Essen mit dem Au-pair: Wer kocht und was gehört zum Familienalltag?

Zwei Hände schneiden Gemüse auf einem Holzbrett in einer hellen Familienküche, daneben frisches Gemüse und Nudeln im warmen Tageslicht.

Essen gehört zu den alltäglichsten Dingen in einer Familie – und gleichzeitig zu den persönlichsten.

Was essen wir zum Frühstück? Wird mittags warm gekocht? Essen wir abends gemeinsam? Darf Fleisch in den Kühlschrank, wenn die Gastfamilie vegetarisch lebt? Was passiert, wenn das Au-pair deutsche Gerichte nicht mag? Und muss ein Au-pair eigentlich für die ganze Familie kochen?

Gerade wenn ein junger Mensch aus einem anderen Land und einer anderen Kultur für ein Jahr in eine Familie einzieht, treffen beim Thema Essen unterschiedliche Gewohnheiten aufeinander.

Deshalb gilt auch hier:

Nicht voraussetzen – erklären, gemeinsam ausprobieren und offen miteinander sprechen.

Darf ein Au-pair kochen?

Ja. Die Zubereitung einfacher Mahlzeiten kann zu den Aufgaben eines Au-pairs gehören.

Das bedeutet zum Beispiel, dass das Au-pair mittags für die Kinder Nudeln mit Tomatensoße zubereitet, Reis mit Gemüse kocht, ein einfaches Frühstück macht oder am Nachmittag einen kindgerechten Snack vorbereitet.

Was eine Gastfamilie allerdings nicht erwarten sollte:

Ein Au-pair ist keine Köchin und keine Haushälterin.

Es ist nicht die Aufgabe eines Au-pairs, täglich aufwendig für die gesamte Familie zu kochen, umfangreiche Menüs zuzubereiten oder die komplette Verantwortung für die Familienverpflegung zu übernehmen.

Natürlich darf gemeinsam gekocht werden. Vielleicht hat das Au-pair sogar große Freude daran und kocht freiwillig einmal ein Gericht aus seinem Heimatland für alle.

Das ist etwas Schönes im kulturellen Austausch.

Es sollte aber nicht mit der Erwartung verwechselt werden, eine Köchin eingestellt zu haben.

„Sie kann doch Nudeln kochen“ – auch das sollten wir nicht einfach voraussetzen

Was für uns vollkommen selbstverständlich erscheint, muss es für einen jungen Menschen aus einem anderen Land nicht sein.

Vielleicht kennt das Au-pair Spätzle überhaupt nicht.

Vielleicht hat es noch nie Schinkennudeln gegessen.

Vielleicht wird eine Tomatensoße in seinem Heimatland ganz anders zubereitet.

Und vielleicht hat zu Hause bisher überwiegend die Mutter gekocht.

Deshalb sollten Gastfamilien auch bei vermeintlich einfachen Gerichten nicht sagen:

„Das weiß man doch.“

Zeigen Sie es.

Vorbereitung bei Besondere Sterne: Kochen gehört dazu

Unsere Au-pairs bei Besondere Sterne werden bereits vor ihrer Einreise auf verschiedene Bereiche des deutschen Familienalltags vorbereitet.

Dazu gehört auch ein Online-Kochkurs mit grundlegenden Informationen rund um einfache deutsche und kindgerechte Mahlzeiten.

Die Au-pairs lernen dabei typische Gerichte kennen und bekommen einen ersten Eindruck davon, was in deutschen Familien beispielsweise auf dem Speiseplan stehen könnte.

Dazu gehören einfache Gerichte wie Spaghetti Bolognese, Nudeln mit Tomatensoße, Spätzle mit Soße, Schinkennudeln oder Reis mit Hähnchen und Gemüse.

Über Videos und ausgewählte Erklärmaterialien können sie sich bereits im Heimatland mit diesen Grundlagen beschäftigen.

Es geht dabei ausdrücklich nicht darum, aus einem Au-pair eine Köchin zu machen.

Es geht darum, dass es bei seiner Ankunft nicht zum ersten Mal hört:

„Heute gibt es Spätzle.“

Auch Küchenhygiene gehört zur Vorbereitung

Neben einfachen Gerichten sprechen wir mit unseren Au-pairs auch über grundlegende Hygiene und Sicherheit in der Küche.

Hände waschen.

Lange Haare beim Kochen zusammenbinden.

Lebensmittel hygienisch verarbeiten.

Zum Schneiden ein Schneidebrett verwenden.

Vorsichtig mit scharfen Messern umgehen.

