Au-pair und Haushalt: Welche Haushaltsarbeiten darf ein Au-pair übernehmen?

Ein Au-pair unterstützt bei der Kinderbetreuung und bei leichten Haushaltsarbeiten wie Kinderwäsche, Aufräumen, Spülmaschine, Staubsaugen, Bügeln und einfachen Mahlzeiten. Es ist keine Haushaltshilfe und keine Reinigungskraft; Haushaltszeit zählt zur Arbeitszeit.
„Darf mein Au-pair eigentlich putzen?“
„Kann es die Wäsche machen?“
„Darf das Au-pair staubsaugen?“
„Und wer putzt eigentlich das Badezimmer?“
Das Thema Au-pair und Haushaltsarbeiten führt bei Gastfamilien immer wieder zu Unsicherheit. Dabei ist die Grundidee des deutschen Au-pair-Programms eigentlich recht einfach:
Ein Au-pair unterstützt die Gastfamilie bei der Kinderbetreuung und bei leichten Haushaltsarbeiten.
Es ist aber keine Haushaltshilfe und keine Reinigungskraft.
Auch die Bundesagentur für Arbeit beschreibt die Hauptaufgabe eines Au-pairs als Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Daneben gehören leichte Hausarbeiten wie das Mithelfen beim Ordnung halten, Wäschewaschen und Bügeln sowie die Zubereitung von Frühstück und einfachen Mahlzeiten zum Au-pair-Alltag.
Aber was bedeutet „leichte Haushaltsarbeiten“ eigentlich im ganz normalen Familienalltag?
Darf ein Au-pair im Haushalt helfen?
Ja – ausdrücklich.
Ein Au-pair lebt als Familienmitglied auf Zeit mit seiner Gastfamilie zusammen. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt die Rolle ebenfalls ausdrücklich nicht als Nanny oder Haushaltshilfe, sondern als Familienmitglied, das Kinder betreut und bei leichten Haushaltstätigkeiten mithilft.
Deshalb ist es vollkommen normal, dass ein Au-pair nicht nur mit den Kindern spielt.
Es kann beispielsweise beim Aufräumen helfen, Kinderwäsche übernehmen, die Spülmaschine ausräumen oder nach dem gemeinsamen Essen den Tisch abräumen.
Entscheidend ist das Wort:
mithelfen.
Welche Haushaltsarbeiten darf ein Au-pair übernehmen?
Typische leichte Haushaltsarbeiten können beispielsweise sein:
- Tisch decken und nach dem Essen wieder abräumen
- Geschirrspüler ein- oder ausräumen
- bei der Ordnung in der Küche helfen
- leichte Aufräumarbeiten übernehmen
- staubsaugen
- Staub wischen
- Kinderzimmer gemeinsam mit den Kindern aufräumen
- Kinderwäsche waschen
- Wäsche aus dem Trockner nehmen
- Kinderkleidung zusammenlegen und in die Schränke räumen
- bügeln
- Frühstück oder einfache Mahlzeiten zubereiten
- nach dem Kochen die Küche wieder ordentlich hinterlassen
Auch die Bundesagentur für Arbeit nennt unter anderem Geschirrspülen, Wäschewaschen, Bügeln, Staubwischen und Staubsaugen als Beispiele für leichte Haushaltstätigkeiten eines Au-pairs.
Darf ein Au-pair putzen?
Hier kommt es darauf an, was mit „putzen“ gemeint ist.
Wenn damit gemeint ist:
„Kannst du bitte nach dem Frühstück den Tisch abwischen und einmal durchsaugen?“
Dann kann das problemlos eine leichte Haushaltsaufgabe sein.
Wenn damit aber gemeint ist:
„Jeden Donnerstag putzt du das komplette Haus, reinigst zwei Badezimmer, drei Toiletten, wischst alle Böden und machst anschließend noch die Fenster“,
dann sprechen wir nicht mehr über die normale Mithilfe eines Au-pairs.
Ein Au-pair ersetzt keine Putzfrau oder Haushaltshilfe.
Das ist eine wichtige Grenze.
Das Au-pair ist keine günstige Reinigungskraft
Natürlich ist es für eine Familie verlockend:
Da lebt nun eine zusätzliche erwachsene Person im Haus. Warum sollte sie nicht gleich einen großen Teil des Haushalts übernehmen?
Weil das nicht die Rolle eines Au-pairs ist.
Das Au-pair-Programm dient dem kulturellen Austausch. Der junge Mensch lebt in der Familie, verbessert seine Deutschkenntnisse, lernt Deutschland kennen und unterstützt im Gegenzug insbesondere bei der Betreuung der Kinder und bei leichten Aufgaben im Haushalt. Auch die Bundesagentur für Arbeit stellt den Kultur- und Spracherwerb sowie die Kinderbetreuung in den Mittelpunkt des Programms.
