann übernimmt es einzelne Aufgaben.

Und Stück für Stück kann mehr Verantwortung übertragen werden.

Für diese Eingewöhnung und Einarbeitung sollte die Familie – abhängig vom Kind und Au-pair – ausreichend Zeit einplanen.

Das Ziel ist nicht, möglichst schnell Betreuung abzugeben.

Das Ziel ist, dass eine verlässliche und vertraute Beziehung entsteht.

Betreuung muss nicht aus einer einzigen Lösung bestehen

Vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke.

Wenn Eltern nach Betreuungsmöglichkeiten für ein Kind mit Behinderung suchen, hoffen sie verständlicherweise häufig auf den einen Betreuungsplatz, der endlich alles löst.

Aber Familienalltag funktioniert nicht immer so.

Vielleicht lautet die individuelle Lösung:

HPT an drei Nachmittagen.

Au-pair an zwei Nachmittagen.

Schulbegleitung während der Schule.

Großeltern an einem Wochenende.

Familienentlastender Dienst für einzelne Zeiten.

Ferienangebot mit Begleitung.

Und Eltern natürlich weiterhin mittendrin.

Aus vielen einzelnen Bausteinen entsteht so ein Unterstützungsnetz, das zur eigenen Familie passt.

Wenn klassische Betreuung nicht ausreicht, darf man anders denken

Ein Au-pair für ein Kind mit Behinderung ist nicht für jede Familie die richtige Lösung.

Aber es ist eine Möglichkeit, die bei der Suche nach Betreuung häufig gar nicht bedacht wird.

Dabei kann gerade die Kombination aus Kinderbetreuung zu Hause, Nachmittagsbegleitung, Freizeitassistenz, Therapiewegen, Geschwisterbetreuung und Unterstützung in Randzeiten interessant sein.

Vielleicht braucht Ihre Familie also nicht noch den einen perfekten Betreuungsplatz.

Vielleicht braucht sie verschiedene Bausteine.

Und vielleicht kann ein Au-pair einer davon sein – als zusätzliche vertraute Person, die dort unterstützt, wo HPT, Schule und andere Angebote enden und der ganz normale Familienalltag weitergeht.

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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