Arbeitsflächen sauber hinterlassen.

Natürlich ersetzt diese Vorbereitung nicht die Einarbeitung in der Gastfamilie.

Denn jede Küche funktioniert anders.

Jede Familie kocht anders

Selbst wenn das Au-pair bereits Spaghetti Bolognese zubereiten kann, heißt das nicht, dass es die Bolognese so kocht, wie Ihre Kinder sie kennen und mögen.

Vielleicht essen Ihre Kinder die Soße ohne Zwiebeln.

Vielleicht darf auf keinen Fall Gemüse sichtbar sein.

Vielleicht liebt Ihr Kind Spätzle, aber ausschließlich mit einer bestimmten Soße.

Gerade Kinder können bei Essen erstaunlich genaue Vorstellungen haben.

Bei Kindern mit Behinderung können Essensroutinen noch wichtiger sein. Manche Kinder haben beispielsweise aufgrund ihrer individuellen Bedürfnisse sehr feste Vorlieben, besondere Konsistenzen oder benötigen viel Verlässlichkeit rund um Mahlzeiten.

Deshalb muss das Au-pair Ihre Kinder und deren Gewohnheiten kennenlernen.

Unser Drei-Stufen-Prinzip beim Kochen

Auch beim Kochen empfehlen wir genau das, was sich bei vielen Aufgaben während der Einarbeitung bewährt:

1. Gemeinsam machen.

Beim ersten Mal kocht die Gastmama oder der Gastpapa das Gericht und das Au-pair macht mit.

Erklären Sie die einzelnen Schritte.

Das Au-pair kann sich Mengen, Besonderheiten und Abläufe notieren – gerne auch in seiner Muttersprache.

2. Das Au-pair macht – Sie begleiten.

Beim zweiten Mal dreht sich die Rollenverteilung um.

Das Au-pair kocht und Sie sind noch dabei.

Sie können helfen, wenn eine Frage entsteht, und direkt zeigen, wenn etwas anders gemacht werden soll.

3. Selbstständig übernehmen.

Beim dritten Mal können Sie vielleicht sagen:

„Du, ich komme heute später nach Hause. Wir haben die Spaghetti jetzt zweimal gemeinsam gemacht. Kochst du sie bitte für die Kinder?“

So entsteht Selbstständigkeit.

Nicht durch:

„Du bist erwachsen, das wirst du schon können.“

Sondern durch Einarbeitung.

Gemeinsames Essen: Welche Bedeutung hat es in Ihrer Familie?

Für manche Familien ist das gemeinsame Abendessen fast heilig.

Alle sitzen am Tisch, erzählen von ihrem Tag und essen gemeinsam.

In anderen Familien funktioniert das aufgrund von Arbeit, Schule, Therapien und Freizeitaktivitäten nur am Wochenende.

Beides ist vollkommen in Ordnung.

Das Au-pair muss nur wissen, wie Ihre Familie lebt.

Wenn Ihnen wichtig ist, dass beispielsweise jeden Abend gemeinsam gegessen wird, sprechen Sie darüber.

Wenn samstags das gemeinsame Familienfrühstück dazugehört, erklären Sie auch das.

Denn auch hier gilt:

Das Au-pair kann Ihre Familienkultur nur kennenlernen, wenn Sie sie ihm zeigen.

Muss das Au-pair beim Familienessen dabei sein?

Ein Au-pair wird für die Zeit seines Aufenthalts in die Familie aufgenommen und gemeinsames Essen kann ein wunderschöner Bestandteil dieses Zusammenlebens sein.

Trotzdem sollte nicht aus jedem Abendessen eine Anwesenheitspflicht entstehen.

Hat das Au-pair frei und möchte sich beispielsweise mit Freunden treffen, sollte auch seine Freizeit respektiert werden.

Umgekehrt sollte es sich willkommen fühlen, wenn die Familie gemeinsam isst.

Es sollte nicht das Gefühl bekommen:

„Das Familienessen ist für uns – du kannst dir später etwas machen.“

Aus solchen vermeintlichen Kleinigkeiten entsteht sehr schnell das Gefühl, entweder Familienmitglied oder eben doch nur eine Arbeitskraft zu sein.

Essen ist Heimat

Dieser Punkt wird häufig unterschätzt.

Ein Au-pair hat gerade sein komplettes gewohntes Leben verlassen.

Familie, Freunde, Sprache, Klima, Gerüche – alles ist anders.

Und dann ist plötzlich auch noch das Essen anders.

Für uns ist ein Brötchen mit Marmelade vielleicht ein vollkommen normales Frühstück.

