Au-pair und Geschwisterkinder: Mehr Zeit und Aufmerksamkeit für Geschwister von Kindern mit Behinderung

Zwei Kinderfahrräder nebeneinander an einer Hauswand im warmen Abendlicht, im Hintergrund unscharf ein Garten.

Wenn ein Kind in der Familie eine Behinderung hat, bedeutet das nicht automatisch, dass seine Geschwister zu kurz kommen.

Und trotzdem kennen viele Familien diese Situationen:

Ein Kind hat Therapie – und das Geschwisterkind sitzt im Wartezimmer.

Ein Kind muss zu einem Arzttermin – und das Geschwisterkind muss mit.

Ein Kind benötigt am Nachmittag viel Unterstützung – und gleichzeitig möchte das andere Kind eigentlich zum Fußball, zum Reiten oder sich mit Freunden treffen.

Nicht weil Mama und Papa das Geschwisterkind weniger sehen.

Sondern weil ein Familienalltag mit einem Kind mit Behinderung manchmal schlicht mehr Organisation, Termine und Eins-zu-eins-Begleitung benötigt.

Genau hier kann ein Au-pair für Familien mit einem Kind mit Behinderung einen ganz besonderen Mehrwert schaffen.

Denn plötzlich ist da eine weitere vertraute Person.

Und dadurch entsteht etwas, das im Familienalltag unglaublich wertvoll sein kann:

mehr Zeit für jedes einzelne Kind.

Geschwister von Kindern mit Behinderung sind nicht automatisch „Schattenkinder“

Der Begriff „Schattenkind“ wird häufig verwendet, wenn über Geschwister von Kindern mit Behinderung gesprochen wird.

Wir finden es wichtig, damit vorsichtig umzugehen.

Nicht jedes Geschwisterkind eines Kindes mit Behinderung fühlt sich zurückgesetzt. Nicht jede Familie erlebt eine Belastung. Und eine Behinderung bedeutet nicht automatisch, dass Geschwister weniger Aufmerksamkeit oder eine schwierige Kindheit haben.

Aber natürlich gibt es Situationen, in denen der Unterstützungsbedarf eines Kindes mehr Zeit beansprucht.

Therapien.

Arzttermine.

Förderangebote.

Gespräche mit Einrichtungen.

Begleitung zu Freizeitaktivitäten.

Oder einfach Alltagssituationen, in denen das Kind nicht alleine bleiben oder unterwegs sein kann.

Und genau dann kann eine zusätzliche Person im Familienalltag unglaublich viel verändern.

Ein Au-pair kann ganz bewusst für die Geschwisterkinder da sein

Wenn Familien an ein Au-pair für ein Kind mit Behinderung denken, entsteht manchmal automatisch die Vorstellung:

Das Au-pair kümmert sich hauptsächlich um das Kind mit Behinderung.

Das muss überhaupt nicht so sein.

Vielleicht ist gerade die beste Unterstützung:

Das Au-pair ist für die Geschwister da.

Mama fährt mit dem Kind mit Behinderung zur Ergotherapie.

Das Au-pair bleibt mit dem Geschwisterkind zu Hause.

Und anstatt eine Stunde im Wartezimmer zu verbringen, kann das Kind zu Hause Lego bauen, mit dem Au-pair backen, in den Garten gehen oder sich mit einem Freund verabreden.

Das kann Familienalltag enorm entspannen.

Nicht jedes Geschwisterkind muss zu jedem Therapietermin mit

Gerade wenn Kinder kleiner sind, gibt es häufig kaum eine Alternative.

Ein Kind hat Therapie – also kommen die Geschwister mit.

Ein Kind muss zum Arzt – also sitzen alle im Auto.

Ein Termin dauert eine Stunde – und das Geschwisterkind verbringt diese Stunde im Wartezimmer.

Natürlich funktioniert das.

Familien machen das jeden Tag.

Aber wie schön ist es, wenn es plötzlich nicht mehr immer notwendig ist?

