Konflikte mit dem Au-pair ruhig und fair lösen: So sprechen Sie Probleme richtig an

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Wo Menschen zusammenleben, entstehen Missverständnisse. Das gilt in jeder Familie – und natürlich auch im Zusammenleben mit einem Au-pair.

Vielleicht wurde die Brotdose zum dritten Mal vergessen. Das Au-pair kam zu spät. Eine Regel bei den Kindern wurde anders umgesetzt als besprochen. Oder Sie merken, dass Sie sich seit Tagen über eine Kleinigkeit ärgern.

Entscheidend ist nicht, ob es während eines Au-pair-Jahres einmal zu einem Konflikt kommt.

Entscheidend ist, wie Sie damit umgehen.

Denn viele größere Konflikte beginnen mit kleinen Situationen, die viel zu lange nicht angesprochen wurden.

Sprechen Sie Probleme frühzeitig an

Einer der wichtigsten Grundsätze im Zusammenleben mit einem Au-pair lautet:

Nicht sammeln.

Wenn Sie sich am Montag ärgern, am Dienstag wieder etwas stört und am Donnerstag die nächste Kleinigkeit dazukommt, sollten Sie nicht bis Sonntag warten und Ihrem Au-pair plötzlich eine lange Liste präsentieren.

Dann hört das Au-pair möglicherweise zum ersten Mal, dass es die gesamte Woche Dinge „falsch“ gemacht hat – ohne vorher überhaupt die Chance bekommen zu haben, etwas zu verändern.

Sprechen Sie kleine Probleme deshalb möglichst frühzeitig an.

Freundlich. Sachlich. Ohne Vorwurf.

So bleiben kleine Dinge auch tatsächlich klein.

Korrigieren Sie möglichst in der konkreten Situation

Besonders bei praktischen Abläufen ist unmittelbares Feedback häufig am hilfreichsten.

Das Au-pair packt die Schultasche anders, als es für Ihr Kind notwendig ist?

Dann zeigen Sie es direkt:

„Schau, bei Emma müssen die Hefte immer in dieses Fach, weil sie sie sonst nicht selbst herausnehmen kann.“

Das ist wesentlich verständlicher als drei Tage später zu sagen:

„Du packst übrigens ständig Emmas Tasche falsch.“

In der konkreten Situation sieht das Au-pair sofort, was gemeint ist und wie es beim nächsten Mal besser funktionieren kann.

Feedback sollte nicht dazu dienen, einen Fehler nachträglich vorzuhalten.

Es soll helfen, den nächsten zu vermeiden.

Kritisieren Sie die Situation – nicht den Menschen

Es gibt einen großen Unterschied zwischen:

„Du bist einfach unzuverlässig.“

und:

„Heute Morgen warst du zehn Minuten später in der Küche als vereinbart. Dadurch sind wir zu spät zur Schule losgefahren. Bitte sei morgen um 7:30 Uhr fertig.“

Die erste Aussage bewertet einen Menschen.

Die zweite beschreibt eine konkrete Situation, erklärt deren Auswirkung und formuliert eine klare Erwartung für das nächste Mal.

Genau so sollte gutes Feedback aussehen.

Vermeiden Sie Verallgemeinerungen wie:

„Du machst immer …“

„Du machst nie …“

„Auf dich kann man sich nicht verlassen.“

Bleiben Sie bei dem, was tatsächlich passiert ist.

Erst verstehen, dann bewerten

Bevor aus einem Fehler ein Vorwurf wird, lohnt sich manchmal eine einfache Frage:

„Was ist passiert?“

Vielleicht hat das Au-pair eine Anweisung nicht verstanden.

Vielleicht war eine Familienregel nicht eindeutig.

Vielleicht kennt es einen bestimmten Ablauf noch nicht.

Oder vielleicht hat es tatsächlich etwas vergessen.

Ein Au-pair lebt in einem fremden Land, in einer neuen Familie und häufig erstmals weit entfernt von seinem eigenen Zuhause. Dazu kommen eine andere Kultur, andere Gewohnheiten und eine Sprache, die noch gelernt wird.

Was für Sie eindeutig erscheint, muss für Ihr Au-pair deshalb nicht automatisch eindeutig sein.

Gehen Sie zunächst von einer guten Absicht aus

Die allermeisten Au-pairs kommen mit einem einfachen Wunsch in ihre Gastfamilie:

Sie möchten es gut machen.

Sie möchten helfen, Teil der Familie werden und eine gute Beziehung zu den Kindern aufbauen.

Natürlich können trotzdem Fehler passieren.

Aber hinter einer vergessenen Trinkflasche, einer falsch verstandenen Aufgabe oder einer ungeschickten Situation steckt in der Regel keine böse Absicht.

Diese Haltung verändert Gespräche enorm.

Statt:

„Warum hast du das schon wieder nicht gemacht?“

kann die Frage lauten:

„War dir klar, dass du dafür heute verantwortlich warst?“

Plötzlich entsteht ein Gespräch statt eines Vorwurfs.

