Betreuung für Kind mit Behinderung fällt aus: Was können Eltern tun?

Smartphone auf einer hellen Küchenarbeitsplatte neben Autoschlüssel und halb gepackter Tasche im weichen Morgenlicht.

Der Morgen ist eigentlich durchgeplant.

Das Kind wird vom Fahrdienst abgeholt. Danach geht es in die Schule. Am Nachmittag übernimmt die Heilpädagogische Tagesstätte. Mama und Papa können arbeiten, das Geschwisterkind hat Sport und am Abend trifft sich die Familie wieder zu Hause.

Und dann kommt morgens die Nachricht:

„Die Betreuung fällt heute leider aus.“

Für viele Familien mit einem Kind mit Behinderung bedeutet ein kurzfristiger Betreuungsausfall nicht einfach nur eine kleine Planänderung.

Plötzlich muss ein Elternteil zu Hause bleiben. Ein beruflicher Termin wird abgesagt. Das Geschwisterkind kann nicht zum Sport. Ein Therapietermin muss verschoben werden. Oder innerhalb weniger Minuten muss eine komplett neue Betreuung organisiert werden.

Denn wenn ein Kind mit Behinderung nicht alleine bleiben kann, muss jemand da sein.

Aber was können Eltern tun, wenn Schulbegleitung, HPT, Fahrdienst oder eine andere Betreuung plötzlich ausfallen?

Wenn die Schulbegleitung krank ist

Eine Schulbegleitung kann für ein Kind mit Behinderung eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe am Schulalltag sein.

Fällt sie kurzfristig aus, stehen Eltern je nach individueller Situation plötzlich vor der Frage:

Kann unser Kind heute trotzdem wie gewohnt zur Schule gehen?

Kann die Schule eine andere Lösung anbieten?

Oder muss das Kind gegebenenfalls zu Hause bleiben?

Welche Möglichkeiten bestehen, hängt von der konkreten Situation, der Schule und dem Unterstützungsbedarf des Kindes ab.

Ein Au-pair ersetzt dabei keine erforderliche Schulbegleitung.

Aber wenn ein Elternteil aufgrund des Betreuungsausfalls plötzlich selbst übernehmen muss, kann eine zusätzliche Person im Familienalltag trotzdem enorm helfen.

Vielleicht bleibt Mama beim Kind, während das Au-pair die Geschwister übernimmt.

Vielleicht bringt das Au-pair ein anderes Kind in den Kindergarten.

Oder es übernimmt am Nachmittag vereinbarte Aufgaben, damit Mama ihren verschobenen Arbeitstag zumindest teilweise auffangen kann.

Entlastung bedeutet nicht immer, dass jemand exakt die ausgefallene Person ersetzt.

Manchmal bedeutet Entlastung einfach, dass alle anderen Aufgaben neu verteilt werden können.

Wenn HPT oder Nachmittagsbetreuung ausfallen

Ähnlich sieht es aus, wenn eine Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) oder eine andere Nachmittagsbetreuung kurzfristig nicht zur Verfügung steht.

Normalerweise kommt das Kind vielleicht erst um 16 Uhr nach Hause.

Plötzlich steht es bereits nach Schulschluss vor der Tür.

Für berufstätige Eltern können daraus mehrere Stunden ungeplante Kinderbetreuung entstehen.

Kann das Kind aufgrund seiner Behinderung nicht alleine bleiben, braucht die Familie eine Lösung.

Ein gut eingearbeitetes Au-pair kann hier – soweit es der vereinbarte Wochenplan und die zulässigen Arbeitszeiten ermöglichen – eine wertvolle zusätzliche Betreuungsperson sein.

Wenn der Fahrdienst plötzlich nicht kommt

Auch der Fahrdienst für ein Kind mit Behinderung ist ein wichtiger Teil vieler Familienalltage.

Fällt er aus, muss das Kind trotzdem zur Schule, HPT, Therapie oder wieder nach Hause kommen.

Vielleicht kann ein Elternteil die Fahrt selbst übernehmen.

Aber was passiert währenddessen mit den Geschwistern?

Genau hier hilft eine zusätzliche erwachsene Person.

Mama fährt das Kind.