Wer eigentlich jemanden sucht, der mehrere Stunden täglich das Haus reinigt, benötigt eine Haushaltshilfe – kein Au-pair.
Kinderwäsche ist eine wunderbare Au-pair-Aufgabe
Gerade bei mehreren Kindern entsteht gefühlt jeden Tag ein neuer Wäscheberg.
Hier kann ein Au-pair wunderbar unterstützen.
Kinderwäsche sortieren.
Waschmaschine anstellen.
Wäsche aufhängen oder in den Trockner geben.
Anschließend zusammenlegen.
Und die Sachen wieder in die entsprechenden Kinderschränke räumen.
Das sind Aufgaben, die sich gut in den Familienalltag integrieren lassen und Eltern tatsächlich entlasten können.
Auch hier gilt allerdings:
Zeigen Sie Ihrem Au-pair zunächst, wie Sie es gerne hätten.
Welches Programm wird benutzt?
Was darf in den Trockner?
Was nicht?
Wo gehören die Sachen hin?
Auch Wäschewaschen ist nicht in jedem Land und jedem Haushalt gleich.
Kinderzimmer aufräumen – gerne gemeinsam mit den Kindern
Das Kinderzimmer ist ebenfalls ein typischer Bereich, in dem ein Au-pair unterstützen kann.
Aber auch hier gefällt uns bei Besondere Sterne ein Gedanke besonders:
Das Au-pair muss nicht jeden Abend hinter den Kindern herräumen.
Es kann die Kinder vielmehr begleiten:
„Kommt, bevor wir zum Spielplatz gehen, räumen wir gemeinsam die Lego-Steine weg.“
So wird aus einer Haushaltsaufgabe gleichzeitig eine normale Alltagsroutine mit den Kindern.
Gerade bei einem Kind mit Behinderung kann das Au-pair dabei unterstützen, solche Abläufe immer wieder gemeinsam zu üben und Struktur zu geben.
Darf das Au-pair das Badezimmer putzen?
Hier würden wir zwischen normaler gemeinschaftlicher Verantwortung und einer fest übertragenen Reinigungstätigkeit unterscheiden.
Ein Au-pair lebt im Haushalt und benutzt natürlich selbst Räume.
Wenn es beispielsweise ein Badezimmer mitbenutzt, kann eine Familie gemeinsam überlegen, wie alle Nutzer dazu beitragen, dass dieser Raum ordentlich und sauber bleibt.
Vielleicht gibt es eine faire Aufteilung zwischen den Personen, die dieses Badezimmer benutzen.
Das ist etwas anderes als zu sagen:
„Du bist unser Au-pair, deshalb putzt du ab jetzt jede Woche die Badezimmer und Toiletten der gesamten Familie.“
Ein Au-pair ist ein Familienmitglied auf Zeit.
Familienmitglieder dürfen selbstverständlich ihren Beitrag dazu leisten, gemeinsam genutzte Räume ordentlich zu halten.
Sie werden dadurch aber nicht zur Reinigungskraft der Familie.
Was gehört nicht zu den typischen Aufgaben eines Au-pairs?
Eine gute Orientierung ist immer die Frage:
Ist das noch leichte Mithilfe im laufenden Familienalltag – oder würde ich hierfür normalerweise eine Reinigungskraft beziehungsweise eine andere Fachkraft beschäftigen?
Eine komplette Grundreinigung des Hauses gehört nicht zur eigentlichen Rolle eines Au-pairs.
Ebenso sollte das Au-pair nicht dafür eingeplant werden, regelmäßig Fenster im ganzen Haus zu putzen, Toiletten und Badezimmer der gesamten Familie grundzureinigen, Keller zu schrubben oder das Treppenhaus wie eine Reinigungskraft zu übernehmen.
Auch pflegerische Tätigkeiten gehören nicht zu den Aufgaben eines Au-pairs. Das stellt die Bundesagentur für Arbeit in ihrem Au-pair-Merkblatt ausdrücklich klar.
Und was ist mit dem eigenen Zimmer des Au-pairs?
Für das eigene Zimmer trägt das Au-pair selbstverständlich selbst Verantwortung.
Es hält sein Zimmer ordentlich und sauber und räumt seine persönlichen Dinge weg.
Das hat nichts mit einer zusätzlichen Haushaltsaufgabe für die Gastfamilie zu tun.
Genauso sollte das Au-pair nach sich selbst aufräumen.
Wer sich ein Brot schmiert, lässt anschließend nicht selbstverständlich Brett, Messer, Teller und Krümel für die Gastmama liegen.
Familienmitglied zu sein bedeutet auch:
Jeder trägt seinen Teil zum gemeinsamen Zusammenleben bei.
Haushalt mit einem Kind mit Behinderung: Das Au-pair kann an anderer Stelle entlasten
Gerade für Familien mit einem Kind mit Behinderung ist dieser Gedanke wichtig.
