Au-pair und Sprachkurs: Wie passt der Deutschkurs in den Familienalltag?

Gastfamilien müssen ihrem Au-pair die Teilnahme an einem Deutschkurs ermöglichen. Feste Kurszeiten gehören in den Wochenplan, Fahrtwege werden mitgedacht. Ob online oder vor Ort besser passt, entscheidet die konkrete Familiensituation.
Ein Au-pair kommt nach Deutschland, um eine Familie im Alltag zu unterstützen, eine neue Kultur kennenzulernen – und vor allem auch, um Deutsch zu lernen und seine Sprachkenntnisse zu verbessern.
Der Sprachkurs ist kein nebensächliches Freizeitangebot, das irgendwo zwischen Kinderbetreuung und Familienalltag Platz finden muss.
Er gehört zum Au-pair-Konzept dazu.
Für Gastfamilien bedeutet das: Bereits bei der Planung der Arbeitszeiten sollte berücksichtigt werden, dass das Au-pair regelmäßig die Möglichkeit braucht, einen Deutschkurs zu besuchen.
Gleichzeitig muss natürlich auch der Sprachkurs zum tatsächlichen Unterstützungsbedarf der Familie passen.
Wie so häufig im Au-pair-Jahr lautet die Lösung deshalb: frühzeitig miteinander sprechen und gemeinsam planen.
Warum ist der Sprachkurs für ein Au-pair so wichtig?
Viele Au-pairs kommen mit ersten Deutschkenntnissen nach Deutschland.
Doch zwischen einem Sprachkurs im Heimatland und einem echten Familienalltag auf Deutsch liegt ein großer Unterschied.
Plötzlich muss das Au-pair Gespräche verstehen, mit den Kindern sprechen, einkaufen, Bus und Bahn nutzen, Termine vereinbaren und sich im Alltag zurechtfinden.
Je besser die Deutschkenntnisse werden, desto selbstständiger wird das Au-pair meistens auch.
Davon profitiert nicht nur das Au-pair.
Auch für die Gastfamilie wird der Alltag mit zunehmenden Sprachkenntnissen leichter.
Deshalb sollte der Deutschkurs nicht als Konkurrenz zur Kinderbetreuung gesehen werden, sondern als wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Au-pair-Jahres.
Der Sprachkurs gehört zum Au-pair-Programm
Gastfamilien müssen ihrem Au-pair die Möglichkeit geben, in seiner Freizeit an einem Deutsch-Sprachkurs teilzunehmen.
Das sollte bereits bei der Gestaltung des Wochenplans berücksichtigt werden.
Findet der Sprachkurs beispielsweise immer dienstags und donnerstags von 9 bis 11 Uhr statt, können diese Zeiten fest eingeplant werden.
Die Familie weiß dann: In diesem Zeitraum steht unser Au-pair nicht für Kinderbetreuung zur Verfügung.
Und das Au-pair weiß gleichzeitig, dass sein Sprachkurs einen festen Platz im Wochenablauf hat.
Muss sich die Familie komplett nach dem Sprachkurs richten?
Natürlich muss der gemeinsame Wochenplan weiterhin zum Familienalltag passen.
Eine Familie nimmt schließlich ein Au-pair auf, weil sie zu bestimmten Zeiten Unterstützung benötigt.
Wenn die Kinder jeden Tag um 14 Uhr abgeholt werden müssen, wäre ein Sprachkurs von 13 bis 15 Uhr möglicherweise einfach keine passende Wahl.
Deshalb sollte die Entscheidung für einen Sprachkurs gemeinsam betrachtet werden:
Wann braucht die Familie regelmäßig Unterstützung? Welche Sprachkurse werden angeboten? Welche Kurszeiten lassen sich gut mit dem Wochenplan verbinden? Wie lange dauert der Weg zum Sprachkurs?
Meist lässt sich eine Lösung finden, die für beide Seiten funktioniert.
Online-Sprachkurs oder Sprachschule vor Ort?
Heute gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Deutsch zu lernen.
Ein Au-pair kann einen Online-Deutschkurs besuchen oder sich für einen Präsenzkurs in einer Sprachschule entscheiden.
Beides hat Vor- und Nachteile.
Online-Sprachkurs: flexibel und unkompliziert
Ein Online-Sprachkurs kann gerade für Familien, die außerhalb einer größeren Stadt wohnen, eine gute Lösung sein.
Das Au-pair benötigt keine Fahrtzeit und kann beispielsweise direkt vom eigenen Zimmer aus teilnehmen.
Online-Kurse sind außerdem häufig günstiger und bieten teilweise eine größere Auswahl an Kurszeiten.
Gerade wenn die nächste Sprachschule nur umständlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, kann das den Alltag erheblich erleichtern.
Präsenz-Sprachkurs: Sprache lernen und Kontakte knüpfen
Ein Sprachkurs vor Ort hat dafür einen anderen großen Vorteil:
Das Au-pair kommt raus, spricht aktiv Deutsch und lernt andere Menschen kennen.