Fragen Sie sich auch: Habe ich es ausreichend erklärt?

Nicht jeder Fehler des Au-pairs ist automatisch ein Fehler des Au-pairs.

Manchmal lohnt sich ein kurzer Blick auf die eigene Seite:

Habe ich die Aufgabe eindeutig erklärt?

Habe ich den Ablauf einmal gezeigt?

Wusste das Au-pair, dass es dafür verantwortlich ist?

Habe ich erwartet, dass es etwas einfach „wissen müsste“?

Habe ich ihm überhaupt die Möglichkeit gegeben, diese Aufgabe selbstständig zu übernehmen?

Gerade während der ersten Wochen gehört es zur Einarbeitung, Dinge mehrfach zu erklären, gemeinsam durchzuführen und anschließend Verantwortung Schritt für Schritt zu übergeben.

Manchmal lässt sich ein wiederkehrendes Problem deshalb nicht durch mehr Kritik lösen – sondern durch bessere Einarbeitung.

Tür-und-Angel-Gespräche verhindern, dass sich Kleinigkeiten aufstauen

Nicht jedes Thema braucht ein großes Gespräch am Esstisch.

Kurze tägliche Gespräche können unglaublich wertvoll sein:

„Wie war dein Tag mit den Kindern?“

„Hat heute alles funktioniert?“

„Gab es etwas, bei dem du unsicher warst?“

„Brauchst du bei irgendetwas noch Hilfe?“

Solche kleinen Tür-und-Angel-Gespräche schaffen eine Atmosphäre, in der Fragen und Schwierigkeiten selbstverständlich angesprochen werden dürfen.

Und das gilt für beide Seiten.

Auch das Au-pair sollte das Gefühl haben, sagen zu dürfen, wenn es etwas nicht verstanden hat, sich mit einer Situation überfordert fühlte oder Unterstützung benötigt.

Ein wöchentliches Feedback-Gespräch schafft Raum für größere Themen

Zusätzlich empfehlen wir gerade in der Anfangszeit ein kurzes, festes wöchentliches Feedback-Gespräch.

Dabei geht es nicht darum, einmal pro Woche eine Liste mit Fehlern abzuarbeiten.

Besprechen Sie vielmehr gemeinsam:

Was lief diese Woche richtig gut?

Wo gab es Schwierigkeiten?

Welche Abläufe sind noch unklar?

Was wünscht sich die Gastfamilie?

Was wünscht sich das Au-pair?

Was können wir in der nächsten Woche anders machen?

So wird Feedback zu etwas Normalem – und nicht zu etwas, vor dem das Au-pair Angst haben muss.

Vereinbaren Sie eine konkrete Lösung

Ein gutes Konfliktgespräch sollte nicht mit der Feststellung enden, dass etwas schlecht gelaufen ist.

Am Ende sollte klar sein:

Wie machen wir es ab jetzt?

Vielleicht wird eine Aufgabe zusätzlich in den Wochenplan aufgenommen.

Vielleicht stellen Sie gemeinsam eine Erinnerung im Handy ein.

Vielleicht zeigen Sie einen Ablauf am nächsten Morgen noch einmal.

Oder Sie vereinbaren eine klare Regel.

Je konkreter die Lösung, desto leichter kann das Au-pair sie anschließend umsetzen.

Nicht warten, bis die Bombe platzt

Eines der ungünstigsten Muster im Au-pair-Zusammenleben ist, wochenlang nichts zu sagen.

Nach außen scheint alles in Ordnung zu sein. Innerlich wächst jedoch der Ärger.

Und irgendwann reicht eine winzige Kleinigkeit – und plötzlich entlädt sich alles.

Für das Au-pair kommt dieser Konflikt häufig völlig unerwartet.

Deshalb: Sprechen Sie miteinander, bevor aus Ärger Frust wird.

Ein ruhiges Gespräch über eine kleine Sache ist fast immer leichter als ein großes Gespräch über zehn angesammelte Probleme.

Konflikte gehören zum Zusammenleben dazu

Ein Au-pair-Jahr bedeutet, dass Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Familiengeschichten, Sprachen und kulturellen Gewohnheiten plötzlich unter einem Dach leben.

Dass dabei nicht zwölf Monate lang alles vollkommen reibungslos läuft, ist normal.

Ein Konflikt bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das Matching gescheitert ist.

Oft ist er vielmehr eine Gelegenheit, sich gegenseitig besser kennenzulernen und den gemeinsamen Alltag neu zu justieren.

Früh ansprechen. Konkret bleiben. Ruhig erklären. Zuhören. Gemeinsam eine Lösung finden.

Und manchmal auch die Frage zulassen:

Was hätte ich selbst anders erklären, zeigen oder begleiten können, damit diese Situation gar nicht erst entsteht?

Genau daraus kann ein Zusammenleben entstehen, in dem nicht erwartet wird, dass niemand Fehler macht – sondern in dem beide Seiten wissen, wie sie damit umgehen.

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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