Für ein Au-pair aus Indien kann ein warmes Reisgericht am Morgen genauso normal sein.

Warum sollte es also plötzlich jeden Morgen Marmeladenbrötchen essen müssen?

Essen schafft Vertrautheit und Sicherheit.

Gerade in den ersten Wochen kann es unglaublich guttun, etwas essen zu können, das nach Zuhause schmeckt.

Ein Reiskocher kann manchmal mehr bewirken, als man denkt

Wenn wir beispielsweise wissen, dass ein Au-pair sehr gerne und häufig Reis isst, kann etwas so Einfaches wie ein Reiskocher eine wunderbare Geste sein.

„Hier ist immer Reis. Wenn du dir morgens, mittags oder abends Reis mit Gemüse, Zwiebeln oder etwas anderem machen möchtest, fühl dich frei.“

Das signalisiert:

Du musst deine Kultur nicht an unserer Haustür abgeben.

Natürlich darf und soll das Au-pair deutsche Gerichte kennenlernen.

Aber kultureller Austausch funktioniert in beide Richtungen.

Vielleicht gibt es deshalb irgendwann nicht nur Spätzle mit Soße, sondern am nächsten Wochenende ein Gericht aus dem Heimatland des Au-pairs.

Und die Kinder entdecken plötzlich etwas völlig Neues.

Gehen Sie gemeinsam einkaufen

Gerade in den ersten Tagen empfehlen wir, das Au-pair mit zum Einkaufen zu nehmen.

Zeigen Sie den Supermarkt und geben Sie ihm ausdrücklich die Möglichkeit, Wünsche zu äußern.

Fragen Sie:

„Was isst du normalerweise zum Frühstück?“

„Gibt es etwas, das du von zu Hause kennst?“

„Welche Lebensmittel magst du besonders?“

„Gibt es etwas, das du überhaupt nicht isst?“

Vielleicht steht das Au-pair vor einem Regal und entdeckt Cornflakes, die es liebt.

Vielleicht möchte es Peanut Butter statt Erdbeermarmelade.

Vielleicht hätte es gerne bestimmte Gewürze, Reis oder Gemüse.

Ein Au-pair sollte nicht das Gefühl haben, jedes Mal um Erlaubnis bitten zu müssen, wenn es etwas essen möchte.

Darf sich das Au-pair einfach am Kühlschrank bedienen?

Auch darüber sollte gesprochen werden – und zwar möglichst ausdrücklich.

Für viele Gastfamilien ist vollkommen klar:

Natürlich darf sich unser Au-pair Essen nehmen.

Das Au-pair weiß das aber möglicherweise nicht.

Vielleicht ist es kulturell gewohnt, dass man sich im Haus anderer Menschen niemals ungefragt etwas aus dem Kühlschrank nimmt.

Dann sitzt es hungrig in seinem Zimmer, während die Gastfamilie davon ausgeht, dass es sich jederzeit bedienen würde.

Sagen Sie deshalb ruhig:

„Das hier ist auch dein Zuhause. Wenn du Hunger hast, darfst du dir etwas nehmen.“

Und erklären Sie gleichzeitig, falls bestimmte Lebensmittel für etwas Bestimmtes vorgesehen sind.

Klare Kommunikation verhindert Missverständnisse.

Vegetarisch oder vegan: Unbedingt vor dem Matching besprechen

Lebt eine Gastfamilie vegetarisch oder vegan, sollte dies bereits während des Kennenlernprozesses mit dem Au-pair offen besprochen werden.

Nicht erst nach der Ankunft.

Isst das Au-pair selbst Fleisch?

Ist es für das Au-pair in Ordnung, ein Jahr in einem vegetarischen Haushalt zu leben?

Darf es sich selbst Fleisch kaufen und in der Küche zubereiten?

Darf Fleisch im Kühlschrank aufbewahrt werden?

Oder möchte die Familie grundsätzlich keine tierischen Produkte im Haus?

Es gibt hierbei nicht die eine richtige Familienregel.

Entscheidend ist, dass beide Seiten vorher wissen, worauf sie sich einlassen.

Auch Religion kann beim Essen eine Rolle spielen

Ebenso können religiöse Überzeugungen bestimmte Lebensmittel oder Zubereitungsarten ausschließen.

Auch darüber sollte respektvoll gesprochen werden.

Isst das Au-pair beispielsweise bestimmte Fleischsorten nicht?

Benötigt es Lebensmittel, die bestimmten religiösen Vorgaben entsprechen?

Gibt es Fastenzeiten?

