Au-pair in den Ferien: Darf ein Au-pair die Kinder den ganzen Tag betreuen?

Nein. Auch in den Ferien gelten dieselben Arbeitszeiten: maximal sechs Stunden täglich und 30 Stunden wöchentlich. Ein Au-pair kann ein wichtiger Baustein der Ferienbetreuung sein — aber nicht der einzige.
Sechs Wochen Sommerferien, zwei Wochen Weihnachtsferien, Osterferien, Herbstferien – und plötzlich sind die Kinder den ganzen Tag zu Hause.
Für viele Gastfamilien stellt sich spätestens dann die Frage:
Darf unser Au-pair in den Ferien die Kinder den ganzen Tag betreuen?
Die Antwort ist klar: Nein.
Auch während der Schul- und Kindergartenferien gelten für ein Au-pair dieselben Arbeitszeiten wie während des restlichen Jahres. Die Mithilfe darf grundsätzlich maximal sechs Stunden täglich und 30 Stunden wöchentlich betragen.
Ferien bedeuten also nicht, dass aus einem Au-pair plötzlich eine Vollzeit-Kinderbetreuung wird.
Mit etwas Planung kann ein Au-pair die Familie in den Ferien trotzdem wunderbar entlasten.
Auch in den Ferien gelten maximal sechs Stunden täglich
Wenn Kindergarten und Schule geschlossen sind, verändert sich zwar der Familienalltag – die zulässige Arbeitszeit des Au-pairs aber nicht.
Ein Au-pair kann nicht morgens um 8 Uhr die Betreuung übernehmen und bis zum Feierabend der Eltern um 17 Uhr allein für die Kinder verantwortlich sein.
Auch eine lange Mittagspause macht aus einem sehr langen Betreuungstag nicht automatisch eine gute Ferienlösung.
Die Gastfamilie sollte deshalb bereits vor Beginn der Ferien überlegen, wie die Betreuung über den gesamten Tag sichergestellt werden kann.
Ferienbetreuung mit Au-pair frühzeitig planen
Ein Au-pair kann ein wichtiger Baustein der Ferienbetreuung sein – aber eben nicht der einzige.
Je nach Familie können verschiedene Möglichkeiten miteinander kombiniert werden:
Das Au-pair übernimmt beispielsweise einen Teil des Tages. Für weitere Zeiten kommen Ferienprogramme oder Feriencamps infrage. Vielleicht können Großeltern unterstützen, die Eltern teilen sich Urlaubstage auf oder organisieren Betreuung gemeinsam mit Freunden und anderen Familien.
So müssen die 30 Stunden des Au-pairs nicht plötzlich die gesamte Ferienwoche auffangen.
Wie könnte ein Ferientag mit Au-pair aussehen?
Ein Au-pair könnte beispielsweise am Vormittag für einige Stunden die Kinder übernehmen.
Gemeinsam frühstücken, anschließend auf den Spielplatz gehen, basteln, Fahrrad fahren, ins Schwimmbad oder einen kleinen Ausflug machen.
Danach übernehmen die Eltern, Großeltern oder eine andere Betreuung.
In einer anderen Familie wird das Au-pair vielleicht gerade am Nachmittag benötigt und hat dafür den Vormittag frei.
Auch hier gilt:
Die Arbeitszeiten dürfen dort eingesetzt werden, wo die Familie die Unterstützung am dringendsten benötigt.
Sie sollten nur klar vereinbart und innerhalb der täglichen und wöchentlichen Grenzen geplant werden.
Feriencamps können eine gute Ergänzung sein
Feriencamps und Ferienprogramme können Familien während der schulfreien Zeit enorm entlasten.
Die Kinder verbringen einige Stunden mit Gleichaltrigen, erleben etwas Neues und haben einen strukturierten Tagesablauf.
Für Familien mit einem Kind mit Behinderung stellt sich allerdings manchmal eine zusätzliche Frage:
Kann unser Kind überhaupt an diesem Ferienprogramm teilnehmen?
Nicht jedes Ferienangebot ist von vornherein inklusiv ausgerichtet.
Hier kann es in bestimmten Fällen interessant sein zu prüfen, ob das Kind mit einer vertrauten Begleitperson teilnehmen kann.
Kann ein Au-pair ein Kind mit Behinderung ins Feriencamp begleiten?
Wenn Veranstalter bzw. Einrichtung dies zulassen und die Tätigkeit innerhalb der normalen Aufgaben und Arbeitszeiten eines Au-pairs bleibt, kann eine Begleitung im Ferienalltag eine Möglichkeit sein.
Vielleicht kann das Kind grundsätzlich am Ferienprogramm teilnehmen, benötigt aber eine vertraute Person, die ihm Orientierung gibt, bei Übergängen unterstützt, Kommunikation erleichtert oder einfach als bekannte Bezugsperson dabei ist.
Das Au-pair könnte das Kind dann beispielsweise für einige Stunden begleiten.
Aber auch hier gelten klare Grenzen.
Das Au-pair wird dadurch nicht zur professionellen Integrationskraft, Pflegekraft oder therapeutischen Fachkraft.
