Vereinbarkeit von Beruf und Kind mit Behinderung: Wie kann ein Au-pair entlasten?

Aufgeräumter Schreibtisch am Fenster mit Laptop und Tasse, im Hintergrund unscharf ein Wohnzimmer mit Spielzeugkiste.

Arbeiten und gleichzeitig für die Familie da sein – schon mit Kindern ohne besonderen Unterstützungsbedarf ist das manchmal ein tägliches Organisationsprojekt.

Bei einem Kind mit Behinderung kommen häufig weitere Termine, Betreuungszeiten und organisatorische Herausforderungen hinzu.

Die Schule endet um 13 Uhr.

Die HPT gibt es vielleicht nur an bestimmten Tagen.

Um 15 Uhr ist Ergotherapie.

Das Geschwisterkind muss zum Sport.

Und um 16 Uhr steht eigentlich noch eine berufliche Videokonferenz im Kalender.

Viele Eltern stellen sich deshalb irgendwann die Frage:

Wie kann ich Beruf und ein Kind mit Behinderung miteinander vereinbaren, ohne ständig das Gefühl zu haben, an zwei Orten gleichzeitig sein zu müssen?

Eine mögliche Unterstützung, an die viele Familien zunächst gar nicht denken, ist ein Au-pair für ein Kind mit Behinderung.

Warum ist die Vereinbarkeit von Beruf und Kind mit Behinderung oft besonders herausfordernd?

Nicht jede Behinderung bedeutet automatisch einen hohen Betreuungsaufwand.

Aber bei vielen Kindern bleibt die notwendige Begleitung länger bestehen.

Ein zehnjähriges Kind kann vielleicht normalerweise schon eine Stunde alleine zu Hause bleiben.

Das eigene Kind kann das möglicherweise nicht.

Andere Kinder fahren irgendwann alleine mit dem Fahrrad zum Sport.

Das eigene Kind benötigt weiterhin eine Begleitperson.

Andere Eltern sagen:

„Geh schon mal nach Hause, ich komme später.“

Für die eigene Familie ist das vielleicht überhaupt keine Option.

Dadurch entsteht ein Problem, das sich mit zunehmendem Alter des Kindes nicht automatisch löst:

Für viele Stunden des Tages wird weiterhin eine erwachsene Person benötigt.

Und sehr häufig sind Mama und Papa genau diese Personen.

Wenn der Arbeitstag von den Betreuungszeiten bestimmt wird

Viele Eltern organisieren ihre Arbeitszeiten jahrelang um die Betreuung ihres Kindes herum.

Wer kann morgens später anfangen?

Wer kann das Kind abholen?

Wer fährt zur Therapie?

Wer bleibt zu Hause, wenn die Betreuung ausfällt?

Wer bringt das Geschwisterkind zum Sport?

Wer übernimmt die Ferien?

Wer kann heute früher aus dem Meeting?

Und häufig ist es ein Elternteil, der beruflich immer wieder zurücksteckt.

Arbeitszeit wird reduziert.

Termine werden verschoben.

Homeoffice wird zwischen Kinderbetreuung und Therapiefahrten organisiert.

Oder ein beruflicher Wiedereinstieg wird immer wieder nach hinten geschoben.

Genau deshalb bedeutet Entlastung für Familien mit einem Kind mit Behinderung nicht nur Freizeit.

Sie kann auch bedeuten:

wieder verlässlicher arbeiten zu können.

Ein Au-pair kann Betreuungslücken im Familienalltag schließen

Schule, Kindergarten, HPT, Schulbegleitung, Familienentlastender Dienst oder andere Angebote können wichtige Bestandteile des Unterstützungsnetzes einer Familie sein.

Aber häufig bleiben Lücken.

Und genau diese Lücken liegen oftmals zu Zeiten, die für berufstätige Eltern besonders schwierig sind:

morgens vor Schule oder Kindergarten,

nach Schulschluss,

zwischen Schule und Therapie,

am späten Nachmittag,

an einzelnen Betreuungstagen

oder während der Schulferien.