Niemand sollte nach der Ankunft feststellen müssen, dass seine grundlegenden Ernährungsgewohnheiten mit denen der Gastfamilie überhaupt nicht vereinbar sind.

Solche Themen gehören deshalb bereits in die Kennenlernphase.

Probieren anbieten – aber keinen Druck machen

Natürlich ist kultureller Austausch ein wichtiger Bestandteil eines Au-pair-Jahres.

Und dazu gehört auch:

Probier doch einmal!

Vielleicht entdeckt das Au-pair plötzlich, dass es Kässpätzle liebt.

Vielleicht findet es Kartoffelsalat großartig.

Vielleicht probiert es etwas und entscheidet:

Nein. Wirklich nicht.

Auch das ist okay.

Gastfamilien sollten nicht persönlich beleidigt sein, wenn ein Au-pair ein liebevoll gekochtes deutsches Gericht nicht mag.

Geschmack ist Geschmack.

Und manches Essen braucht mehrere Versuche, bevor es vertraut wird.

Kultureller Austausch funktioniert auch andersherum

Nutzen Sie das Thema Essen doch bewusst für den kulturellen Austausch.

Fragen Sie Ihr Au-pair:

„Was hat deine Mama zu Hause immer gekocht?“

Vielleicht kann es ein einfaches Gericht zeigen.

Vielleicht kochen alle gemeinsam.

Vielleicht lernen die Kinder ein neues Gewürz kennen oder erfahren, was Familien in Indien, Simbabwe, Sambia, Indonesien oder einem anderen Herkunftsland zum Frühstück essen.

Gerade für Kinder kann das unglaublich spannend sein.

Plötzlich wird ein anderes Land nicht über eine Landkarte erklärt.

Es steht auf dem Küchentisch.

Beim Kind mit Behinderung Essensbesonderheiten genau erklären

Bei einem Kind mit Behinderung können rund um Essen und Trinken individuelle Besonderheiten bestehen.

Vielleicht akzeptiert das Kind nur bestimmte Lebensmittel.

Vielleicht benötigt es sehr feste Abläufe.

Vielleicht kommuniziert es Hunger oder Durst auf eine besondere Weise.

Solche individuellen Routinen muss die Familie dem Au-pair genau zeigen und ausreichend gemeinsam einüben.

Bei medizinisch oder therapeutisch begründeten Besonderheiten rund um Ernährung, Schlucken oder Nahrungsaufnahme muss außerdem immer klar abgegrenzt werden, welche Aufgaben zur normalen Kinderbetreuung gehören und wo eine fachliche Versorgung notwendig ist.

Kochen mit Kindern kann auch Betreuung sein

Kochen muss übrigens nicht immer nur eine Aufgabe sein.

Es kann auch eine wunderbare Freizeitbeschäftigung mit den Kindern werden.

Gemeinsam Muffins backen.

Plätzchen ausstechen.

Pizza belegen.

Obst schneiden.

Einen Kuchen für Papa backen.

Oder gemeinsam ein Gericht aus dem Heimatland des Au-pairs ausprobieren.

Das Au-pair betreut die Kinder und gleichzeitig entsteht etwas, das anschließend gemeinsam gegessen werden kann.

Gerade solche alltäglichen Situationen schaffen häufig Nähe.

Ein Au-pair ist keine Köchin – aber Essen gehört zum gemeinsamen Leben

Ein Au-pair darf einfache Mahlzeiten für Kinder zubereiten und selbstverständlich beim Kochen helfen.

Aber eine Gastfamilie sollte nicht erwarten, dass mit dem Au-pair automatisch eine Köchin oder Haushälterin ins Haus zieht.

Viel wichtiger ist etwas anderes:

Machen Sie Ihre Küche zu einem Ort, an dem sich auch Ihr Au-pair zu Hause fühlen darf.

Zeigen Sie Ihre Gerichte.

Kochen Sie gemeinsam.

Erklären Sie Ihre Küchenregeln.

Fragen Sie, was das Au-pair gerne isst.

Gehen Sie gemeinsam einkaufen.

Geben Sie ihm die Freiheit, auch vertraute Lebensmittel aus seiner Heimat zu essen.

Und seien Sie neugierig aufeinander.

Denn manchmal beginnt kultureller Austausch nicht bei einem großen Ausflug oder einem besonderen Erlebnis.

Manchmal beginnt er einfach mit zwei Menschen, die gemeinsam in der Küche stehen und sich gegenseitig zeigen, was bei ihnen zu Hause auf den Tisch kommt.

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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