Benötigt das Kind während des Camps eine fachlich qualifizierte Schul-, Eingliederungs-, Pflege- oder medizinische Unterstützung, muss diese entsprechend anderweitig organisiert werden.
Gerade für Kinder mit Behinderung können Ferien eine Herausforderung sein
Während der Schulzeit gibt es feste Strukturen.
Aufstehen, Schule, Betreuung, Therapie, Verein – vieles läuft jede Woche ähnlich.
In den Ferien fallen diese Strukturen plötzlich weg.
Gerade für Kinder, die stark von Routinen und vorhersehbaren Abläufen profitieren, kann ein Au-pair deshalb eine wertvolle Konstante sein.
Es kann bekannte Tagesstrukturen weiterführen, gemeinsam spielen, rausgehen, Freizeitaktivitäten begleiten oder Geschwisterkinder übernehmen.
Manchmal ist die größte Entlastung auch genau andersherum:
Das Au-pair verbringt einen schönen Ferientag mit den Geschwisterkindern, während Mama oder Papa bewusst Zeit für das Kind mit Behinderung haben.
Darf das Au-pair mit in den Familienurlaub fahren?
Ja, auch ein gemeinsamer Urlaub mit dem Au-pair ist möglich.
Hier ist allerdings eine wichtige Unterscheidung notwendig:
Fährt das Au-pair mit, weil es die Familie im Urlaub bei der Kinderbetreuung unterstützen soll, handelt es sich für das Au-pair nicht einfach um eigenen Urlaub.
Die vereinbarten Betreuungszeiten sind Arbeitszeit.
Auch am Urlaubsort gelten die normalen Grenzen der Au-pair-Tätigkeit.
Nur weil die Kinder plötzlich am Meer statt im heimischen Kinderzimmer betreut werden, wird aus acht Stunden Kinderbetreuung keine Freizeit.
Familienurlaub oder Arbeitszeit?
Auch im Urlaub hilft wieder eine einfache Frage:
Muss das Au-pair gerade dabei sein und wird seine Unterstützung erwartet?
Wenn die Familie sagt:
„Wir gehen heute von 10 bis 14 Uhr an den Strand und möchten, dass du uns mit den Kindern unterstützt“,
dann handelt es sich um Arbeitszeit.
Wenn das Au-pair anschließend frei hat und selbst entscheidet, ob es am Pool bleibt, die Stadt erkundet oder sich in sein Zimmer zurückzieht, ist diese Zeit Freizeit.
Das sollte möglichst schon vor der Reise besprochen werden.
Ein Urlaub mit der Gastfamilie ersetzt nicht automatisch den Urlaub des Au-pairs
Auch das wird gelegentlich verwechselt.
Ein Aufenthalt mit der Gastfamilie wird nicht allein deshalb zum Erholungsurlaub des Au-pairs, weil die Familie verreist.
Soll das Au-pair während der Reise regelmäßig Kinder betreuen und die Familie unterstützen, arbeitet es während dieser Zeiten.
Deshalb sollten Gastfamilien vor einer gemeinsamen Reise klar besprechen:
Wann wird das Au-pair gebraucht? Welche Aufgaben übernimmt es? Wann hat es frei? Wie sind die Arbeitsstunden verteilt? Und welche Erwartungen bestehen an gemeinsame Aktivitäten?
Klare Absprachen verhindern, dass ein vermeintlicher „Urlaub“ für das Au-pair zu einer Woche permanenter Verfügbarkeit wird.
Ferien sind auch für das Au-pair eine besondere Zeit
Bei aller Betreuungsplanung sollte man nicht vergessen, dass auch das Au-pair Deutschland kennenlernen möchte.
Vielleicht möchte es während der Sommerferien Freunde besuchen, ein paar Tage verreisen oder seinen eigenen Urlaub nehmen.
Deshalb empfehlen wir, Ferienzeiten möglichst frühzeitig gemeinsam zu planen.
Je früher beide Seiten ihre Wünsche kennen, desto leichter lassen sich Elternurlaub, Au-pair-Urlaub, Feriencamps, Großeltern und die 30 Stunden Au-pair-Unterstützung miteinander kombinieren.
Das Au-pair ist Teil der Ferienlösung – nicht die gesamte Ferienbetreuung
Ein Au-pair kann gerade in den Ferien eine enorme Unterstützung sein.
Es kann morgens übernehmen, Ausflüge mit den Kindern machen, ein Kind zu einem Ferienangebot begleiten, Geschwister betreuen oder die Familie im Urlaub unterstützen.
Was es nicht kann, ist während mehrwöchiger Schulferien plötzlich die Rolle einer Vollzeitbetreuung übernehmen.
Auch wenn die Kinder den ganzen Tag zu Hause sind, bleiben die Grenzen gleich:
maximal sechs Stunden täglich und 30 Stunden wöchentlich.
Deshalb ist die beste Ferienbetreuung mit Au-pair meistens eine Kombination.
Au-pair, Ferienangebote, Eltern, Großeltern und andere Betreuungsmöglichkeiten greifen ineinander – und aus sechs Stunden Unterstützung werden sechs Stunden echte Entlastung, ohne dass aus einem Au-pair eine Vollzeit-Nanny wird.

Melanie Matl
Gründerin
Selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung.