Mit einem Au-pair kann die Familie sagen:

„Du musst heute nicht mit. Du kannst zu Hause bleiben und einen schönen Nachmittag haben.“

Das ist keine spektakuläre Veränderung.

Aber im Alltag kann genau das unglaublich viel Lebensqualität schaffen.

Ein Au-pair kann Freizeit ermöglichen, die organisatorisch sonst schwierig wäre

Vielleicht hat das Geschwisterkind mittwochs Reitunterricht.

Gleichzeitig hat das Kind mit Behinderung einen festen Therapietermin.

Bisher musste der Reitunterricht vielleicht ausfallen oder kompliziert organisiert werden.

Mit einem Au-pair kann sich die Familie aufteilen.

Mama fährt zur Therapie.

Das Au-pair begleitet das Geschwisterkind zum Reiten.

Oder Papa fährt zum Arzttermin und das Au-pair bringt das andere Kind zum Fußball.

Plötzlich müssen die Termine eines Kindes nicht mehr automatisch bestimmen, was für alle anderen Kinder an diesem Nachmittag möglich ist.

Das Au-pair kann auch ausschließlich Zeit mit einem Geschwisterkind verbringen

Es muss auch gar keinen organisatorischen Grund geben.

Vielleicht sagt die Familie ganz bewusst:

„Heute Nachmittag bist du nur für Emma da.“

Die beiden gehen ein Eis essen.

Fahren Fahrrad.

Gehen shoppen.

Backen Muffins.

Besuchen den Spielplatz.

Spielen Karten.

Oder sitzen einfach gemeinsam im Kinderzimmer und erzählen.

Ein Au-pair kann für ein Geschwisterkind ebenfalls eine enge Bezugsperson, Freundin oder große Schwester beziehungsweise großer Bruder auf Zeit werden.

Das ist ein Aspekt des Au-pair-Lebens, der gerade in Familien mit einem Kind mit Behinderung manchmal unterschätzt wird.

Und manchmal dreht man die Aufteilung einfach um

Natürlich kann es genauso andersherum funktionieren.

Vielleicht möchte Mama endlich einmal ganz bewusst einen Nachmittag ausschließlich mit dem Geschwisterkind verbringen.

Ins Kino gehen.

Einkaufen.

Einen Ausflug machen.

Zum Fußballspiel fahren.

Oder einfach zusammen ein Eis essen und Zeit haben.

Dann kann das Au-pair währenddessen das Kind mit Behinderung im vertrauten Alltag begleiten, sofern die entsprechenden Aufgaben gut eingearbeitet sind und in den Aufgabenbereich des Au-pairs fallen.

Und plötzlich entsteht für Mama etwas, das vorher organisatorisch kaum möglich war:

Exklusive Zeit mit einem anderen Kind.

Mehrere Kinder bedeuten ständig Aufteilen

Eigentlich kennen dieses Problem alle Familien mit mehreren Kindern.

Zwei Kinder müssen gleichzeitig an zwei unterschiedliche Orte.

Eines möchte auf den Spielplatz, das andere Hausaufgaben machen.

Eines ist krank, das andere hat Fußballtraining.

Bei Familien mit einem Kind mit besonderem Unterstützungsbedarf kann diese Organisation nur noch etwas komplexer werden.

Ein Au-pair schafft keine zusätzlichen Stunden im Tag.

Aber es schafft eine zusätzliche Person, auf die sich die Familie verteilen kann.

Und genau das kann den entscheidenden Unterschied machen.

Geschwisterkinder dürfen ihren eigenen Alltag haben

Ein schöner Gedanke dabei ist:

Das Geschwisterkind muss nicht ständig „das Geschwisterkind eines Kindes mit Behinderung“ sein.

Es ist einfach ein Kind.

Mit eigenen Freunden.

Eigenen Hobbys.

Eigenen Interessen.

Eigenen Terminen.

Eigenen Sorgen.

Und eigenen Bedürfnissen nach Aufmerksamkeit.

Ein Au-pair kann dazu beitragen, dass dafür im Familienalltag mehr Raum entsteht.

Nicht weil vorher etwas falsch gelaufen ist.

