Au-pair am Wochenende: Muss ein Au-pair samstags und sonntags arbeiten?

Au-pair und Gastmutter lachen an einem sonnigen Wochenendtisch auf der Terrasse, zwei Kinder sitzen abgewandt dabei.

Muss ein Au-pair am Wochenende frei haben? Darf eine Gastfamilie das Au-pair samstags zur Kinderbetreuung einplanen? Und zählt ein gemeinsamer Familienausflug am Sonntag eigentlich als Arbeitszeit oder Freizeit?

Gerade das Wochenende ist für viele Gastfamilien wichtig.

Unter der Woche bestimmen Schule, Kindergarten, Arbeit und Termine den Alltag. Am Wochenende wünschen sich Eltern vielleicht Unterstützung, um einmal durchzuatmen, einem Geschwisterkind Zeit zu schenken oder etwas zu erledigen.

Grundsätzlich kann ein Au-pair auch samstags oder sonntags unterstützen. Trotzdem gibt es klare Regeln zu Freizeit und Ruhetagen.

Muss ein Au-pair jedes Wochenende frei haben?

Nein.

Ein Au-pair muss nicht grundsätzlich Samstag und Sonntag frei haben.

In Deutschland stehen einem Au-pair mindestens eineinhalb volle Ruhetage pro Woche zu. Diese müssen nicht zwingend am Wochenende liegen. Allerdings muss mindestens ein Sonntag pro Monat frei sein.

Zusätzlich stehen dem Au-pair mindestens vier freie Abende pro Woche zu.

Das bedeutet: Wochenendarbeit ist grundsätzlich möglich, solange Arbeitszeiten und vorgeschriebene Freizeit eingehalten werden.

Trotzdem sollte Freizeit auch zum sozialen Leben passen

Nur weil etwas grundsätzlich möglich ist, bedeutet es nicht automatisch, dass es für das gesamte Au-pair-Jahr die beste Lösung ist.

Stellen Sie sich vor, Ihr Au-pair hat inzwischen einen Freundeskreis aufgebaut. Die anderen Au-pairs haben regelmäßig samstags oder sonntags frei – nur Ihr Au-pair bekommt seine freien Tage grundsätzlich dienstags und mittwochs.

Rein organisatorisch kann das funktionieren.

Für den kulturellen Austausch und das soziale Leben des Au-pairs ist es aber schwierig.

Ein Au-pair-Jahr soll schließlich auch ermöglichen, Freundschaften aufzubauen, Deutschland kennenzulernen und Zeit mit anderen jungen Menschen zu verbringen.

Vielleicht möchte das Au-pair einmal eine Freundin in einer anderen Stadt besuchen und dort übernachten oder gemeinsam mit anderen Au-pairs einen Tagesausflug machen.

Deshalb empfehlen wir bei Besondere Sterne, bei der Wochenendplanung eine gute Balance zu finden.

Gastfamilien dürfen sich auch am Wochenende Unterstützung wünschen

Gleichzeitig sollte die andere Seite nicht vergessen werden.

Natürlich dürfen Gastfamilien sagen:

„Gerade am Wochenende brauchen wir Unterstützung.“

Vielleicht ist die Woche durch Schule und Betreuung gut organisiert, aber am Samstag sind alle Kinder gleichzeitig zu Hause.

Vielleicht möchten die Eltern einmal gemeinsam etwas erledigen.

Oder ein Elternteil möchte mit dem Kind mit Behinderung zu einem Termin oder einen besonderen Ausflug machen, während das Au-pair mit den Geschwisterkindern Zeit verbringt.

Genau solche individuellen Bedürfnisse können bei der Erstellung des Wochenplans berücksichtigt werden.

Es geht nicht darum, dass jedes Wochenende frei sein muss.

Es geht darum, einen fairen Rhythmus zu finden, der Familienalltag und Au-pair-Leben miteinander verbindet.

Was bedeutet eigentlich Freizeit beim Au-pair?

Für die Abgrenzung gibt es eine sehr hilfreiche Frage:

Kann das Au-pair über diese Zeit frei verfügen?

Wenn ja, handelt es sich grundsätzlich um Freizeit.

Das Au-pair kann schlafen, Freunde treffen, in die Stadt fahren, in seinem Zimmer bleiben oder einen Ausflug machen.

Es muss nicht im Haus bleiben und muss auch nicht darauf warten, ob die Familie es vielleicht doch noch braucht.

Ist seine Anwesenheit dagegen erforderlich und soll es Kinder betreuen oder die Familie unterstützen, handelt es sich um Arbeitszeit.

Familienausflug mit dem Au-pair: Arbeitszeit oder Freizeit?

Hier entstehen besonders häufig Missverständnisse.

