Darf ein Au-pair mit meinem Kind alleine bleiben?

Au-pair liest auf dem Sofa im warmen Tageslicht einem Kind vor, das mit dem Rücken zur Kamera auf ihrem Schoß sitzt.

Eine der größten Fragen vieler Gasteltern lautet irgendwann:

Kann ich mein Au-pair wirklich mit meinen Kindern alleine lassen?

Vielleicht möchten Sie einfach einmal in Ruhe einkaufen. Eine Stunde spazieren gehen. Gemeinsam essen gehen. Ins Kino fahren. Oder einen Nachmittag etwas mit einem Geschwisterkind unternehmen.

Natürlich ist genau das langfristig auch ein Teil der Entlastung durch ein Au-pair.

Ein Au-pair darf Kinder im Rahmen der vereinbarten Kinderbetreuung auch selbstständig betreuen und mit ihnen alleine bleiben.

Die viel wichtigere Frage lautet deshalb nicht: Darf es das?

Sondern:

Nach einer Woche muss noch niemand so weit sein

Ein neues Au-pair zieht in eine ihm völlig unbekannte Familie.

Es kennt die Kinder erst seit wenigen Tagen, muss ihre Sprache und Signale kennenlernen und weiß noch nicht, wie der Familienalltag funktioniert.

Gleichzeitig müssen auch die Kinder erst Vertrauen zu diesem neuen Menschen entwickeln.

Deshalb ist es vollkommen nachvollziehbar, wenn Eltern in den ersten Tagen noch nicht sagen:

„Hier sind meine zwei Kinder. Wir sind dann mal für vier Stunden weg.“

Die Eingewöhnungs- und Einarbeitungszeit eines Au-pairs kann mehrere Wochen und durchaus bis zu drei Monate dauern.

Diese Zeit sollte nicht als lästige Übergangsphase betrachtet werden.

Sie schafft die Grundlage dafür, dass Eltern später tatsächlich loslassen können.

Erst zuschauen, dann mitmachen, dann alleine übernehmen

Wir empfehlen bei Besondere Sterne, Verantwortung schrittweise zu übertragen.

Am Anfang schaut das Au-pair viel zu.

Wie spielen die Eltern mit den Kindern? Wie läuft das Abendessen? Wie funktioniert das Wickeln oder Anziehen eines kleinen Kindes? Wie wird ein Kind beruhigt? Was passiert, wenn Geschwister streiten?

Danach macht das Au-pair aktiv mit.

Anschließend übernimmt es einzelne Situationen selbstständig, während Mama oder Papa noch in der Nähe sind.

Und erst danach werden daraus längere Betreuungssituationen ohne Eltern.

Ein guter Grundsatz lautet:

Vormachen – gemeinsam machen – beobachten – Verantwortung übertragen.

Mit kleinen Zeitfenstern anfangen

Der erste Versuch muss nicht gleich ein kompletter Nachmittag sein.

Beginnen Sie klein.

Vielleicht spielt das Au-pair mit den Kindern im Kinderzimmer, während Sie eine Etage weiter arbeiten.

Später gehen Sie für 15 Minuten zum Nachbarn.

Beim nächsten Mal holen Sie allein etwas beim Bäcker.

Oder Sie fahren für eine halbe Stunde einkaufen.

So erleben beide Seiten:

Es funktioniert.

Und aus einer halben Stunde werden irgendwann zwei oder drei Stunden.

Manchmal hilft ein Zwischenschritt

Gerade wenn Eltern grundsätzlich Vertrauen haben, aber emotional noch nicht bereit sind, weit wegzufahren, können kleine Übergangslösungen helfen.

Vielleicht gehen Sie gemeinsam in ein Einkaufszentrum. Das Au-pair verbringt mit dem Kind Zeit in einem Spielbereich, während Sie in Ruhe einkaufen und anschließend wiederkommen.

Oder beim ersten längeren Babysitting ist die Oma mit im Haus.

Sie muss die Betreuung gar nicht übernehmen. Das Au-pair macht Abendessen, begleitet die Abendroutine und bringt die Kinder ins Bett.

Aber für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes passiert, ist noch eine vertraute Person erreichbar.

Beim nächsten Mal braucht es diesen Zwischenschritt vielleicht schon nicht mehr.

Es gibt hierfür keinen Wettbewerb.

Jede Familie darf Verantwortung in dem Tempo übertragen, das zu ihr und ihren Kindern passt.

Wann kann ich meinem Au-pair mein Kind alleine anvertrauen?

Eine starre Anzahl an Tagen oder Wochen gibt es dafür nicht.

Stattdessen können Eltern sich einige praktische Fragen stellen:

Kennt das Au-pair die täglichen Routinen meines Kindes?

Kann es mein Kind beruhigen?

Weiß es, wie es in typischen schwierigen Situationen reagieren soll?

Kennt es unsere Familienregeln?

Kann es mich jederzeit erreichen?

Kennt es wichtige Telefonnummern und unseren Notfallplan?

Fühlt sich mein Kind mit dem Au-pair wohl?

Und vor allem:

Habe ich das Gefühl, dass mein Au-pair Verantwortung übernimmt und in unerwarteten Situationen vernünftig reagieren kann?

Wenn diese Sicherheit zunehmend entsteht, kann auch die selbstständige Betreuung wachsen.

Was ist bei Babys und kleinen Kindern wichtig?

Je jünger ein Kind ist, desto genauer sollte die Einarbeitung sein.