Sondern weil plötzlich mehr Hände und mehr Zeit zur Verfügung stehen.

Das Au-pair kann eine ganz eigene Beziehung zu jedem Kind entwickeln

Auch deshalb sollte eine Gastfamilie ihr Au-pair nicht ausschließlich einem Kind „zuordnen“.

Natürlich kann es einen Schwerpunkt geben.

Vielleicht wurde das Au-pair gerade deshalb ausgewählt, weil es Erfahrung mit Kindern mit Behinderung mitbringt.

Trotzdem lebt es mit der ganzen Familie.

Es darf mit dem einen Kind wild Fußball spielen.

Mit dem anderen stundenlang malen.

Mit dem Kind mit Behinderung vielleicht besonders gerne Musik hören.

Und mit dem Teenager abends in der Küche sitzen und erzählen.

Jede dieser Beziehungen darf anders aussehen.

Auch Geschwisterkinder profitieren vom kulturellen Austausch

Ein Au-pair bringt außerdem eine ganz neue Welt mit in die Familie.

Eine andere Sprache.

Andere Gerichte.

Andere Musik.

Andere Traditionen.

Vielleicht lernen die Kinder englische Wörter.

Vielleicht zeigt das Au-pair ein Spiel aus seinem Heimatland.

Vielleicht wird gemeinsam ein Gericht gekocht, das die Kinder vorher noch nie gegessen haben.

Gerade für Geschwisterkinder kann das Au-pair dadurch weit mehr sein als zusätzliche Betreuung.

Es kann ein junger Mensch werden, der ihren Horizont erweitert und ihnen zeigt:

Familien, Sprachen und Kulturen können ganz unterschiedlich aussehen.

Ein Au-pair kann auch Geschwisterkonflikte nicht „wegzaubern“

Natürlich bedeutet eine zusätzliche Person nicht automatisch, dass plötzlich alles harmonisch läuft.

Geschwister streiten.

Kinder sind eifersüchtig.

Manchmal will genau das Kind mit Mama spielen, das gerade beim Au-pair bleiben soll.

Auch das ist normal.

Die Verantwortung für die Erziehung und die grundlegenden Familienregeln bleibt bei den Eltern.

Das Au-pair kann begleiten und unterstützen – aber es soll nicht die Rolle der Eltern übernehmen.

Mehr Aufmerksamkeit ohne schlechtes Gewissen

Vielleicht ist das sogar einer der schönsten Effekte eines Au-pairs in einer Familie mit mehreren Kindern:

Mama kann mit einem Kind zu einem wichtigen Termin fahren, ohne gleichzeitig das Gefühl zu haben:

„Jetzt müssen die anderen schon wieder mit.“

Oder sie kann mit einem Geschwisterkind etwas Schönes unternehmen, ohne währenddessen ständig überlegen zu müssen, wie das andere Kind betreut wird.

Das Au-pair schafft dadurch nicht nur praktische Entlastung.

Es kann auch mentale Entlastung für die Eltern schaffen.

Au-pair für Familien mit Kind mit Behinderung bedeutet Unterstützung für die ganze Familie

Bei Besondere Sterne betrachten wir deshalb nie ausschließlich das Kind mit Behinderung.

Ein Au-pair zieht in ein Familiensystem ein.

Und zu diesem Familiensystem gehören Mama, Papa, das Kind mit Behinderung – und genauso seine Geschwister.

Manchmal begleitet das Au-pair das Kind mit Behinderung.

Manchmal betreut es die Geschwister.

Manchmal ermöglicht es Mama und Papa exklusive Zeit mit einem einzelnen Kind.

Und manchmal sitzen einfach alle gemeinsam am Küchentisch und spielen UNO.

Genau darin liegt für uns ein großer Mehrwert eines Au-pairs für Familien mit Kindern mit und ohne Behinderung:

Es geht nicht darum, ein Kind „abzugeben“. Es geht darum, mehr Möglichkeiten zu schaffen, sich als Familie aufzuteilen – damit jedes Kind seinen Platz, seine Aktivitäten und immer wieder ganz eigene Zeit bekommt.

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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