Au-pair bei Therapiereise und Therapieurlaub: Entlastung für Familien mit Kind mit Behinderung

Ein Au-pair kann die Familie auf eine Therapiereise begleiten, sofern die Aufgaben vorher geplant sind. Betreut oder begleitet es das Kind, zählt die Zeit als Arbeitszeit. Es kann Therapieeinheiten begleiten, Geschwister beschäftigen und den Eltern Pausen verschaffen – ersetzt aber keine Therapeuten.
Eine Therapiereise mit einem Kind mit Behinderung ist kein klassischer Familienurlaub.
Mehrere Therapieeinheiten am Tag, neue Therapeuten, ungewohnte Abläufe, Fahrten, Wartezeiten und ein Kind, das körperlich und emotional gefordert wird. Gleichzeitig sind vielleicht noch Geschwisterkinder dabei, die natürlich ebenfalls Ferien haben.
Viele Eltern kennen deshalb das Gefühl:
Wir fahren zwar weg – aber erholsam ist diese Zeit für uns nicht unbedingt.
Ein Au-pair kann auch bei einer Therapiereise oder einem Therapieurlaub eine wertvolle Unterstützung für die ganze Familie sein.
Darf das Au-pair mit auf eine Therapiereise?
Grundsätzlich kann ein Au-pair seine Gastfamilie auf eine Therapiereise mit dem Kind begleiten.
Wichtig ist dabei genau wie bei einem normalen Familienurlaub:
Wenn das Au-pair während der Reise Kinder betreut, zu Therapien begleitet oder zu bestimmten Zeiten für die Familie zur Verfügung stehen soll, handelt es sich um Arbeitszeit des Au-pairs.
Der Ort verändert die Aufgabe nicht.
Ob das Au-pair das Kind zu Hause zur Ergotherapie begleitet oder während einer Therapiereise zur nächsten Therapieeinheit bringt, macht für die Einordnung als Arbeitszeit keinen grundsätzlichen Unterschied.
Warum kann ein Au-pair bei einem Therapieurlaub so wertvoll sein?
Eine intensive Therapiewoche besteht häufig nicht nur aus den eigentlichen Therapieeinheiten.
Das Kind muss morgens fertig gemacht werden.
Es gibt feste Termine.
Zwischen den Einheiten entstehen Wartezeiten.
Das Kind braucht Pausen und Beschäftigung.
Vielleicht möchte es nach einem langen Therapietag einfach nur spielen.
Und irgendwann müssen alle auch noch essen.
Mit einer zusätzlichen vertrauten Person kann sich die Familie viel besser aufteilen.
Vielleicht begleitet Mama die erste Therapie.
Das Au-pair übernimmt anschließend eine Freizeitaktivität.
Papa geht mit dem Geschwisterkind schwimmen.
Später treffen sich alle wieder.
Nicht eine Person muss von morgens bis abends alles gleichzeitig auffangen.
Das Au-pair kann bei Therapieeinheiten begleiten
Wenn es mit der jeweiligen Klinik oder Therapieeinrichtung abgesprochen ist, kann das Au-pair das Kind auch zu einzelnen Therapieeinheiten begleiten.
Das kann gerade dann sinnvoll sein, wenn das Au-pair das Kind bereits gut kennt und auch zu Hause viel Zeit mit ihm verbringt.
Dabei bleibt die Rollenverteilung klar:
Die Therapie wird von den Fachkräften durchgeführt.
Das Au-pair begleitet das Kind.
Vielleicht schaut es zu.
Vielleicht lernt es dabei bestimmte Kommunikationsformen, Spiele oder Alltagshilfen kennen.
Und vielleicht bekommt es Anregungen, die anschließend zu Hause ganz spielerisch in den Alltag integriert werden können.
Einblicke in die Therapie können auch für den Alltag wertvoll sein
Gerade bei intensiveren Therapiereisen werden manchmal Dinge erarbeitet, die anschließend im Familienalltag weitergeführt werden sollen.
Vielleicht geht es um Kommunikation.
Motorik.
Selbstständigkeit.
Spielverhalten.
Alltagsstrukturen.
Wenn das Au-pair bei einzelnen Einheiten dabei sein darf, versteht es möglicherweise viel besser, warum bestimmte Dinge zu Hause auf eine bestimmte Weise gemacht werden.
Das kann besonders wertvoll sein, wenn das Au-pair das Kind anschließend noch viele Monate im Alltag begleitet.
Therapiereisen können für Eltern emotional anstrengend sein
Bei einer Therapiereise geht es nicht ausschließlich um Organisation.
Solche Aufenthalte können auch emotional fordernd sein.
Eltern bekommen vielleicht neue Einschätzungen.
Sie sprechen mit Ärzten und Therapeuten.
Es werden Entwicklungsziele besprochen.
Man freut sich über kleine Fortschritte und muss gleichzeitig vielleicht Dinge verarbeiten, die man sich anders gewünscht hätte.
Und währenddessen läuft der Familienalltag weiter.
Eine zusätzliche vertraute Person kann dann schlicht bedeuten:
Mama und Papa müssen nicht jede Minute gleichzeitig funktionieren.