Ein Au-pair lebt als Familienmitglied auf Zeit im Haushalt und kann innerhalb der zulässigen Au-pair-Arbeitszeit genau an solchen Stellen unterstützen.

Morgens arbeiten können, obwohl die Kinder noch nicht aus dem Haus sind

Vielleicht beginnt der erste berufliche Termin um 8 Uhr.

Der Schulbus kommt aber erst um 8:15 Uhr.

Oder ein Kind benötigt morgens besonders viel Unterstützung.

Dann können sich die Erwachsenen aufteilen.

Mama macht Frühstück.

Das Au-pair unterstützt ein Kind beim Fertigmachen.

Papa bringt das Geschwisterkind in den Kindergarten.

Oder ein Elternteil beginnt bereits mit der Arbeit, während das Au-pair eine bekannte Morgenroutine übernimmt.

Gerade diese kleinen Zeitfenster können darüber entscheiden, ob Beruf und Familie mit einem Kind mit Behinderung organisatorisch zusammenpassen.

Die große Betreuungslücke: der Nachmittag

Für viele berufstätige Eltern beginnt das eigentliche Problem nach der Schule.

Das Kind kommt um 14 Uhr nach Hause.

Der Arbeitstag endet aber erst um 17 Uhr.

Kann das Kind aufgrund seiner Behinderung nicht alleine bleiben, müssen diese drei Stunden jeden einzelnen Tag organisiert werden.

Ein gut eingearbeitetes Au-pair kann beispielsweise:

das Kind von Schule oder Betreuung abholen,

gemeinsam nach Hause fahren,

einen Snack oder eine einfache Mahlzeit vorbereiten,

spielen und beschäftigen,

auf den Spielplatz gehen,

den Nachmittag strukturieren

oder zu einer Freizeitaktivität begleiten.

Mama oder Papa können währenddessen ihren Arbeitstag beenden.

Therapietermine und Beruf unter einen Hut bekommen

Ein weiterer großer Punkt sind regelmäßige Therapietermine.

Ergotherapie.

Logopädie.

Physiotherapie.

Frühförderung.

Reittherapie.

Vielleicht zusätzlich SPZ-, Facharzt- oder andere Termine.

Nicht jede Begleitung kann oder soll ein Au-pair übernehmen. Medizinische Entscheidungen und Aufgaben bleiben selbstverständlich bei den dafür verantwortlichen Personen.

Aber bei normalen Therapiewegen und Begleitungen kann ein gut eingearbeitetes Au-pair eine Unterstützung sein.

Vielleicht holt das Au-pair das Kind ab und begleitet es zur Ergotherapie.

Oder Mama möchte selbst bei der Therapie dabei sein – und das Au-pair übernimmt währenddessen die Geschwisterkinder.

Beides kann beruflich Zeit schaffen.

Auch Fahrdienste kosten Arbeitszeit

Gerade in Familien mit mehreren Kindern besteht ein erstaunlich großer Teil des Nachmittags aus:

fahren.

Schule.

Kindergarten.

Therapie.

Fußball.

Reiten.

Musikschule.

Kinderturnen.

Freunde.

Ein Elternteil sitzt teilweise mehrere Stunden pro Woche im Auto.

Hat das Au-pair einen geeigneten Führerschein, ausreichend Fahrpraxis und wurden Versicherung, Fahrzeugnutzung und die notwendigen Voraussetzungen geklärt, können nach einer sorgfältigen Einarbeitung auch Fahrten übernommen werden.

Und wenn Autofahren für das Au-pair nicht infrage kommt?

Dann kann man die Aufgaben einfach umdrehen.

Mama fährt mit einem Kind zur Therapie und das Au-pair bleibt zu Hause, betreut die Geschwister oder übernimmt andere vereinbarte Aufgaben.