Gerade zu Beginn des Au-pair-Jahres kann eine Sprachschule außerdem ein wichtiger Ort sein, um andere Au-pairs und internationale junge Menschen kennenzulernen.
Aus einem gemeinsamen Deutschkurs entstehen nicht selten Freundschaften und ein soziales Netzwerk außerhalb der Gastfamilie.
Und genau das ist für ein gelungenes Au-pair-Jahr ebenfalls wichtig.
Bei einem Präsenzkurs die Fahrtzeit nicht vergessen
Ein Kurs von 10 bis 12 Uhr bedeutet nicht automatisch, dass das Au-pair um 12:05 Uhr wieder zu Hause sein kann.
Vielleicht muss es zunächst zehn Minuten zur Bushaltestelle laufen, mit Bus und Bahn in die Stadt fahren und anschließend wieder zurück.
Deshalb sollte vor der Anmeldung gemeinsam geprüft werden:
Wo findet der Sprachkurs statt? Wie kommt das Au-pair dorthin? Wie häufig fahren Bus oder Bahn? Und wann wäre es realistisch wieder zu Hause?
Gerade in ländlichen Regionen kann aus einem zweistündigen Sprachkurs schnell ein halber Vormittag werden.
Das sollte man wissen, bevor der Kurs gebucht wird.
Der günstigste Sprachkurs ist nicht automatisch der beste
Bei der Auswahl sollten deshalb mehrere Faktoren zusammenspielen.
Ein etwas teurerer Kurs in der Nähe kann beispielsweise sinnvoller sein als ein günstiger Kurs, für den das Au-pair jedes Mal lange unterwegs ist.
Umgekehrt kann ein guter Online-Sprachkurs perfekt zu einer Familie passen, wenn der Präsenzkurs nur schwer erreichbar ist.
Entscheidend ist nicht, ob online oder offline grundsätzlich „besser“ ist.
Entscheidend ist:
Welcher Sprachkurs passt zu diesem Au-pair und zu dieser Gastfamilie?
Der Wochenplan sollte um feste Sprachkurszeiten herum aufgebaut werden
Sobald ein geeigneter Kurs gefunden wurde, empfehlen wir, die Termine fest in den Au-pair-Wochenplan einzutragen.
So entstehen klare Routinen.
Zum Beispiel:
- Montag: morgens Kinder unterstützen – vormittags frei – nachmittags Kinderbetreuung
- Dienstag: Sprachkurs am Vormittag – nachmittags Kinderbetreuung
- Mittwoch: morgens und nachmittags Unterstützung
- Donnerstag: Sprachkurs am Vormittag – nachmittags Kinderbetreuung
- Freitag: Familienalltag nach Wochenplan
Natürlich sieht jede Familie anders aus.
Aber genau deshalb ist ein schriftlicher Wochenplan so hilfreich.
Auch zu Hause kann die Gastfamilie beim Deutschlernen helfen
Deutschlernen findet nicht nur im Sprachkurs statt.
Der größte „Sprachkurs“ eines Au-pairs ist häufig der tägliche Familienalltag.
Sprechen Sie mit Ihrem Au-pair Deutsch. Erklären Sie neue Wörter. Lassen Sie die Kinder helfen. Schreiben Sie wichtige Begriffe auf.
Wenn etwas Wichtiges noch nicht verstanden wird, darf natürlich auch einmal auf Englisch erklärt werden. Anschließend kann derselbe Satz noch einmal auf Deutsch wiederholt werden.
So wächst die Sprache Stück für Stück ganz selbstverständlich mit.
Ein Au-pair braucht Zeit zum Lernen
Ein Sprachkurs besteht außerdem nicht nur aus den Unterrichtsstunden.
Es gibt Hausaufgaben, Vokabeln und vielleicht eine anstehende Sprachprüfung.
Auch dafür braucht ein Au-pair freie Zeit.
Das Ziel sollte nicht sein, jede freie Stunde außerhalb des Kurses mit Kinderbetreuung zu füllen.
Denn wer nach einem langen Tag noch Deutsch lernen möchte, braucht dafür auch ein wenig Energie.
Sprachkurs und Familienalltag sind kein Widerspruch
Eine Gastfamilie braucht Unterstützung.
Ein Au-pair möchte Deutsch lernen.
Beides gehört zum selben Au-pair-Jahr.
Deshalb sollte weder die Familie das Gefühl haben, ständig ihren gesamten Alltag um den Sprachkurs herum organisieren zu müssen, noch sollte das Au-pair das Gefühl bekommen, sein Deutschkurs störe die Familie.
Mit einer guten Auswahl des Kurses, klaren Absprachen und einem festen Wochenplan lässt sich beides meistens wunderbar miteinander verbinden.
Denn am Ende profitieren beide Seiten davon:
Die Familie bekommt mit der Zeit ein sprachlich immer sichereres und selbstständigeres Au-pair – und das Au-pair erreicht eines der wichtigsten Ziele seines Aufenthalts in Deutschland: wirklich Deutsch zu lernen.

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


