Au-pair und Kinderbetreuung: Spielen, begleiten und Teilhabe im Alltag ermöglichen

Bunte Holzbausteine und ein aufgeschlagenes Bilderbuch auf einem Teppich in einem hellen Kinderzimmer im warmen Nachmittagslicht.

Was macht ein Au-pair eigentlich den ganzen Tag mit den Kindern?

Die Antwort darauf kann unglaublich vielfältig sein.

Ein Au-pair kann morgens beim Start in den Kindergarten helfen, nachmittags auf dem Spielplatz sitzen, mit einem Schulkind Hausaufgaben machen, mit einem Kind mit Behinderung Kommunikation üben, zum Kinderturnen begleiten oder mit den Kindern im Garten Fußball spielen.

Denn Kinderbetreuung durch ein Au-pair bedeutet viel mehr als einfach nur „auf die Kinder aufzupassen“.

Gerade für Familien mit mehreren Kindern oder einem Kind mit Behinderung kann ein Au-pair zu einer zusätzlichen vertrauten Bezugsperson werden, die im Alltag Zeit für genau die Dinge hat, für die Eltern zwischen Schule, Arbeit, Haushalt, Therapien und Terminen manchmal die Hände fehlen.

Welche Kinder darf ein Au-pair betreuen?

Au-pairs können Familien mit Kindern ganz unterschiedlicher Altersgruppen unterstützen.

Natürlich sieht die Au-pair-Betreuung eines Kleinkindes vollkommen anders aus als die Begleitung eines zehnjährigen Schulkindes.

Bei einem kleinen Kind geht es vielleicht um:

gemeinsames Spielen, Bücher anschauen, anziehen, frühstücken, auf den Spielplatz gehen oder eine Runde mit dem Laufrad drehen.

Bei einem Schulkind können Hausaufgaben, Freizeitaktivitäten, Schulwegbegleitung, Brettspiele, Basteln oder der Weg zum Sportverein hinzukommen.

Und bei einem Kind mit Behinderung können wiederum ganz andere Schwerpunkte wichtig sein.

Genau das macht die Au-pair-Unterstützung so individuell.

Spielen ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Au-pairs

Spielen klingt zunächst nach Freizeit.

Für Kinder ist Spielen aber ein wesentlicher Teil ihrer Entwicklung.

Das Au-pair kann beispielsweise:

  • mit Lego, Playmobil oder Bausteinen spielen
  • puzzeln und Brett- oder Kartenspiele spielen
  • malen und basteln
  • Bücher anschauen und vorlesen
  • Rollenspiele machen
  • gemeinsam backen
  • im Garten Fußball spielen
  • auf den Spielplatz gehen
  • Fahrrad oder Roller fahren
  • Ausflüge in den Park machen
  • gemeinsam Musik hören oder tanzen
  • altersgerechte Lernspiele anbieten.

Gerade wenn Eltern mehrere Kinder haben, entsteht dadurch etwas unglaublich Wertvolles:

Zeit.

Während Mama einem Kind bei den Hausaufgaben hilft, kann das Au-pair mit dem jüngeren Kind spielen.

Während Papa mit einem Kind beim Arzt ist, kann das Au-pair mit den Geschwistern auf den Spielplatz gehen.

Die Familie kann sich aufteilen.

Pädagogische Spiele mit dem Au-pair

Ein Au-pair ist keine pädagogische Fachkraft. Trotzdem kann es natürlich pädagogisch wertvolle Spiele und Beschäftigungen in den Alltag integrieren.

Farben sortieren.

Memory spielen.

Zahlen üben.

Gemeinsam zählen.

Bilder zuordnen.

Kneten.

Basteln.

Geschichten erzählen.

Beim Backen Mengen kennenlernen.

Beim Spaziergang Tiere, Pflanzen oder Fahrzeuge benennen.

Viele dieser Dinge passieren im Familienalltag ohnehin spielerisch.

Gastfamilien können ihrem Au-pair gerade in der Einarbeitungszeit zeigen, welche Beschäftigungen ihre Kinder mögen und welche Spiele besonders gut funktionieren.

Au-pair und Kind mit Behinderung: Spielen ohne Leistungsdruck

Gerade bei einem Kind mit Behinderung oder besonderen Bedürfnissen kann gemeinsames Spielen noch einmal anders aussehen.

Vielleicht spielt das Kind nicht so, wie das Au-pair es aus seinem bisherigen Praktikum oder von anderen Kindern kennt.

Vielleicht beschäftigt es sich lange mit demselben Gegenstand.

Vielleicht benötigt es Wiederholungen.

Vielleicht kommuniziert es wenig über Lautsprache.

Vielleicht braucht es Unterstützung, um überhaupt in ein gemeinsames Spiel zu finden.

Das Au-pair muss daraus keine Therapiestunde machen.

Es darf einfach lernen:

Wie spielt dieses Kind? Was macht ihm Freude? Wie kann ich Zugang finden?

