Au-pair und Autofahren: Darf das Au-pair die Kinder mit dem Auto fahren?

Ein Au-pair mit einer in Deutschland gültigen Fahrerlaubnis kann Fahrdienste übernehmen. Vorher sollten Gültigkeit des Führerscheins, Kfz-Versicherung, Fahrpraxis, Probefahrten ohne Kinder und die Kindersitze geklärt sein. Verpflichtet ist niemand dazu.
„Unser Au-pair hat einen Führerschein – dann kann es doch morgens die Kinder zur Schule und nachmittags zur Therapie fahren.“
Grundsätzlich kann ein Au-pair mit Führerschein auch Fahrdienste für die Kinder übernehmen. Gerade für Familien mit mehreren Kindern oder einem Kind mit Behinderung kann das eine große Entlastung sein.
Schule, Kindergarten, Therapie, Musikschule, Kinderturnen, Fußball oder Reittherapie – häufig besteht ein erstaunlich großer Teil des Familienalltags daraus, Kinder von einem Ort zum nächsten zu bringen.
Trotzdem sollten Gastfamilien einen wichtigen Punkt nicht unterschätzen:
Ein ausländischer Führerschein bedeutet nicht automatisch, dass sich ein Au-pair im deutschen Straßenverkehr sicher bewegen kann.
Und manchmal ist die beste Lösung sogar eine ganz andere: Mama oder Papa übernimmt weiterhin die Fahrten – und das Au-pair hält währenddessen zu Hause den Familienalltag am Laufen.
Darf ein Au-pair in Deutschland Auto fahren?
Grundsätzlich ja, sofern das Au-pair eine in Deutschland gültige Fahrerlaubnis für das entsprechende Fahrzeug besitzt.
Bei einem ausländischen Führerschein hängt die Gültigkeit unter anderem davon ab, in welchem Land er ausgestellt wurde.
Bei Führerscheinen aus Staaten außerhalb der EU bzw. des EWR ist besonders wichtig, sich rechtzeitig mit der Gültigkeit in Deutschland zu beschäftigen. Häufig können diese nach Begründung des Wohnsitzes in Deutschland zunächst für einen begrenzten Zeitraum genutzt werden.
Welche Regelungen im konkreten Fall gelten, sollte individuell geprüft werden.
Gastfamilien von Besondere Sterne erhalten von uns hierzu weiterführende Informationen und Hinweise, damit sie wissen, welche Punkte bei einem ausländischen Führerschein ihres Au-pairs beachtet und rechtzeitig geklärt werden sollten.
Ein Führerschein sagt noch nichts über die tatsächliche Fahrpraxis aus
Wenn Autofahren für Ihre Familie wichtig ist, sollten Sie dieses Thema bereits während des Kennenlernens mit dem Au-pair ausführlich besprechen.
Die Frage
„Hast du einen Führerschein?“
reicht dafür nicht aus.
Fragen Sie lieber:
Seit wann hast du deinen Führerschein?
Wie häufig fährst du tatsächlich?
Fährst du täglich, mehrmals pro Woche oder nur gelegentlich?
Fährst du hauptsächlich auf dem Land oder auch in einer größeren Stadt?
Wie viel Verkehr gibt es dort?
Bist du schon auf Autobahnen gefahren?
Fährst du Automatik oder Schaltung?
Welche Größe von Auto bist du gewohnt?
Denn zwischen „Ich habe seit drei Jahren einen Führerschein“ und „Ich fahre seit drei Jahren jeden Tag Auto“ besteht ein erheblicher Unterschied.
Autofahren in Deutschland kann für das Au-pair vollkommen neu sein
Denken Sie daran, woher Ihr Au-pair kommt.
Vielleicht herrscht in seinem Heimatland Linksverkehr.
Vielleicht ist es bisher hauptsächlich auf ruhigen Straßen gefahren.
Vielleicht kennt es bestimmte deutsche Verkehrsschilder nicht.
Regeln und Verkehrssituationen, die für uns vollkommen selbstverständlich sind, können für einen jungen Menschen aus einem anderen Land neu sein.
Rechts vor links, Fahrradwege, Kreisverkehre, Straßenbahnen, Autobahnen, dichter Berufsverkehr oder komplizierte Innenstädte – all das muss zunächst kennengelernt werden.
Dazu kommt ein fremdes Auto.
Und dann sollen möglicherweise noch zwei Kinder auf der Rückbank sitzen.
Das ist viel Verantwortung.