Das Au-pair muss nicht unbedingt jede direkte Betreuungssituation übernehmen, damit eine echte Entlastung entsteht.
Vielleicht möchte die Mutter ihr Kind selbst zur Therapie begleiten.
Währenddessen bleibt das Au-pair mit den Geschwistern zu Hause.
Die Kinder spielen.
Anschließend wird gemeinsam aufgeräumt.
Das Au-pair legt die Kinderwäsche zusammen und deckt den Tisch fürs Abendessen.
Wenn die Mutter von der Therapie zurückkommt, ist der Familienalltag bereits ein gutes Stück weiter.
Auch das ist Entlastung.
„Mach ein bisschen Haushalt“ ist keine gute Aufgabenbeschreibung
Gerade in den ersten Wochen sollten Aufgaben konkret benannt werden.
„Hilf heute ein bisschen im Haushalt“ kann für ein Au-pair aus einem anderen kulturellen Umfeld alles oder nichts bedeuten.
Besser:
„Wenn die Kinder in der Schule sind, räum bitte die Spülmaschine aus und leg anschließend die Kinderwäsche aus dem Trockner zusammen.“
Dann weiß das Au-pair genau, was erwartet wird.
Noch besser ist es, die Aufgaben am Anfang einmal gemeinsam zu machen.
Wo stehen die Teller?
Welcher Schrank gehört welchem Kind?
Wie funktioniert die Waschmaschine?
Welches Waschmittel wird verwendet?
Was darf in den Trockner?
Danach kann das Au-pair diese Aufgaben zunehmend selbstständig übernehmen.
Auch Haushaltsaufgaben gehören in den Wochenplan
Leichte Haushaltsarbeiten sind Arbeitszeit.
Sie kommen also nicht zusätzlich zu den vereinbarten Betreuungsstunden obendrauf.
Wenn das Au-pair beispielsweise morgens zwei Stunden bei der Kinderbetreuung hilft, anschließend Kinderwäsche macht und am Nachmittag wieder Kinder betreut, müssen alle vereinbarten Arbeitszeiten zusammen betrachtet werden.
Für das deutsche Au-pair-Programm gilt grundsätzlich eine Obergrenze von sechs Stunden täglich und 30 Stunden wöchentlich einschließlich Babysitting. Die Bundesagentur für Arbeit weist außerdem darauf hin, dass die Zeit für die Erledigung der häuslichen Aufgaben einschließlich Kinderbetreuung entsprechend begrenzt ist.
Eine faire Aufgabenverteilung verhindert Konflikte
Viele Konflikte zwischen Au-pair und Gastfamilie entstehen gar nicht aus böser Absicht.
Sie entstehen aus unterschiedlichen Erwartungen.
Die Gastfamilie denkt:
„Es ist doch selbstverständlich, dass sie das macht.“
Das Au-pair denkt:
„Ich dachte, ich komme zur Kinderbetreuung. Warum putze ich plötzlich das ganze Haus?“
Genau deshalb sollten Haushaltsaufgaben bereits beim Kennenlernen angesprochen und nach der Ankunft noch einmal konkret vereinbart werden.
Gastfamilien von Besondere Sterne erhalten dafür Vorlagen für ihre Tages- und Wochenplanung, sodass Aufgaben und Arbeitszeiten von Anfang an transparent besprochen werden können.
Eine einfache Faustregel für Gastfamilien
Wenn Sie unsicher sind, ob eine Haushaltsaufgabe zum Au-pair passt, hilft diese Frage:
Unterstützt diese Tätigkeit den normalen gemeinsamen Familienalltag – oder versuche ich gerade, mit meinem Au-pair eine andere Arbeitskraft zu ersetzen?
Kinderwäsche zusammenlegen?
Ja.
Nach dem Essen gemeinsam die Küche aufräumen?
Natürlich.
Staubsaugen oder Staub wischen?
Das kann zu den leichten Haushaltstätigkeiten gehören.
Das komplette Haus regelmäßig grundreinigen?
Dafür ist ein Au-pair nicht da.
Ein Au-pair hilft im Haushalt – es führt ihn nicht
Ein Au-pair soll eine Familie im Alltag entlasten.
Es darf mit anpacken.
Es darf Kinderwäsche waschen und zusammenlegen, staubsaugen, beim Geschirr helfen, den Tisch decken, Kinderzimmer aufräumen und einfache Mahlzeiten vorbereiten.
Aber es zieht nicht als Reinigungskraft ein.
Der Unterschied liegt häufig gar nicht in einer einzelnen Tätigkeit, sondern im Umfang und in der Erwartung dahinter.
Und genau deshalb ist die beste Grundlage auch beim Thema Haushalt:
klare Aufgaben, faire Erwartungen und das Bewusstsein, dass ein Au-pair ein Familienmitglied auf Zeit ist – keine Haushälterin.

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