Kommunikation im Alltag unterstützen

Bei Kindern mit Behinderung kann das Au-pair außerdem die bereits in der Familie verwendeten Kommunikationsformen im Alltag aufgreifen.

Vielleicht verwendet das Kind einen Talker.

Vielleicht kommuniziert es mit Gebärden.

Vielleicht nutzt die Familie Bildkarten.

Vielleicht braucht das Kind mehr Zeit, um auf eine Frage zu reagieren.

Das kann die Gastfamilie ihrem Au-pair zeigen.

Dann kann das Au-pair diese Kommunikationsmöglichkeiten beim Spielen und im Alltag ebenfalls verwenden.

Wichtig bleibt die Abgrenzung:

Das Au-pair übernimmt keine Sprachtherapie oder Logopädie.

Es kann aber selbstverständlich das, was das Kind im Alltag ohnehin zur Kommunikation nutzt, ebenfalls anwenden und fördern.

Au-pair und Therapie: begleiten statt behandeln

Viele Kinder mit Behinderung haben regelmäßig Termine bei Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Reittherapie oder anderen therapeutischen Angeboten.

Auch hier kann ein Au-pair eine große organisatorische Entlastung sein.

Es kann das Kind beispielsweise zur Therapie begleiten, sofern dies für das Kind und die Familie passend ist.

Es kann bei einer Therapieeinheit zuschauen, wenn dies mit der therapeutischen Fachkraft abgestimmt ist.

Und vielleicht bekommt es dabei sogar Anregungen:

„Dieses Spiel könnt ihr zu Hause auch einmal ausprobieren.“

Dann kann das Au-pair solche spielerischen Übungen im normalen Alltag wieder aufgreifen.

Das macht es aber nicht zum Therapeuten.

Therapie bleibt Aufgabe der entsprechenden Fachkräfte.

Darf ein Au-pair mein Kind zur Schule bringen?

Auch die Schulwegbegleitung durch ein Au-pair kann zum Familienalltag gehören.

Das Au-pair kann ein Kind morgens zu Fuß zur Schule begleiten, gemeinsam den Bus nehmen oder – wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind und die Familie das so vereinbart hat – Fahrten übernehmen.

Gerade bei einem Kind mit Behinderung kann diese Begleitung wichtig sein, wenn es den Schulweg nicht selbstständig bewältigen kann.

Das Au-pair bringt das Kind zur Schule und holt es später wieder ab.

Damit übernimmt es eine Wegbegleitung.

Schulwegbegleitung ist nicht Schulbegleitung

Diese beiden Begriffe sollten Gastfamilien allerdings auseinanderhalten.

Schulwegbegleitung bedeutet: Das Au-pair begleitet das Kind auf dem Weg zur Schule und wieder nach Hause.

Eine Schulbegleitung begleitet ein Kind dagegen während des Unterrichts beziehungsweise im Schulalltag und ist eine eigenständige Unterstützungsleistung.

Das normale Au-pair-Programm ersetzt deshalb nicht automatisch eine professionelle beziehungsweise bewilligte Schulbegleitung.

Ein Au-pair kann aber rund um Schule und Schulweg eine enorme Entlastung schaffen.

Hausaufgaben mit dem Au-pair

Auch Hausaufgabenbetreuung durch ein Au-pair ist möglich.

Das bedeutet nicht, dass das Au-pair Nachhilfelehrer sein muss.

Es kann sich einfach dazusetzen.

An Aufgaben erinnern.

Beim Lesen zuhören.

Vokabeln abfragen.

Eine ruhige Lernatmosphäre schaffen.

Oder dafür sorgen, dass das Geschwisterkind beschäftigt ist, während Mama mit einem anderen Kind konzentriert Hausaufgaben macht.

Auch hier ist die Aufteilung innerhalb der Familie häufig der größte Gewinn.

Au-pair als Freizeitassistenz für ein Kind mit Behinderung

Ein besonders wertvoller Bereich kann die Freizeitassistenz durch ein Au-pair sein.

Denn viele Kinder mit Behinderung könnten grundsätzlich an ganz normalen Freizeitangeboten teilnehmen – benötigen aber jemanden, der sie begleitet.

Vielleicht möchte das Kind zum Kinderturnen.

In den Fußballverein.

Zum Karate.

In den Musikgarten.

Zur Reittherapie.

Auf den Spielplatz.

Zum Schwimmen.

In eine Spielgruppe.

Oder einfach am Nachmittag in den Park.

Ohne zusätzliche Begleitperson ist das für manche Familien organisatorisch kaum möglich.

Mit einem Au-pair kann plötzlich jemand da sein, der sagt:

„Komm, wir gehen zusammen.“

Ein Au-pair kann Türen zur Inklusion öffnen

Das kann auch für Vereine und Freizeitangebote einen Unterschied machen.