Entlastung bedeutet nicht immer, dass das Au-pair genau die Aufgabe übernimmt, die vorher Mama gemacht hat.

Manchmal ist es viel sinnvoller, alles drumherum neu zu verteilen.

Homeoffice ist nicht automatisch Kinderbetreuung

Gerade seit Homeoffice selbstverständlich geworden ist, entsteht schnell der Gedanke:

„Ich bin ja zu Hause. Dann geht das irgendwie.“

Aber eine Videokonferenz und gleichzeitig ein Kind betreuen, das eine kontinuierliche Begleitung benötigt, funktioniert eben nicht immer.

Nur weil ein Elternteil körperlich im Haus ist, bedeutet das nicht, dass er gleichzeitig verfügbar ist.

Auch hier kann ein Au-pair einen Unterschied machen.

Mama arbeitet im Arbeitszimmer.

Das Au-pair ist mit dem Kind im Garten, spielt im Kinderzimmer oder geht auf den Spielplatz.

Mama ist im Notfall erreichbar – aber nicht mehr permanent für jede Kleinigkeit zuständig.

Gerade während der Eingewöhnung kann das sogar ein guter Zwischenschritt sein, bevor dem Au-pair später größere Betreuungszeitfenster alleine übertragen werden.

Berufstätigkeit und Geschwisterkinder mitdenken

Vereinbarkeit betrifft außerdem nie nur das Kind mit Behinderung.

Vielleicht muss Mama um 15 Uhr mit dem Kind zur Therapie.

Das Geschwisterkind kommt um 15:30 Uhr aus der Schule.

Und um 16 Uhr beginnt eigentlich wieder ein beruflicher Termin.

Mit einer weiteren vertrauten Person kann die Familie sich aufteilen.

Das Au-pair holt das Geschwisterkind.

Oder es begleitet das Kind mit Behinderung.

Oder es bleibt mit beiden Kindern zu Hause, während ein Elternteil einen wichtigen Termin beendet.

Plötzlich gibt es nicht mehr für jede Aufgabe nur eine mögliche Person.

30 Stunden können für eine Familie viel verändern

Ein Au-pair kann eine Gastfamilie bis zu 30 Stunden pro Woche und maximal sechs Stunden täglich unterstützen, Babysitting eingeschlossen.

Diese Stunden können – innerhalb der geltenden Rahmenbedingungen und unter Berücksichtigung des Sprachkurses und der Freizeit des Au-pairs – passend zum tatsächlichen Bedarf der Familie geplant werden.

Und 30 Stunden müssen nicht bedeuten:

Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr.

Für eine berufstätige Familie kann eine ganz andere Aufteilung sinnvoll sein.

Zum Beispiel morgens Unterstützung, dann Freizeit beziehungsweise Sprachkurs und anschließend noch einmal ein Betreuungszeitfenster am Nachmittag.

Entscheidend ist ein klarer Wochenplan, damit beide Seiten wissen, wann Arbeitszeit und wann Freizeit ist.

Ein Au-pair ersetzt keine Schulbegleitung, HPT oder Pflegekraft

Gerade bei Familien mit einem Kind mit Behinderung müssen die Rollen klar bleiben.

Ein Au-pair ersetzt keine notwendige Pflegekraft.

Es übernimmt keine medizinischen Tätigkeiten.

Und es ist nicht automatisch Ersatz für eine professionelle Schulbegleitung oder andere bewilligte Fachleistungen.

Aber genau zwischen diesen Leistungen findet jeden Tag unglaublich viel ganz normaler Familienalltag statt.

Und dafür benötigt man nicht immer eine Fachkraft.

Manchmal braucht man schlicht eine weitere vertraute erwachsene Person.

Ein Au-pair ist keine Erzieherin, die am ersten Tag alles übernimmt

Gerade berufstätige Eltern wünschen sich verständlicherweise möglichst schnell Entlastung.