Deshalb gilt beim Autofahren derselbe Grundsatz wie bei der gesamten Einarbeitung eines Au-pairs:
Erst zeigen und üben – dann Verantwortung übertragen.
Die ersten Probefahrten immer ohne Kinder
Nach der Ankunft empfehlen wir zunächst einige Probefahrten mit dem Au-pair – ohne Kinder.
Lassen Sie das Au-pair erst einmal das Familienauto kennenlernen.
Ist es Automatik oder Schaltung?
Wie groß ist das Fahrzeug?
Wo befinden sich Licht, Scheibenwischer und Warnblinkanlage?
Wie funktioniert die Rückfahrkamera?
Wie verhält sich das Auto beim Einparken?
Danach können Sie gemeinsam kurze Strecken fahren.
Zum Supermarkt.
Zur Schule.
Zum Kindergarten.
Zum Sportverein.
Zur Therapie.
Dabei sehen Sie gleichzeitig, wie sicher das Au-pair tatsächlich fährt.
Die wichtigen Strecken gemeinsam üben
Wenn Ihr Au-pair später regelmäßig ein Kind von der Schule abholen soll, fahren Sie genau diese Strecke mehrfach gemeinsam.
Zeigen Sie, wo das Kind wartet.
Wo darf geparkt werden?
Wo darf nicht gehalten werden?
Welcher Schuleingang ist der richtige?
Gibt es eine unübersichtliche Kreuzung?
Wie sieht die Verkehrssituation morgens oder am Nachmittag aus?
Dasselbe gilt für Kindergarten, Therapie oder Verein.
Was für Sie nach Jahren Routine ist, muss das Au-pair erst lernen.
Erst wenn alle sicher sind, fahren die Kinder mit
Es gibt keinen Grund, die Kinder bereits bei der ersten oder zweiten Fahrt auf die Rückbank zu setzen.
Beobachten Sie zunächst:
Fährt das Au-pair ruhig und vorausschauend?
Kennt es die Verkehrsregeln?
Kann es das Fahrzeug sicher bedienen?
Wie reagiert es bei dichterem Verkehr?
Kann es sicher einparken?
Und ganz wichtig: Fühlt sich das Au-pair selbst sicher?
Ein Au-pair sollte niemals das Gefühl bekommen, fahren zu müssen, obwohl es sich die Strecke oder Verkehrssituation noch nicht zutraut.
Erst wenn Gastfamilie und Au-pair ein gutes Gefühl haben, sollten die Kinder mitfahren.
Kindersitze und Sicherheit genau erklären
Bevor das Au-pair Kinder fährt, muss auch die richtige Sicherung der Kinder besprochen und gezeigt werden.
Welches Kind sitzt wo?
Welcher Kindersitz gehört zu welchem Kind?
Wie wird das Kind richtig angeschnallt?
Wie wird der Kindersitz korrekt verwendet?
Gerade bei einem Kind mit Behinderung können zusätzliche Besonderheiten bestehen.
Vielleicht benötigt das Kind einen speziellen Sitz oder mehr Unterstützung beim Ein- und Aussteigen.
Auch das gehört zur Einarbeitung.
Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Au-pair automatisch weiß, wie der Kindersitz Ihres Kindes funktioniert.
Zeigen Sie es. Lassen Sie es selbst ausprobieren. Kontrollieren Sie es am Anfang gemeinsam.
Au-pair und Kind mit Behinderung: Fahrdienste können viel Teilhabe ermöglichen
Für Familien mit einem Kind mit Behinderung können Fahrdienste besonders wertvoll sein.
Logopädie, Ergotherapie, Reittherapie, Musikschule, Kinderturnen, Sportverein oder andere Freizeitangebote liegen möglicherweise an ganz unterschiedlichen Orten.
Wenn das Au-pair sicher Auto fährt, kann es einzelne dieser Wege übernehmen.
Vielleicht bringt es das Kind zur Reittherapie und begleitet es dort.
Vielleicht fährt es zum Kinderturnen und bleibt als Freizeitassistenz dabei.
Oder es holt das Kind nach einem Freizeitangebot wieder ab.
Damit kann ein Au-pair nicht nur die Eltern entlasten, sondern dem Kind möglicherweise auch mehr Freizeit und Teilhabe ermöglichen.
Aber: Das Au-pair muss gar nicht fahren
Dieser Punkt wird manchmal vergessen.
Ein Au-pair mit wenig Fahrpraxis ist nicht automatisch weniger hilfreich für eine Familie.