Vielleicht kann ein Verein ein Kind mit Behinderung grundsätzlich aufnehmen, hat aber nicht die personellen Möglichkeiten für eine dauerhafte Eins-zu-eins-Begleitung.

Wenn das Kind eine eigene vertraute Freizeitassistenz mitbringt, können sich plötzlich Möglichkeiten ergeben, die vorher schwierig waren.

Das sollte natürlich immer individuell mit dem jeweiligen Anbieter besprochen werden.

Aber genau hier kann ein Au-pair einen wunderbaren Beitrag zur Inklusion und Teilhabe eines Kindes mit Behinderung leisten.

Nicht als Therapeut.

Nicht als Pflegekraft.

Sondern als vertraute Begleitperson im Alltag.

Auch der Spielplatz kann Inklusion bedeuten

Stellen wir uns einen ganz normalen Nachmittag vor.

Das Au-pair geht mit dem Kind auf den Spielplatz.

Das Kind würde dort vielleicht alleine nicht auf andere Kinder zugehen.

Das Au-pair setzt sich mit in den Sandkasten.

Ein anderes Kind kommt dazu.

Das Au-pair beginnt ein gemeinsames Spiel.

Vielleicht entsteht daraus ein Kontakt.

Manchmal braucht es gar keine große pädagogische Maßnahme.

Manchmal braucht ein Kind einfach jemanden, der eine kleine Brücke zu anderen Kindern baut.

Freizeit muss nicht kompliziert oder teuer sein

Ein guter Nachmittag mit dem Au-pair braucht übrigens kein aufwendiges Programm.

Nicht jeden Tag Indoorspielplatz.

Nicht ständig Zoo.

Nicht jede Woche ein teurer Ausflug.

Ein Ball und ein Garten können reichen.

Kreide und eine Einfahrt.

Ein Kartenspiel.

Ein Fahrrad.

Ein Spaziergang.

Gemeinsam Enten anschauen.

Mit dem Bus in den nächsten Park fahren.

Ein Eis essen.

Zu Hause Muffins backen.

Oder eine Höhle aus Decken im Kinderzimmer bauen.

Kinder brauchen häufig viel weniger Programm, als Erwachsene denken.

Sie brauchen vor allem jemanden, der wirklich Zeit mit ihnen verbringt.

Auch Geschwisterkinder profitieren vom Au-pair

Gerade in Familien mit einem Kind mit Behinderung dreht sich zwangsläufig viel um Termine, Therapien und zusätzliche Organisation.

Davon profitieren Geschwister nicht immer.

Auch hier kann ein Au-pair Freiräume schaffen.

Vielleicht unternimmt das Au-pair ganz bewusst etwas mit dem Geschwisterkind, während Mama beim Therapietermin ist.

Oder umgekehrt:

Das Au-pair begleitet das Kind mit Behinderung zu einer Freizeitaktivität und Mama hat endlich einmal zwei Stunden ausschließlich für das Geschwisterkind.

Au-pair-Unterstützung bedeutet deshalb nicht nur Entlastung für Eltern. Sie kann auch zusätzliche Zeit für jedes einzelne Kind schaffen.

Beziehung entsteht nicht durch Beschäftigungsprogramme

Bei all den Ideen sollte eines nicht verloren gehen:

Ein Au-pair muss Kinder nicht permanent „bespaßen“.

Es darf auch einfach Alltag entstehen.

Gemeinsam auf dem Teppich sitzen.

Ein Buch anschauen.

Beim Kochen erzählen.

Nach der Schule zusammen einen Snack essen.

Im Garten sein.

Musik hören.

Auf dem Weg zum Sport über den Tag sprechen.

Gerade aus diesen unspektakulären Momenten entsteht häufig die Beziehung zwischen Au-pair und Kind.

Und irgendwann ist das Au-pair nicht mehr „die neue Person, die bei uns wohnt“.

Sondern der Mensch, nach dem das Kind nach der Schule fragt.

Ein Au-pair schafft vor allem eines: zusätzliche Zeit für Kinder

Kinderbetreuung durch ein Au-pair kann unglaublich vielseitig sein.

Spielen. Vorlesen. Basteln. Hausaufgaben begleiten. Zur Schule bringen. Zur Therapie begleiten. Auf den Spielplatz gehen. Freizeitaktivitäten ermöglichen. Kommunikation unterstützen. Geschwister betreuen. Als Freizeitassistenz Teilhabe ermöglichen.

Welche Aufgaben tatsächlich passen, hängt immer vom Alter und Entwicklungsstand der Kinder, dem Familienalltag und den Fähigkeiten des Au-pairs ab.

Gerade für eine Gastfamilie mit Kind mit Behinderung kann diese zusätzliche Person jedoch etwas schaffen, das im Alltag häufig knapp ist:

Zeit, Begleitung und Möglichkeiten zur Teilhabe.

Und manchmal ist genau das die größte Unterstützung, die ein Au-pair einer Familie geben kann.

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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