Notfallplan fürs Au-pair: Diese Informationen gehören an den Kühlschrank

Was passiert, wenn ein Kind stürzt, plötzlich hohes Fieber bekommt oder das Au-pair die Eltern dringend erreichen muss?
Was passiert, wenn ein Kind stürzt, plötzlich hohes Fieber bekommt oder das Au-pair die Eltern dringend erreichen muss?
Und was muss ein Au-pair wissen, wenn ein Kind beispielsweise Epilepsie, eine schwere Allergie oder eine andere Besonderheit hat, bei der im Ernstfall schnell und richtig reagiert werden muss?
Solche Situationen möchte niemand erleben. Trotzdem sollten Gastfamilien ihr Au-pair darauf vorbereiten.
Die wichtigste Regel dabei lautet: Ein Au-pair muss im Notfall nicht alles auswendig wissen. Es muss wissen, was zu tun ist und wo es die notwendigen Informationen findet.
Deshalb empfehlen wir einen einfachen Notfallplan an einem festen, für alle zugänglichen Ort – beispielsweise an der Innenseite einer Küchenschranktür oder am Kühlschrank.
Die eigene Adresse gehört ganz nach oben
Klingt selbstverständlich, ist es für einen jungen Menschen, der gerade erst in Deutschland angekommen ist, aber nicht.
Wie lautet die vollständige Adresse der Gastfamilie? Wie heißt der Ortsteil? In welchem Stockwerk befindet sich die Wohnung?
Im Notfall muss das Au-pair diese Informationen schnell weitergeben können.
Schreiben Sie deshalb die vollständige Anschrift der Familie gut sichtbar auf den Notfallplan.
Die wichtigsten Telefonnummern auf einen Blick
Auf den Notfallplan gehören außerdem alle Personen, die im Ernstfall erreichbar sein sollten.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Telefonnummer von Mutter und Vater
- eine weitere vertraute Bezugsperson
- Großeltern oder andere Angehörige in der Nähe
- ein vertrauter Nachbar
- Kinderarzt oder behandelnde Praxis
- gegebenenfalls weitere wichtige Ansprechpartner
Natürlich gehören auch die relevanten Notrufnummern auf den Plan.
Besprechen Sie mit Ihrem Au-pair außerdem, wen es in welcher Situation zuerst kontaktieren soll.
Das Handy gemeinsam einrichten
Eine Liste am Kühlschrank hilft wenig, wenn das Au-pair unterwegs mit den Kindern ist.
Richten Sie deshalb in den ersten Tagen gemeinsam das Handy ein. Klären Sie SIM-Karte und Erreichbarkeit und speichern Sie die wichtigsten Telefonnummern direkt in den Kontakten.
Benennen Sie diese möglichst eindeutig – beispielsweise „Gastmutter – Notfall“, „Gastvater“, „Nachbar Familie Müller“ oder „Kinderarzt“.
Prüfen Sie anschließend einmal gemeinsam, ob das Au-pair tatsächlich telefonieren und die gespeicherten Kontakte finden kann.
Wichtige Informationen zu jedem Kind
Gibt es Allergien, Unverträglichkeiten oder gesundheitliche Besonderheiten, die in einer akuten Situation relevant sein könnten?
Dann gehören diese Informationen ebenfalls auf den Notfallplan.
Gerade bei Kindern mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen kann zusätzlich ein individueller Notfallplan bzw. ein ärztlich abgestimmtes Notfallprotokoll wichtig sein.
Hat ein Kind beispielsweise Epilepsie, sollte das Au-pair nicht erst während eines Anfalls erfahren, wie es reagieren soll.
Besprechen Sie vorher in Ruhe:
Was kann passieren? Woran erkennt das Au-pair die Situation? Was soll es unmittelbar tun? Wann müssen die Eltern verständigt werden? Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
Besteht bereits ein ärztlicher Notfallplan für Ihr Kind, sollte dieser gut zugänglich aufbewahrt und mit dem Au-pair besprochen werden.
Nicht nur auf Deutsch
Gerade zu Beginn des Au-pair-Jahres reichen die Deutschkenntnisse möglicherweise noch nicht aus, um unter Stress komplizierte Anweisungen sicher zu verstehen.
Wichtige Notfallinformationen sollten deshalb einfach, eindeutig und möglichst auf Deutsch und Englisch festgehalten werden.
Das gilt insbesondere für individuelle Anweisungen zum Kind.
Im Ernstfall ist nicht der Moment für komplizierte Formulierungen.
Nicht nur aufschreiben – gemeinsam durchgehen
Der beste Notfallplan bringt wenig, wenn das Au-pair ihn noch nie gesehen hat.
Gehen Sie deshalb die wichtigsten Situationen gemeinsam durch.
Zeigen Sie, wo sich der Notfallplan befindet. Wo liegt das Fieberthermometer? Wo befindet sich die Hausapotheke? Gibt es wichtige medizinische Unterlagen? Welcher Nachbar kann helfen? Wie lautet die Adresse?
Lassen Sie sich anschließend ruhig vom Au-pair erklären, was es verstanden hat.
So merken Sie schnell, ob irgendwo noch Unsicherheiten bestehen.
Sicherheit entsteht durch Vorbereitung
Niemand möchte ein Au-pair mit einer langen Liste möglicher Notfälle verunsichern.
Das Gegenteil sollte das Ziel sein.
Ein klarer Notfallplan gibt Sicherheit: Ich muss nicht alles wissen. Aber ich weiß, was ich tun soll, wo ich die Informationen finde und wen ich erreichen kann.
Gerade in den ersten Wochen, wenn Sprache, Umgebung und Familienalltag noch neu sind, kann diese Orientierung enorm wichtig sein.
Und wahrscheinlich hängt der Notfallplan anschließend ein ganzes Au-pair-Jahr unbenutzt am Kühlschrank.
Genau das wäre schließlich der schönste Fall.

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


