Geschwisterkinder – wenn plötzlich wieder mehr Zeit für sie da ist

Wenn in einer Familie ein Kind mit Behinderung lebt und im Alltag mehr Unterstützung benötigt, lässt sich Aufmerksamkeit nicht immer gerecht verteilen. Und genau hier kann ein Au-pair etwas Entscheidendes verändern: Plötzlich ist eine Person mehr da – auch für die Geschwisterkinder.
„Mama, schaust du mal?"
„Gleich."
„Papa, können wir zusammen spielen?"
„Später."
„Kommst du heute mit zu meinem Training?"
„Ich muss schauen, ob es klappt."
Es sind kleine Sätze. Und natürlich möchten Eltern für alle ihre Kinder gleichermaßen da sein.
Doch wenn in einer Familie ein Kind mit Behinderung lebt und im Alltag mehr Unterstützung benötigt, lässt sich Aufmerksamkeit nicht immer gerecht verteilen.
Eine Familie kann sich nicht zerreißen.
Und so sind es manchmal gerade die Geschwisterkinder, die besonders selbstständig werden, warten können und verstehen, dass ihr Bruder oder ihre Schwester gerade zuerst Hilfe braucht.
Wenn ein Kind häufiger warten muss
Ein Kind mit Behinderung benötigt vielleicht morgens mehr Unterstützung, hat zusätzliche Termine oder braucht in bestimmten Situationen die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Elternteils.
Das bedeutet nicht, dass seine Geschwister weniger wichtig sind.
Aber der Familienalltag entscheidet manchmal anders.
Das Geschwisterkind wartet eben noch kurz. Es beschäftigt sich schon einmal alleine. Es versteht, warum Mama oder Papa gerade keine Zeit haben.
Manche Geschwisterkinder werden deshalb auch als „Schattenkinder" bezeichnet – weil ihre eigenen Bedürfnisse im Familienalltag leichter in den Hintergrund geraten können.
Das muss nicht so sein.
Und genau hier kann ein Au-pair etwas Entscheidendes verändern:
Plötzlich ist eine Person mehr da.
Das Au-pair kann auch für die Geschwisterkinder da sein
Ein Au-pair wird nicht ausschließlich für das Kind mit Behinderung Teil der Familie.
Es ist für die Familie da – und damit auch für die Geschwister.
Es kann spielen, basteln, draußen Fußball spielen, gemeinsam backen, bei den Hausaufgaben unterstützen oder einfach zuhören.
Und plötzlich gibt es da jemanden, der sagt:
„Komm, wir zwei machen das zusammen."
Für ein Geschwisterkind kann genau das unglaublich wertvoll sein.
Es muss in diesem Moment nicht warten. Es steht im Mittelpunkt. Es hat einen Spielpartner und eine vertraute Person, die gerade nur Zeit für seine Geschichte, sein Spiel oder seine Idee hat.
Und manchmal übernimmt das Au-pair das andere Kind
Der vielleicht noch größere Vorteil entsteht dadurch, dass sich die Rollen abwechseln können.
Denn natürlich möchten Eltern selbst diese besondere Zeit mit ihren Geschwisterkindern verbringen.
Während das Au-pair beispielsweise das Kind mit Behinderung im Alltag begleitet oder mit ihm spielt, kann ein Elternteil mit dem Geschwisterkind losziehen.
Nur die beiden.
Zum Sport. Ein Eis essen. In die Stadt. Gemeinsam Hausaufgaben machen. Oder einfach eine Stunde auf dem Sofa sitzen und erzählen.
Ohne ständig gleichzeitig an einer zweiten Stelle gebraucht zu werden.
Beim nächsten Mal ist es vielleicht genau andersherum: Mama oder Papa verbringen bewusst Zeit mit dem Kind mit Behinderung und das Au-pair unternimmt etwas mit dem Geschwisterkind.
Aufmerksamkeit lässt sich plötzlich anders verteilen.
Nicht immer muss einer zurückstecken
Genau das ist der große Unterschied, wenn eine weitere erwachsene Person regelmäßig im Familienalltag dabei ist.
Zwei Kinder haben gleichzeitig unterschiedliche Bedürfnisse?
Dann können sich auch zwei Personen aufteilen.
Ein Kind möchte auf den Spielplatz, während das andere lieber zu Hause bleibt.
Eines muss zu einem Termin, während das andere zum Sport möchte.
Ein Kind braucht gerade Ruhe, während sein Geschwisterkind Action möchte.
Ohne zusätzliche Unterstützung muss häufig eines der Kinder zurückstecken.
Mit einem Au-pair entstehen neue Möglichkeiten.
Aus dem Au-pair kann ein echter Spielpartner werden
Über die Monate entsteht außerdem etwas, das sich nicht planen lässt: Beziehung.
Das Au-pair kennt irgendwann die Lieblingsspiele der Kinder. Es weiß, wer beim Memory unbedingt gewinnen möchte, welche Musik gerade angesagt ist und welches Kind nach der Schule erst einmal erzählen muss, was an diesem Tag passiert ist.
Gerade für Geschwisterkinder kann ein Au-pair deshalb viel mehr werden als jemand, der Mama und Papa unterstützt.
Es kann Spielpartner, Zuhörer und vertraute Bezugsperson sein.
Jemand, der sich freut, wenn das Kind nach Hause kommt.
Jemand, der Zeit hat.
Jemand, der es sieht.
Mehr Unterstützung für die Familie bedeutet mehr Möglichkeiten für jedes Kind
Ein Au-pair kann und soll Eltern nicht ersetzen.
Aber eine weitere vertraute Person im Familienalltag kann etwas schaffen, das sich viele Familien mit mehreren Kindern besonders wünschen:
mehr Zeit für jedes einzelne Kind.
Mal ist das Au-pair für das Geschwisterkind da.
Mal übernimmt es alltägliche Aufgaben rund um das Kind mit Behinderung und schafft dadurch Raum für exklusive Elternzeit mit dem Geschwisterkind.
Und mal sind einfach zwei Erwachsene da, wenn zwei Kinder gleichzeitig jemanden brauchen.
Das klingt vielleicht nach einer kleinen Veränderung.
Für ein Geschwisterkind kann es aber eine sehr große sein.
Denn plötzlich heißt es ein bisschen seltener:
„Warte kurz."
Und dafür ein bisschen häufiger:
„Jetzt bist du dran."

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


