Morgens mit Au-pair: So kann die Unterstützung vor Schule und Kindergarten aussehen

Wecken, Frühstück, Anziehen, Brotdosen, Wege zu Schule und Kindergarten: Ein Au-pair kann morgens viele kleine Aufgaben übernehmen, die sonst gleichzeitig anfallen. Abläufe müssen gezeigt werden, die Stunden gehören in den Wochenplan.
Der Wecker klingelt. Ein Kind möchte nicht aufstehen. Das andere findet seine Sportsachen nicht. Die Brotdosen sind noch leer, jemand muss ins Bad und eigentlich müssten alle längst Schuhe anhaben.
Der Morgen gehört in vielen Familien zu den anstrengendsten Zeiten des Tages.
Gerade wenn mehrere Kinder gleichzeitig für Schule, Kindergarten oder Kita fertig gemacht werden müssen, entsteht innerhalb von ein oder zwei Stunden enorm viel Organisation.
Und genau hier kann ein Au-pair eine wertvolle Unterstützung sein.
Denn plötzlich gibt es am Morgen eine weitere Person, die mit anpacken kann.
Wie kann ein Au-pair morgens helfen?
Welche Aufgaben das Au-pair übernimmt, hängt vom Alter und Unterstützungsbedarf der Kinder und natürlich vom individuellen Familienalltag ab.
Ein Au-pair kann morgens beispielsweise dabei helfen,
- die Kinder zu wecken und beim Aufstehen zu begleiten,
- Frühstück vorzubereiten,
- gemeinsam mit den Kindern zu frühstücken,
- beim Anziehen zu unterstützen,
- die Morgenroutine im Badezimmer zu begleiten,
- ans Zähneputzen zu erinnern oder dabei zu helfen,
- Brotdosen und Trinkflaschen vorzubereiten,
- Schulranzen und Kindergartentaschen fertig zu machen,
- an Sportbeutel oder andere benötigte Sachen zu denken,
- Jacken und Schuhe anzuziehen,
- ein Kind zur Schule, Kita oder zum Kindergarten zu begleiten oder
- ein Kind zur Bushaltestelle zu bringen.
Das klingt nach vielen kleinen Aufgaben.
Und genau das ist es auch.
Aber gerade diese vielen kleinen Aufgaben sind es, die morgens gleichzeitig erledigt werden müssen.
Eine zusätzliche Hand verändert den ganzen Morgen
Oft braucht eine Familie morgens gar keine zusätzliche Betreuung für viele Stunden.
Manchmal machen bereits 60 oder 90 Minuten Unterstützung einen großen Unterschied.
Während Mama mit einem Kind im Badezimmer ist, bereitet das Au-pair beispielsweise das Frühstück vor.
Während Papa dem jüngsten Kind beim Anziehen hilft, packt das Au-pair gemeinsam mit dem Schulkind die letzten Sachen ein.
Und während ein Elternteil bereits zur Arbeit fährt, bringt das Au-pair ein Kind zum Kindergarten.
Aus einem Elternteil, das versucht, gleichzeitig an fünf Orten zu sein, wird plötzlich ein kleines Team.
Mehrere Kinder? Morgens einfach aufteilen
Besonders praktisch kann ein Au-pair für Familien mit mehreren Kindern sein.
Vielleicht beginnt die Schule um 8 Uhr, der Kindergarten öffnet aber erst später. Oder zwei Kinder müssen gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen gebracht werden.
Dann kann die Familie die Wege aufteilen.
Mama bringt beispielsweise das Schulkind zur Schule, während das Au-pair mit dem jüngeren Geschwisterkind zum Kindergarten geht.
Oder Papa fährt bereits zur Arbeit und das Au-pair begleitet das Schulkind zur Bushaltestelle.
Welche Aufteilung sinnvoll ist, entscheidet jede Familie selbst.
Das Au-pair muss dabei nicht morgens „alles übernehmen“.
Es soll dort unterstützen, wo eine zusätzliche Hand den größten Unterschied macht.
Morgendliche Unterstützung bei einem Kind mit Behinderung
Gerade bei einem Kind mit Behinderung oder besonderem Unterstützungsbedarf kann der Morgen deutlich mehr Zeit benötigen.
Vielleicht braucht ein Kind länger beim Anziehen.
Vielleicht müssen einzelne Schritte immer in derselben Reihenfolge erfolgen.
Vielleicht benötigt es Unterstützung bei der Kommunikation oder muss mehrfach an den nächsten Schritt erinnert werden.
Vielleicht führen Zeitdruck und Veränderungen schnell zu Überforderung.
Dann kann es enorm entlastend sein, wenn nicht ein Elternteil gleichzeitig dieses Kind unterstützen, Frühstück machen, Geschwister antreiben und drei Taschen kontrollieren muss.
Stattdessen können sich Mama, Papa und Au-pair – je nachdem, wer morgens da ist – aufteilen.
Manchmal betreut das Au-pair gerade die Geschwister
Die Entlastung muss dabei nicht immer bedeuten, dass das Au-pair das Kind mit Behinderung übernimmt.
Vielleicht funktioniert es für die Familie viel besser andersherum.
Mama begleitet in Ruhe das Kind mit Behinderung durch seine Morgenroutine.
Währenddessen frühstückt das Au-pair mit den Geschwistern, hilft beim Anziehen und bringt anschließend ein Geschwisterkind zum Kindergarten.