Die Familie fährt am Samstag in den Zoo, ins Schwimmbad oder in einen Freizeitpark.

Das Au-pair kommt mit.

Ist das Arbeitszeit?

Sagt die Familie:

„Wir fahren heute mit den Kindern ins Schwimmbad und brauchen dich zur Unterstützung. Bitte komm mit.“

dann ist das Arbeitszeit.

Auch wenn das Au-pair schwimmt, Eis isst und einen schönen Tag verbringt.

Es ist dort, weil seine Anwesenheit und Unterstützung erwartet werden.

„Wir laden dich ein – aber du musst nicht mitkommen“

Ganz anders sieht es aus, wenn das Au-pair tatsächlich frei hat.

Die Familie kann beispielsweise sagen:

„Heute ist dein freier Tag. Wir fahren für ein paar Stunden in den Zoo. Wenn du Lust hast, bist du herzlich eingeladen. Natürlich kannst du genauso gut deinen freien Tag mit Freunden verbringen oder zu Hause entspannen.“

Jetzt hat das Au-pair eine echte Wahl.

Entscheidet es sich freiwillig dafür mitzukommen, kann es den Tag als Familienmitglied auf Zeit miterleben.

Natürlich darf vorher trotzdem kurz besprochen werden, wie dieser gemeinsame Ausflug gedacht ist.

Wenn das Au-pair freiwillig als Familienmitglied mitkommt, bedeutet das nicht automatisch, dass es für mehrere Stunden die Kinderbetreuung übernehmen soll.

Gleichzeitig ist ein gemeinsamer Familienausflug natürlich ein gemeinsames Erlebnis, bei dem jeder ein wenig aufeinander achtet.

Zwei Varianten, ein Ausflug

Variante 1: Das Au-pair begleitet die Familie, weil es unterstützen soll. Diese Zeit gehört zur vereinbarten Au-pair-Tätigkeit.

Variante 2: „Du hast morgen frei. Wir fahren ins Schwimmbad. Wenn du möchtest, laden wir dich ein mitzukommen.“

Das Au-pair entscheidet selbst.

Genau diese Unterscheidung hilft auch bei Zoo, Park, Familienfest, Ausflug oder anderen gemeinsamen Unternehmungen.

Wochenendarbeit gehört in den Wochenplan

Wenn Sie Ihr Au-pair am Wochenende benötigen, planen Sie diese Stunden möglichst frühzeitig ein.

Am besten wird bereits beim gemeinsamen Wochenplan besprochen:

Wann wird das Au-pair am Samstag gebraucht? Ist der Sonntag frei? Gibt es Babysitting am Abend? Welche freien Tage hat das Au-pair dafür unter der Woche? Hat das Au-pair bereits private Pläne?

Auch Wochenendarbeit zählt selbstverständlich zu den zulässigen Arbeitszeiten des Au-pairs.

Familie sein und trotzdem Freizeit respektieren

Genau diese Mischung macht das Au-pair-Modell manchmal besonders.

Das Au-pair ist keine klassische Angestellte, die nach Dienstschluss nach Hause fährt.

Es lebt mit der Familie.

Es sitzt vielleicht beim Sonntagsfrühstück mit am Tisch, obwohl es frei hat. Es fährt freiwillig mit in den Zoo. Es schaut abends gemeinsam einen Film oder kommt mit zum Familienfest.

Das ist Familienanschluss.

Aber Familienanschluss darf nicht mit ständiger Verfügbarkeit verwechselt werden.

Ein Au-pair darf Teil der Familie sein und trotzdem Feierabend haben.

Eine gute Mitte finden

Ein Au-pair darf am Wochenende arbeiten.

Eine Gastfamilie darf sich gerade samstags oder sonntags Unterstützung wünschen.

Gleichzeitig braucht das Au-pair ausreichend Möglichkeiten, Freundschaften zu pflegen, andere Au-pairs zu treffen, Deutschland kennenzulernen und auch einmal ein Wochenende außerhalb der Gastfamilie zu verbringen.

Deshalb muss nicht jedes Wochenende gleich aussehen.

Vielleicht wird an einem Samstag gearbeitet und am nächsten ist frei. Vielleicht braucht die Familie regelmäßig samstags Unterstützung, ermöglicht dafür aber immer wieder ein ganzes freies Wochenende.

Entscheidend sind klare Absprachen und ein fairer Wochenplan.

Denn am Ende sollte beides möglich sein:

Die Familie bekommt Unterstützung, wenn sie sie wirklich braucht – und das Au-pair bekommt genügend freie Zeit, um aus seinem Aufenthalt auch sein eigenes Au-pair-Jahr zu machen.

Redaktion Besondere Sterne · Veröffentlicht am

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