Ein Au-pair zieht ein: Wie bereite ich mein Kind darauf vor?

Bald zieht ein neuer Mensch bei Ihnen ein. Ein junger Mensch aus einem anderen Land, mit einer anderen Kultur, vielleicht einer anderen Hautfarbe, anderem Essen und einer Sprache, die noch nicht perfekt ist.
Bald zieht ein neuer Mensch bei Ihnen ein. Ein junger Mensch aus einem anderen Land, mit einer anderen Kultur, vielleicht einer anderen Hautfarbe, anderem Essen und einer Sprache, die noch nicht perfekt ist.
Für Erwachsene ist relativ schnell klar, was das bedeutet: Das Au-pair wird ein Teil des Familienalltags und unterstützt bei der Betreuung der Kinder.
Für Kinder ist die Vorstellung oft viel abstrakter.
Da kommt jemand, den ich noch gar nicht kenne – und der wohnt plötzlich bei uns?
Deshalb lohnt es sich, nicht nur das Au-pair auf die Familie vorzubereiten, sondern auch die Kinder auf ihr neues Au-pair.
Erzählen Sie frühzeitig, wer bald zu Ihrer Familie kommt
Beziehen Sie Ihre Kinder schon vor der Anreise mit ein. Zeigen Sie ihnen Fotos des Au-pairs, erzählen Sie, aus welchem Land es kommt und schauen Sie vielleicht gemeinsam auf einer Karte nach, wo dieses Land überhaupt liegt.
Wie sieht es dort aus? Welche Sprache wird gesprochen? Was isst man dort? Wie lange dauert die Reise nach Deutschland?
So wird aus „dem neuen Au-pair“ langsam ein echter Mensch.
Vielleicht können die Kinder bei einem Videoanruf kurz Hallo sagen, ihr Zimmer zeigen oder erzählen, was sie besonders gerne spielen.
Es muss noch kein langes Gespräch entstehen. Ein paar kleine Begegnungen vor der Anreise können bereits dafür sorgen, dass am Ankunftstag nicht mehr ein vollkommen fremder Mensch vor der Tür steht.
Erklären Sie, warum das Au-pair zu Ihnen kommt
Je nach Alter können Kinder durchaus verstehen, was ein Au-pair ist.
Erklären Sie ihnen, dass ein junger Mensch für eine bestimmte Zeit aus einem anderen Land zu Ihrer Familie kommt, Deutschland kennenlernen und Deutsch lernen möchte und dafür Teil Ihres Familienalltags wird.
Das Au-pair wird mit ihnen spielen, sie begleiten, gemeinsam lachen und viele kleine und große Momente erleben.
Vielleicht entsteht daraus irgendwann eine ganz besondere Beziehung – zum Kind mit Behinderung genauso wie zu den Geschwisterkindern.
Aber diese Beziehung muss wachsen dürfen.
Das Au-pair wird am Anfang wahrscheinlich selbst unsicher sein
Auch das können Kinder verstehen.
Das neue Au-pair kennt noch niemanden. Es schläft plötzlich in einem fremden Haus, hört den ganzen Tag eine andere Sprache und kennt viele Lebensmittel, Gewohnheiten und Regeln noch nicht.
Vielleicht ist es in den ersten Tagen still oder schüchtern. Vielleicht versteht es einen Satz nicht. Vielleicht kennt es das Lieblingsspiel Ihres Kindes nicht oder weiß nicht, wo die Müslischalen stehen.
Erklären Sie Ihren Kindern, dass das völlig in Ordnung ist.
Niemand kann am ersten Tag schon wissen, wie eine neue Familie funktioniert.
„Hilfst du unserem Au-pair ein bisschen?“
Gerade Kinder können beim Ankommen eine wunderbare Rolle übernehmen.
Aus „Da kommt jemand Fremdes“ wird plötzlich: „Ich kann ihm etwas zeigen.“
Wo stehen die Spielsachen? Welches ist das Lieblingsbuch? Wie heißt der Hund der Nachbarn? Wo geht es zum Spielplatz?
Und natürlich: Wie heißt das alles auf Deutsch?
Ermutigen Sie Ihre Kinder, mit dem Au-pair zu sprechen und ihm neue deutsche Wörter beizubringen. Dabei darf gelacht werden, wenn ein Wort einmal komisch ausgesprochen wird – solange man miteinander und nicht übereinander lacht.
Und der Spieß lässt sich wunderbar umdrehen: Vielleicht bringt das Au-pair den Kindern dafür englische Wörter oder Begriffe aus seiner eigenen Sprache bei.
So lernen plötzlich beide Seiten voneinander.
Eine andere Kultur darf anders sein
Ein Au-pair-Jahr bedeutet auch kulturellen Austausch – und der beginnt mitten am Küchentisch.
Vielleicht kennt das Au-pair ein bestimmtes deutsches Gericht nicht. Vielleicht isst es manche Lebensmittel aus kulturellen oder religiösen Gründen nicht. Vielleicht kocht es irgendwann etwas aus seinem Heimatland, das Ihre Kinder noch nie gesehen haben.
Auch Aussehen, Kleidung, Haare oder Hautfarbe können anders sein als das, was Ihre Kinder bisher aus ihrem direkten Umfeld kennen.
Kinder dürfen neugierig sein und Fragen stellen.
Nutzen Sie diese Momente. Sprechen Sie darüber, dass Menschen unterschiedlich aussehen, unterschiedliche Sprachen sprechen, anders essen und mit anderen Traditionen aufwachsen – und dass genau das spannend sein kann.
Das Au-pair muss nicht sofort der beste Freund sein
Natürlich wünschen wir uns, dass zwischen Kindern und Au-pair eine enge Beziehung entsteht.
Aber diese lässt sich nicht am Ankunftstag verordnen.
Vielleicht möchte Ihr Kind zunächst weiterhin nur von Mama ins Bett gebracht werden. Vielleicht ist ein Geschwisterkind zurückhaltend. Ein Kind mit Behinderung benötigt möglicherweise noch mehr Zeit, um Vertrauen zu einem neuen Menschen aufzubauen.
Das ist kein Zeichen dafür, dass das Au-pair nicht zur Familie passt.
Geben Sie beiden Seiten Zeit.
Aus einem vorsichtigen gemeinsamen Spiel kann irgendwann ein Insiderwitz werden. Aus einem ersten Spaziergang eine tägliche Lieblingsroutine. Und aus einem fremden jungen Menschen vielleicht tatsächlich jemand, auf den die Kinder morgens schon warten.
Ein Au-pair-Jahr kann Kindern unglaublich viel mitgeben
Ein Au-pair unterstützt eine Familie im Alltag. Aber für Kinder kann dieses Jahr noch viel mehr bedeuten.
Sie erleben unmittelbar, dass ein Mensch nicht dieselbe Sprache sprechen, gleich aussehen oder aus derselben Kultur kommen muss, um ihnen nah zu sein.
Sie lernen Rücksicht zu nehmen, Missverständnisse auszuhalten, neugierig zu fragen und Unterschiede nicht automatisch als etwas Fremdes oder Negatives wahrzunehmen.
Und vielleicht lernen sie ganz nebenbei ihre ersten englischen Wörter, probieren ein Gericht aus einem anderen Land oder erfahren, wie Kinder Tausende Kilometer entfernt aufwachsen.
Vor allem aber können sie etwas lernen, das weit über das Au-pair-Jahr hinausgeht:
Offen auf Menschen zuzugehen, die zunächst ganz anders erscheinen als sie selbst.

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