Das kann für alle Beteiligten entspannter sein.
Denn Unterstützung bedeutet nicht immer, die schwierigste Aufgabe abzugeben. Manchmal entsteht die größte Entlastung dadurch, dass jemand all die anderen Dinge übernimmt, die gleichzeitig passieren.
Morgendliche Routinen müssen zunächst gezeigt werden
Für Eltern ist der eigene Morgenablauf vollkommen selbstverständlich.
Für ein neues Au-pair nicht.
„Mach die Kinder bitte für die Schule fertig“ ist deshalb gerade am Anfang viel zu allgemein.
Zeigen Sie Ihrem Au-pair zunächst Schritt für Schritt, wie Ihr Morgen funktioniert.
Wann stehen die Kinder auf? Was frühstücken sie? Was kommt in die Brotdose? Welches Kind braucht wobei Hilfe? Wo stehen die Schultaschen? Wann muss wer das Haus verlassen? Was muss dienstags zusätzlich mit?
Begleiten Sie die ersten Morgen gemeinsam und übertragen Sie anschließend Schritt für Schritt einzelne Aufgaben.
Aus „Schau heute erst einmal zu“ wird irgendwann ganz selbstverständlich:
„Die Brotdosen und der Weg zum Kindergarten sind morgens dein Bereich.“
Auch bei der Brotdose gilt: Niemand kann Ihren Familienalltag erraten
Gerade vermeintlich selbstverständliche Kleinigkeiten führen sonst schnell zu Missverständnissen.
Eine Gastfamilie denkt:
„Sie weiß doch, wie man eine Brotdose macht.“
Aber weiß das Au-pair auch, was Ihr Kind mitnimmt?
Welches Brot es isst? Ob Obst geschnitten werden muss? Was nicht mit in die Schule darf? Welche Trinkflasche zu welchem Kind gehört?
Nein – bis Sie es gezeigt haben.
Machen Sie es anfangs gemeinsam.
Nach einigen Tagen kann das Au-pair die Aufgabe selbstständig übernehmen.
Schulweg und Kindergartenweg gemeinsam üben
Soll das Au-pair die Kinder später selbstständig zu Schule, Kindergarten oder Bushaltestelle bringen, sollte auch dieser Weg zunächst gemeinsam geübt werden.
Das gilt besonders, wenn Bus und Bahn genutzt werden oder das Au-pair erst seit kurzer Zeit in Deutschland lebt.
Fahren oder laufen Sie die Strecke gemeinsam.
Zeigen Sie Haltestellen, Eingänge und Abholorte und erklären Sie, worauf geachtet werden muss.
Auch hier gilt:
Erst zeigen – dann gemeinsam machen – anschließend Verantwortung übergeben.
Wenn Kinder morgens nicht mitmachen wollen
Nicht jedes Kind springt morgens begeistert aus dem Bett und ruft: „Endlich Kindergarten!“
Kinder sind müde, trödeln, diskutieren oder möchten plötzlich ausschließlich von Mama angezogen werden.
Gerade in der ersten Zeit sollten Eltern deshalb nicht erwarten, dass das neue Au-pair sämtliche morgendlichen Widerstände allein löst.
Kinder müssen auch erst lernen:
Unser Au-pair gehört jetzt zu unserem Morgen dazu.
Die Eltern können diese Rolle unterstützen, indem sie ihren Kindern klar vermitteln, welche Aufgaben das Au-pair übernimmt und dass die vereinbarten Familienregeln auch mit dem Au-pair gelten.
Morgenstunden bewusst im Wochenplan eintragen
Die Unterstützung am Morgen gehört selbstverständlich zur Arbeitszeit des Au-pairs.
Arbeitet das Au-pair beispielsweise morgens von 7:00 bis 8:30 Uhr, sind bereits 1,5 Stunden des Tages eingeplant.
Danach kann es frei haben oder beispielsweise seinen Sprachkurs besuchen und erst am Nachmittag wieder unterstützen.
Die Arbeitszeit eines Au-pairs darf innerhalb des Tages passend zum Familienbedarf verteilt werden, solange die geltenden Grenzen von maximal sechs Stunden täglich und 30 Stunden wöchentlich eingehalten werden.
Bei Besondere Sterne erhalten unsere Gastfamilien deshalb Vorlagen für Tages- und Wochenpläne, mit denen sich auch solche geteilten Arbeitszeiten übersichtlich festhalten lassen.
Ein entspannterer Start in den Tag
Ein Au-pair kann den morgendlichen Familienalltag nicht vollkommen stressfrei zaubern.
Kinder bleiben Kinder. Der Turnbeutel wird trotzdem einmal verschwunden sein und irgendeiner möchte genau an diesem Morgen seine Schuhe nicht anziehen.
Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied:
Sie müssen nicht mehr alles gleichzeitig alleine machen.
Eine Person macht Frühstück. Eine hilft beim Anziehen. Eine bringt ein Kind zur Schule. Jemand denkt an die Brotdose.
Und gerade für Familien mit mehreren Kindern oder einem Kind mit besonderem Unterstützungsbedarf kann diese zusätzliche Hand am Morgen unglaublich wertvoll sein.
Manchmal sind es eben nicht sechs Stunden Betreuung, die den größten Unterschied machen.
Manchmal sind es die richtigen 90 Minuten.

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