Das Au-pair muss die individuellen Abläufe kennen:

Wann schläft das Kind? Was isst und trinkt es? Wie wird es beruhigt? Wie funktioniert die Abendroutine? Was darf es essen? Welche Sicherheitsregeln gelten?

Eltern sollten diese Dinge nicht nur erklären, sondern zunächst gemeinsam mit dem Au-pair durchführen.

Gerade bei Babys und Kleinkindern ist außerdem wichtig, dass das Au-pair weiß, was es tun soll, wenn etwas nicht nach Plan läuft und wie die Eltern erreichbar sind.

Und bei einem Kind mit Behinderung?

Bei einem Kind mit Behinderung gilt grundsätzlich derselbe Gedanke:

Auch dieses Kind kann von einem Au-pair betreut werden und eine eigenständige Beziehung zu ihm entwickeln.

Wie schnell eine Betreuung ohne Eltern möglich ist, hängt allerdings stark vom individuellen Unterstützungsbedarf ab.

Vielleicht kommuniziert das Kind anders.

Vielleicht benötigt es einen Talker oder unterstützende Gebärden.

Vielleicht gibt es bestimmte Verhaltensweisen, Ängste oder Situationen, in denen das Kind schnell überfordert ist.

Vielleicht kann es Gefahren nicht altersentsprechend einschätzen.

All diese Besonderheiten muss das Au-pair zunächst kennenlernen.

Das Au-pair muss das Kind lesen lernen

Eltern kennen ihr Kind häufig so gut, dass sie kleinste Signale wahrnehmen.

Sie hören an einem bestimmten Tonfall, dass gleich etwas kippt.

Sie wissen, dass eine bestimmte Bewegung „Ich brauche eine Pause“ bedeutet.

Sie erkennen, wann ihr Kind Hunger hat, obwohl es das nicht sagen kann.

Ein Au-pair weiß das am ersten Tag nicht.

Dieses Wissen müssen Eltern weitergeben.

Gerade deshalb ist bei einem Kind mit Behinderung eine sorgfältige Einarbeitung so wertvoll.

Mit der Zeit lernt auch das Au-pair:

Was möchte dieses Kind mir gerade sagen? Was braucht es? Und wie kann ich ihm Sicherheit geben?

Medizinische und pflegerische Grenzen bleiben bestehen

Alleinbetreuung bedeutet allerdings nicht, dass aus dem Au-pair plötzlich eine Pflege- oder medizinische Fachkraft wird.

Benötigt ein Kind während einer Betreuung zwingend medizinische oder pflegerische Fachmaßnahmen, muss die Familie sicherstellen, dass die notwendige Versorgung entsprechend gewährleistet ist.

Deshalb muss bei einem Kind mit komplexem Unterstützungsbedarf individuell geprüft werden, welche Betreuungssituationen ein Au-pair tatsächlich selbstständig übernehmen kann.

Beim ersten Mal erreichbar und vielleicht in der Nähe bleiben

Wenn Sie Ihr Au-pair zum ersten Mal alleine mit den Kindern lassen, müssen Sie nicht gleich zwei Stunden entfernt sein.

Fangen Sie ruhig in der Nähe an.

Gehen Sie spazieren. Fahren Sie zum Supermarkt. Trinken Sie einen Kaffee um die Ecke.

Und sorgen Sie dafür, dass das Au-pair Sie telefonisch jederzeit erreichen kann.

Das gibt nicht nur Ihnen Sicherheit.

Auch das Au-pair weiß:

Wenn ich unsicher bin, kann ich anrufen.

Mit jeder gelungenen Betreuungssituation wächst das Vertrauen auf beiden Seiten.

Auch die Kinder müssen bereit sein

Nicht nur Eltern und Au-pair entscheiden über das Tempo.

Auch das Kind spielt eine entscheidende Rolle.

Wenn ein Kind nach wenigen Tagen ausschließlich Mama akzeptiert, sich vom Au-pair nicht beruhigen lässt und panisch wird, sobald die Eltern den Raum verlassen, sollte man nicht versuchen, Vertrauen durch Druck zu erzwingen.

Beziehung braucht Zeit.

Vielleicht bleiben die Eltern zunächst dabei.

Vielleicht übernimmt das Au-pair erst die Geschwister.

Vielleicht spielen alle gemeinsam.

Und irgendwann geht Mama aus dem Raum – und niemand bemerkt es mehr.

Genau das ist häufig der Moment, auf den man hinarbeitet.

Vertrauen entsteht nicht durch einen Sprung, sondern durch viele kleine Schritte

Das langfristige Ziel sollte sein, dass das Au-pair bekannte Betreuungssituationen selbstständig übernehmen kann.

Denn natürlich soll eine Gastfamilie irgendwann sagen können:

„Wir gehen heute Abend essen. Die Kinder bleiben bei unserem Au-pair.“

Oder:

„Ich fahre jetzt in Ruhe einkaufen. Ihr geht solange auf den Spielplatz.“

Diese Freiheit ist ein wichtiger Teil der Entlastung, die ein Au-pair im Familienalltag schaffen kann.

Aber sie entsteht nicht dadurch, dass man einem jungen Menschen nach sieben Tagen einfach zwei Kinder übergibt.

Sie entsteht durch Einarbeitung, Wiederholung, Beziehung und Vertrauen.

Eltern entscheiden, wann sie Verantwortung übergeben

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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