Und Sie müssen Ihr Au-pair auch nicht unbedingt zum sicheren Fahrer im deutschen Stadtverkehr machen, wenn Sie sich damit nicht wohlfühlen.
Vielleicht stellen Sie nach einigen Probefahrten fest:
„Ich fahre meine Kinder lieber weiterhin selbst.“
Das ist vollkommen in Ordnung.
Denn Entlastung bedeutet nicht zwangsläufig:
Das Au-pair muss genau die Aufgabe übernehmen, die vorher Mama oder Papa gemacht hat.
Manchmal ist eine andere Aufteilung sogar viel angenehmer.
Sie fahren – das Au-pair hält Ihnen zu Hause den Rücken frei
Stellen wir uns einen typischen Nachmittag vor.
Ihr Kind mit Behinderung hat Reittherapie.
Früher bedeutete das vielleicht:
Alle Kinder einpacken, gemeinsam losfahren, Geschwister während des Termins beschäftigen, anschließend mit allen wieder nach Hause fahren – und dort wartet der restliche Familienalltag.
Mit einem Au-pair kann die Situation ganz anders aussehen.
Mama fährt mit dem Kind zur Reittherapie.
Das Au-pair bleibt zu Hause und betreut die Geschwister.
Oder Papa fährt ein Kind zum Fußballtraining und das Au-pair gestaltet währenddessen mit den anderen Kindern den Nachmittag.
Plötzlich muss nicht mehr die ganze Familie zu jedem Termin mit.
Auch das ist eine enorme Entlastung.
Währenddessen kann zu Hause schon vieles passieren
Je nach vereinbartem Wochenplan kann das Au-pair während Ihrer Abwesenheit nicht nur die Geschwister betreuen, sondern auch leichte Aufgaben im Familienalltag übernehmen.
Vielleicht wird gemeinsam das Kinderzimmer aufgeräumt.
Die Kinderwäsche wird aus dem Trockner genommen, zusammengelegt und in die Schränke geräumt.
Die Spülmaschine wird ausgeräumt.
Der Tisch für das Abendessen wird gedeckt.
Für eine einfache Mahlzeit werden schon Kartoffeln oder Karotten vorbereitet.
Oder die Kinder haben bereits gegessen, waren im Bad und sitzen im Schlafanzug im Kinderzimmer, wenn Sie wiederkommen.
Und dann kommen Sie von der Therapie nach Hause und denken:
Wie schön – wir müssen jetzt nicht noch bei null anfangen.
Genau das ist ebenfalls Au-pair-Unterstützung.
Kleine Aufgabenlisten können gerade am Anfang helfen
Damit das funktioniert, sollte das Au-pair natürlich wissen, was während dieser Zeit erwartet wird.
Gerade während der Einarbeitung kann eine kleine Aufgabenliste hilfreich sein.
Nicht:
„Mach einfach ein bisschen was, solange ich weg bin.“
Sondern konkret:
„Ich bin mit Emma ungefähr zwei Stunden bei der Therapie. Bitte spiel zunächst mit Paul. Danach könnt ihr gemeinsam sein Zimmer aufräumen. Anschließend kannst du die Kinderwäsche aus dem Trockner zusammenlegen und bitte noch den Tisch fürs Abendessen decken.“
Das gibt dem Au-pair Orientierung.
Natürlich müssen alle Aufgaben im Rahmen der normalen Kinderbetreuung und der leichten Haushaltsaufgaben eines Au-pairs bleiben.
Manchmal ist Aufteilen besser als Ersetzen
Dieser Gedanke ist gerade für Familien mit mehreren Kindern wichtig.
Das Au-pair muss nicht Mama oder Papa ersetzen.
Es ist eine zusätzliche Person im Familienalltag.
Vielleicht möchten Sie Ihr Kind mit Behinderung sogar ganz bewusst selbst zur Therapie begleiten.
Vielleicht genießen Sie die gemeinsame Autofahrt und möchten mit der Therapeutin sprechen.
Dann soll das Au-pair Ihnen diese Aufgabe gar nicht abnehmen.
Es kann stattdessen dafür sorgen, dass Sie diesen Termin mit Ihrem Kind wahrnehmen können, ohne gleichzeitig drei andere Dinge organisieren zu müssen.
Mama fährt zur Therapie.
Das Au-pair betreut die Geschwister.
Papa fährt zum Fußball.
Das Au-pair bereitet mit dem jüngeren Kind das Abendessen vor.
Mama holt ein Kind von der Musikschule.