Aber auch hier ist eine realistische Erwartung wichtig.

Ein Au-pair kommt nicht am Sonntag an und übernimmt am Montagmorgen selbstständig den gesamten Familienalltag.

Es muss eingearbeitet werden.

Die Kinder müssen Vertrauen aufbauen.

Das Au-pair muss Routinen kennenlernen.

Bei einem Kind mit Behinderung muss es zusätzlich lernen, wo das Kind Unterstützung benötigt und wie die Familie bestimmte Situationen gestaltet.

Deshalb sollte die Eingewöhnungs- und Einarbeitungszeit von ein bis drei Monaten bei der beruflichen Planung berücksichtigt werden.

Erst investieren – später profitieren

Gerade in den ersten Wochen kann ein Au-pair sogar zunächst zusätzliche Zeit kosten.

Das klingt im ersten Moment widersprüchlich.

Aber:

Sie müssen zeigen.

Erklären.

Gemeinsam fahren.

Abläufe vormachen.

Das Au-pair begleiten.

Dann erste Aufgaben übertragen.

Und anschließend Stück für Stück loslassen.

Eine Aufgabe funktioniert selbstständig?

Perfekt.

Dann kommt die nächste dazu.

So entsteht nach und nach ein Alltag, in dem die Eltern nicht mehr jede einzelne Aufgabe selbst übernehmen müssen.

Ein Au-pair kann auch berufliche Möglichkeiten zurückgeben

Vielleicht ist genau das einer der Aspekte eines Au-pairs, über den zu wenig gesprochen wird.

Entlastung bedeutet nicht nur:

Mama kann einmal zum Friseur.

Papa kann Sport machen.

Die Eltern können essen gehen.

Entlastung kann auch bedeuten:

Ich kann einen beruflichen Termin annehmen, ohne zuerst drei Betreuungspläne zu erstellen.

Ich kann meine Arbeitszeit wieder erhöhen.

Ich kann mich selbstständig machen.

Ich kann einen Weiterbildungskurs besuchen.

Ich kann meinen Arbeitstag tatsächlich beenden, statt ihn nachts nachzuholen.

Oder schlicht:

Ich kann arbeiten und weiß gleichzeitig, dass mein Kind vertraut begleitet wird.

Ein Unterstützungsnetz statt der einen perfekten Lösung

Für viele Familien mit einem Kind mit Behinderung wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wahrscheinlich nicht durch eine einzige Maßnahme gelöst.

Vielleicht besteht das passende Modell aus mehreren Bausteinen:

Schule und Schulbegleitung.

HPT an einigen Nachmittagen.

Therapeuten.

Großeltern.

Familienentlastender Dienst.

Und zusätzlich ein Au-pair im eigenen Zuhause.

Genau darin kann die Stärke liegen.

Denn das Au-pair muss nicht alles ersetzen.

Es kann die Lücken dazwischen schließen.

Beruf und Kind mit Behinderung vereinbaren heißt auch: Verantwortung verteilen dürfen

Eltern eines Kindes mit Behinderung bleiben selbstverständlich Eltern.

Aber Eltern müssen nicht jede Fahrt, jeden Nachmittag, jeden Schulweg und jede Freizeitaktivität persönlich übernehmen.

Ein gut eingearbeitetes Au-pair für ein Kind mit Behinderung kann eine weitere vertraute Person im Familiensystem werden.

Eine Person, die sagt:

„Ich hole heute ab.“

„Ich gehe mit auf den Spielplatz.“

„Ich bleibe bei den Geschwistern.“

„Ich begleite heute zum Kinderturnen.“

„Ich übernehme den Nachmittag.“

Und genau diese vielen kleinen Aufgaben können am Ende etwas sehr Großes ermöglichen:

Dass Eltern nicht permanent zwischen ihrem Beruf und den Bedürfnissen ihres Kindes entscheiden müssen – sondern beides wieder besser nebeneinander Platz haben darf.

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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