Nach der Therapie einfach einmal durchatmen
Vielleicht hatte das Kind vormittags mehrere anstrengende Einheiten.
Danach sagt das Au-pair:
„Komm, wir gehen noch eine Runde auf den Spielplatz.“
Oder die beiden holen ein Eis.
Spielen im Hotelzimmer.
Gehen spazieren.
Fahren mit dem Roller.
Das Kind bekommt einen ganz normalen Nachmittag – und die Eltern bekommen vielleicht eine Stunde, um sich auszuruhen oder miteinander zu sprechen.
Gerade während eines Therapieaufenthalts mit einem Kind mit Behinderung können solche kleinen Pausen unglaublich wertvoll sein.
Und was passiert mit den Geschwisterkindern?
Genau hier kann ein Au-pair noch einmal eine ganz andere Rolle bekommen.
Denn eine Therapiereise für ein Kind bedeutet häufig automatisch:
Die Geschwister reisen mit.
Und während das eine Kind mehrere Stunden Therapie bekommt, verbringen die anderen ihre Ferien möglicherweise im Wartebereich, im Apartment oder rund um die Therapieeinrichtung.
Mit einem Au-pair entstehen plötzlich ganz andere Möglichkeiten.
Vielleicht bleibt das Au-pair bei der Therapie und Mama macht mit dem Geschwisterkind einen Ausflug.
Oder Mama begleitet die Therapie und das Au-pair fährt mit den Geschwistern ins Schwimmbad.
Oder Papa geht mit dem Kind zur Therapie und das Au-pair macht mit den anderen einen schönen Ferientag.
So muss sich während einer Therapiereise nicht zwangsläufig alles ausschließlich um die Therapie eines Kindes drehen.
Therapiereise und Familienzeit miteinander verbinden
Vielleicht findet die Therapie im Schwarzwald statt.
Dann kann aus der Zeit rund um die Therapie trotzdem Familienzeit entstehen.
Während eines Kindes Therapieeinheit:
Wandern die anderen.
Besuchen einen Tierpark.
Gehen schwimmen.
Fahren mit einer Sommerrodelbahn.
Machen einen Museumsbesuch.
Oder verbringen einfach einen entspannten Nachmittag draußen.
Das Au-pair schafft dabei vor allem eines:
Die Möglichkeit, sich aufzuteilen.
Und dadurch kann aus einer organisatorisch anstrengenden Therapiereise zumindest teilweise auch eine schöne gemeinsame Familienzeit werden.
Das Au-pair kann auch als vertraute Freizeitassistenz dabei sein
Gerade für ein Kind mit Behinderung kann es angenehm sein, während einer Therapiereise nicht ausschließlich von Therapie zu Therapie zu wechseln.
Das Au-pair kann außerhalb der Therapiezeiten als vertraute Begleitperson beziehungsweise Freizeitassistenz dabei sein.
Spielplatz.
Schwimmbad.
Spaziergang.
Kinderprogramm.
Ausflug.
Gemeinsames Spielen.
So bekommt auch das Kind selbst Pausen und normale Freizeit zwischen den Therapieeinheiten.
Arbeitszeit bleibt Arbeitszeit
Auch während eines Therapieurlaubs gelten die normalen Rahmenbedingungen des Au-pair-Programms.
Wenn das Au-pair das Kind begleitet, betreut oder für die Familie verfügbar sein muss, zählt diese Zeit zur Arbeitszeit.
Auch eine wunderschöne Wanderung wird nicht automatisch zur Freizeit, wenn die Familie sagt:
„Du gehst jetzt drei Stunden mit unserem Kind wandern, damit wir uns ausruhen können.“
Dann ist es eine schöne Freizeitaktivität für das Kind, aber Arbeitszeit für das Au-pair.
Das sollte bereits vor der Reise transparent geplant werden.
Vor der Therapiereise gemeinsam planen
Wir würden Familien empfehlen, nicht erst vor Ort zu überlegen, wann das Au-pair gebraucht wird.
Besprechen Sie vorher:
Welche Therapiezeiten gibt es?
Wer begleitet welche Einheiten?
Wann übernimmt das Au-pair das Kind?
Wann ist es für die Geschwister da?
Welche Freizeitaktivitäten könnten stattfinden?
Und wann hat das Au-pair selbst frei?
So weiß jeder, was ihn erwartet.
Eine zusätzliche Person kann aus einer Therapiereise eine andere Familienzeit machen
Ein Au-pair nimmt der Familie die Therapie nicht ab.
Es ersetzt keine Therapeutin und keinen Therapeuten.
Aber es kann das Drumherum einer Therapiereise mit einem Kind mit Behinderung erheblich erleichtern.
Es kann begleiten.
Beschäftigen.
Mit Geschwistern etwas unternehmen.
Dem Kind nach der Therapie Freizeit ermöglichen.
Bei einzelnen Einheiten dabei sein.
Den Eltern Pausen verschaffen.
Oder schlicht dort sein, wo gerade eine zusätzliche Person gebraucht wird.
Und genau das kann auf einer intensiven Therapiereise einen riesigen Unterschied machen:
Nicht mehr jeder muss überall gleichzeitig sein.

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