Das Au-pair begleitet währenddessen zu Hause die Hausaufgaben.
Entlastung kann auf ganz unterschiedliche Weise entstehen.
Die Kfz-Versicherung unbedingt vorher prüfen
Soll das Au-pair das Familienauto fahren, muss vor der ersten Fahrt außerdem die Kfz-Versicherung geklärt werden.
Gastfamilien sollten prüfen, ob das Au-pair als Fahrer versichert ist beziehungsweise in den Fahrerkreis aufgenommen werden muss.
Gerade bei jungen Fahrern können besondere Bedingungen oder zusätzliche Kosten entstehen.
Verlassen Sie sich deshalb nicht darauf:
„Das Auto ist versichert, also darf automatisch jeder damit fahren.“
Klären Sie die konkrete Situation direkt mit Ihrer Versicherung.
Darf das Au-pair das Auto auch privat nutzen?
Ob das Au-pair das Familienauto in seiner Freizeit benutzen darf, entscheidet die Gastfamilie.
Ein automatischer Anspruch auf private Nutzung besteht nicht.
Manche Familien erlauben private Fahrten, wenn sie das Auto selbst nicht benötigen.
Andere stellen das Fahrzeug ausschließlich für vereinbarte Fahrten mit den Kindern zur Verfügung.
Beides kann funktionieren.
Wichtig sind klare Regeln.
Wenn private Fahrten erlaubt sind, sollte beispielsweise besprochen werden, wer den Kraftstoff bezahlt, ob längere Strecken erlaubt sind, ob Freunde mitfahren dürfen, wo das Fahrzeug abgestellt wird und wie mit Strafzetteln umgegangen wird.
Je klarer diese Dinge vorher geregelt sind, desto weniger Missverständnisse entstehen später.
Handy und Navigation: Sicherheit geht vor
Auch die Handynutzung sollte angesprochen werden.
Natürlich kann das Au-pair sein Smartphone zur Navigation verwenden.
Die Route sollte jedoch vor Fahrtbeginn eingestellt und das Telefon sicher befestigt werden.
Nachrichten lesen, Sprachnachrichten beantworten oder das Handy während der Fahrt in der Hand halten, ist keine Option – insbesondere nicht, wenn die Kinder im Auto sitzen.
Fahrdienste und alternative Aufgaben sind Arbeitszeit
Fährt das Au-pair im Rahmen seiner Aufgaben ein Kind zur Schule, Therapie oder zum Verein, gehört diese Zeit zur Arbeitszeit des Au-pairs.
Das Gleiche gilt natürlich, wenn es währenddessen zu Hause die Geschwister betreut, Kinderwäsche zusammenlegt oder andere vereinbarte Au-pair-Aufgaben übernimmt.
Auch hier gelten die allgemeinen Grenzen von maximal sechs Stunden täglich und 30 Stunden wöchentlich.
Ein Au-pair mit Führerschein ist praktisch – aber kein Muss
Ein sicher fahrendes Au-pair kann für eine Familie eine großartige Entlastung sein.
Aber ein Au-pair muss nicht zwingend die Kinder fahren, um im Familienalltag enorm hilfreich zu sein.
Manchmal lautet die beste Lösung:
Sie fahren weiterhin selbst – und Ihr Au-pair sorgt dafür, dass währenddessen zu Hause alles weiterläuft.
Die Geschwister sind betreut.
Die Kinderwäsche ist zusammengelegt.
Der Tisch ist gedeckt.
Das Abendessen ist vorbereitet.
Die Hausaufgaben sind erledigt.
Und wenn Sie nach Hause kommen, wartet nicht noch der komplette Familienalltag auf Sie.
Genau deshalb lohnt es sich, nicht nur zu fragen:
„Kann mein Au-pair meine Kinder fahren?“
Sondern auch:
„Wie können wir uns als Familie mit unserem Au-pair so aufteilen, dass unser Alltag insgesamt leichter wird?“
Denn manchmal ist die größte Entlastung nicht, eine Aufgabe vollständig abzugeben.
Manchmal ist es einfach die zusätzliche Person, die währenddessen an einer anderen Stelle übernimmt.
Hinweis: Bei ausländischen Fahrerlaubnissen gelten je nach Ausstellungsstaat unterschiedliche Regelungen. Die konkrete Gültigkeit sollte vor dem Fahren in Deutschland mit der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde geklärt werden. Gastfamilien von Besondere Sterne erhalten hierzu von uns weiterführende Informationen.

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