Das Au-pair bleibt bei den Geschwistern.

Oder – sofern Führerschein, Fahrpraxis, Versicherung und alle weiteren Voraussetzungen geklärt sind – kann ein entsprechend eingearbeitetes Au-pair gegebenenfalls auch vereinbarte Fahrten übernehmen.

Aus einem Problem entstehen dadurch plötzlich mehrere Lösungsmöglichkeiten.

Wenn Oma und Opa als Betreuung ausfallen

Nicht jede Betreuung findet über eine Einrichtung statt.

Für viele Familien sind Großeltern eine wichtige Unterstützung bei der Betreuung eines Kindes mit Behinderung.

Oma übernimmt jeden Mittwoch.

Opa fährt zur Therapie.

Die Großeltern betreuen die Kinder, wenn Mama länger arbeiten muss.

Aber auch Großeltern werden krank, fahren in den Urlaub oder haben eigene Termine.

Und wenn ein Betreuungssystem sehr stark von einer einzigen Person abhängig ist, kann schon deren Ausfall den gesamten Wochenplan verändern.

Ein Au-pair kann das familiäre Netzwerk um eine weitere vertraute Person ergänzen.

Nicht als Ersatz für Oma und Opa.

Sondern als zusätzlicher Baustein.

Wenn das Kind selbst krank ist und zu Hause bleiben muss

Auch das kennen alle Eltern:

Das Kind wacht morgens auf und kann nicht in Schule, Kindergarten oder HPT.

Bei einem Kind, das auch in höherem Alter nicht alleine bleiben kann, bedeutet das automatisch:

Jemand muss zu Hause sein.

Natürlich ist ein Au-pair kein Ersatz für die Eltern bei einem ernsthaft erkrankten Kind und erst recht keine medizinische Betreuung.

Aber nicht jede Erkrankung bedeutet automatisch, dass ein Kind rund um die Uhr ausschließlich Mama oder Papa benötigt.

Welche Betreuung möglich und angemessen ist, müssen Eltern abhängig vom Zustand ihres Kindes und der konkreten Situation selbst entscheiden.

Auch hier kann eine zusätzliche vertraute Person im Haushalt zumindest dafür sorgen, dass sich Aufgaben innerhalb der Familie besser verteilen lassen.

Das eigentliche Problem ist häufig nicht Betreuung – sondern fehlende Flexibilität

Viele Familien mit einem Kind mit Behinderung haben bereits ein gut organisiertes Unterstützungssystem.

Schule.

Schulbegleitung.

HPT.

Familienentlastender Dienst.

Therapie.

Fahrdienst.

Großeltern.

Vielleicht Ferienbetreuung.

Auf dem Papier sieht der Alltag gut organisiert aus.

Schwierig wird es häufig erst dann, wenn einer dieser Bausteine plötzlich wegfällt.

Denn dann gibt es oftmals keine zweite Person, die spontan übernehmen kann.

Und genau darin kann einer der großen Vorteile eines Au-pairs für Familien mit einem Kind mit Behinderung liegen.

Eine weitere vertraute Person lebt bereits im Familienalltag

Ein Au-pair muss nicht erst morgens angerufen werden.

Es muss das Kind nicht erst kennenlernen.

Es kennt nach einer entsprechenden Eingewöhnung bereits den Familienalltag.

Es kennt die Kinder.

Die Routinen.

Die Schule.

Die Wege.

Die Freizeitaktivitäten.

Die Geschwister.

Die Kommunikation des Kindes.

Und es weiß, wie ein normaler Nachmittag in der Familie aussieht.

Das kann bei kurzfristigen Veränderungen einen entscheidenden Unterschied machen.

Ein Au-pair ist kein Notfalldienst

Dabei ist uns eine Abgrenzung besonders wichtig.

Ein Au-pair ist keine jederzeit verfügbare Notfallbetreuung.

Auch bei einem Betreuungsausfall gelten die vereinbarten Arbeitszeiten und die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Au-pair-Programms.

Ein Au-pair unterstützt bis zu 30 Stunden pro Woche und maximal sechs Stunden täglich, Babysitting eingeschlossen.

Ein Betreuungsausfall bedeutet deshalb nicht:

„Die HPT hat heute geschlossen, also betreut das Au-pair jetzt zehn Stunden.“

Auch Freizeit des Au-pairs darf nicht einfach kurzfristig als permanente Rufbereitschaft betrachtet werden.

Aber innerhalb des vereinbarten Rahmens kann eine Familie deutlich mehr Möglichkeiten haben, Aufgaben neu zu verteilen.

Flexibilität bedeutet: Nicht immer muss das Au-pair das Kind mit Behinderung übernehmen

Das ist vielleicht der wichtigste Gedanke.

Wenn die Betreuung des Kindes mit Behinderung ausfällt, muss nicht automatisch das Au-pair genau dieses Kind betreuen.

Vielleicht ist eine ganz andere Aufteilung sinnvoller.

Mama übernimmt das Kind mit Behinderung.

Das Au-pair holt das Geschwisterkind ab.

Papa kann weiterarbeiten.

Oder Papa fährt zum ausgefallenen Fahrdienst.

Das Au-pair bleibt zu Hause bei den anderen Kindern.

Mama nimmt ihren beruflichen Termin wahr.

Oder das Au-pair übernimmt einen vereinbarten Teil des Nachmittags, sodass die Eltern ihre Arbeitszeiten untereinander neu verteilen können.

Eine zusätzliche Person schafft zusätzliche Möglichkeiten.

Und manchmal ist genau das die größte Entlastung.

Voraussetzung dafür ist eine gute Einarbeitung

Damit diese Flexibilität überhaupt entstehen kann, muss das Au-pair vorher gut in den Familienalltag integriert worden sein.

Es sollte nicht erst beim ersten Betreuungsausfall lernen, wie der Nachmittag funktioniert.

Deshalb lohnt es sich von Anfang an, Abläufe gemeinsam zu üben.

Wo ist die Schule?

Wie funktioniert die Abholung?

Wie fährt man zur HPT?

Welche Busverbindung nehmen wir?

Was isst das Kind nachmittags?

Wie kommuniziert es?

Welche Freizeitaktivitäten mag es?

Was funktioniert gut, wenn es unruhig wird?

Welche Aufgaben kann das Au-pair bereits selbstständig übernehmen?

Je mehr Sicherheit im normalen Alltag entstanden ist, desto leichter kann eine Familie auch auf Veränderungen reagieren.

Betreuungsausfälle lassen sich nicht verhindern – aber Familien können weniger abhängig werden

Keine Familie kann verhindern, dass eine Schulbegleitung krank wird.

Dass die HPT einmal geschlossen bleibt.

Dass der Fahrdienst ausfällt.

Dass Oma nicht kann.

Oder dass ein Kind morgens krank aufwacht.

Aber Familien können versuchen, ihr Unterstützungssystem so aufzubauen, dass nicht jede einzelne Veränderung sofort den gesamten Familienalltag zum Stillstand bringt.

Für manche Familien kann ein Au-pair dabei ein zusätzlicher Baustein sein.

Nicht statt Schulbegleitung.

Nicht statt HPT.

Nicht statt Familienentlastendem Dienst.

Nicht statt notwendiger Pflege oder anderer professioneller Unterstützung.

Sondern zusätzlich.

Mehr als Betreuung: ein Stück Sicherheit im Familienalltag

Vielleicht ist genau das einer der größten Vorteile einer zusätzlichen vertrauten Person im eigenen Zuhause.

Man weiß:

Wenn sich morgen etwas verändert, müssen wir nicht automatisch bei null anfangen.

Wir sind nicht nur Mama und Papa, die wieder irgendwie alles auffangen müssen.

Da ist noch jemand, der unsere Familie kennt.

Der die Kinder kennt.

Der weiß, wie unser Alltag funktioniert.

Und mit dem wir innerhalb der vereinbarten Möglichkeiten Aufgaben neu verteilen können.

Ein Au-pair für ein Kind mit Behinderung kann deshalb nicht verhindern, dass Betreuung ausfällt.

Aber es kann dazu beitragen, dass aus einem ausgefallenen Betreuungstag nicht jedes Mal ein kompletter Ausnahmezustand für die ganze Familie wird.

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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